Samstag, 23.01.2021

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Schülersprecher erzählen: Lieber zur Schule als zu Hause

Schülersprecher erzählen über ihre Erfahrungen mit Homeschooling und Corona-Beschränkungen. - 26.11.2020 06:00 Uhr

Homeschooling mit Laptop und Handy. Nach dem Lockdown im Frühjahr müssen auch jetzt immer wieder Schüler von zuhause aus Schulstoff pauken – eine Herausforderung, der nicht jeder gewachsen ist.

25.11.2020 © Foto: imago/Bernd Feil


Und auch das Schuljahr 2020/2021 läuft sehr holprig an mit Wechseln zwischen Distanz- und Präsenzunterricht, je nach Infektionsgeschehen. Wie gehen die Schüler mit diesen Herausforderungen um? Jetzt auch noch vorgezogene Weihnachtsferien? Bleibt da nicht vieles auf der Strecke?

Das mit den Weihnachtsferien hält Schülersprecher Jan Möller vom Gymnasium Hilpoltstein für vertretbar, vor allem wenn man bedenkt, dass man dadurch sorgenfreier Weihnachten mit der Familie verbringen kann . Es seien ja nur wenige Schultage, die dadurch verloren gehen. "Blöd wäre es nur, wenn da noch Schulaufgaben oder Klausuren stattfinden", so der 16-Jährige. So geht es Marten Przybilla, einem der Schülersprecher am Rother Gymnasium. "Am 21. Dezember hätten wir Mathe-Klausur geschrieben." Außerdem habe die Schülermitverantwortung (SMV) die letzten beiden Tage vor den Weihnachtsferien immer gerne für Projekttage genutzt mit Workshops zum Beispiel. "Aber das wäre heuer eh ausgefallen", so der Zwölftklässler. Und: "Meistens findet in den Tagen vor den Ferien eh nicht mehr so viel statt."


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Da war und ist das Homeschooling in den vergangenen Monaten schon eine größere Herausforderung. Am Anfang habe es vor allem technische Hürden gegeben, und die neue Art zu lernen war teilweise unübersichtlich. Über die Lernplattform Mebis – die anfangs völlig überlastet war – hätten sich die meisten Schüler aber schnell an das Lernen von zu Hause gewöhnt, meint Jan Möller. Sicher gibt es auch Schüler, die weder auf ein Laptop noch einen PC Zugriff haben. Diese konnten sich beispielsweise Geräte über die Schule ausleihen oder die Lehrer hätten versucht, andere Lösungen zu finden. "Teilweise wurden ihnen sogar die Arbeitsblätter nach Hause gebracht", weiß der Hilpoltsteiner.

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Sein Rother Kollege Przybilla weist darauf hin, dass die bayerischen Schulen in Sachen Digitalisierung ganz schön hintendran sind. "Wir schreiben teilweise noch auf Tafeln mit Kreide", berichtet er. Er hofft, dass sich da einiges durch den Modernisierungsmaßnahmen am Gymnasium in Roth tue.

Ganz anders die Situation am Gymnasium Wendelstein. Dort werde mit Smartboards und teilweise mit den eigenen Tablets gearbeitet, wie Schülersprecher Louis Fischer berichtet. Videokonferenzen mit den Lehrern sind gang und gäbe. So ist der Unterricht daheim am PC für den 17-Jährigen überhaupt kein Problem.


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"Bei uns in der Schule herrscht die Meinung, dass die Klassen geteilt werden sollten, und die Schüler sich wochenweise mit Homeschooling und Präsenzunterricht abwechseln", sagt der Heidecker. Alles Friede, Freude, Eierkuchen also? Nein. "Die Schule ist schon stressiger als vorher."

Hinzu kommt: Was nutzt auch die neueste Technik, wenn nicht alle Leute damit umgehen können? Bei den Schülern ist das Problem weniger gegeben. "Wir beschäftigen uns täglich mit Handys und Laptops", erklärt der Przybilla. Die Schüler wachsen quasi mit den neuen technischen Möglichkeiten auf. Aber bei den Lehrern fehle es teilweise schon an entsprechenden Schulungen.

Internetverbindung ein Problem

Sicher treffe dies auch auf den ein oder anderen nicht so Computer affinen Schüler zu. Für die meisten Schüler ist beim Homeschooling jedoch mehr die zu schlechte Internetverbindung vor allem auf dem Land das Problem als die Anwendung von Mebis, Teamviewer und Co.

Das Lernen daheim hat einen weiteren gravierenden Nachteil: "Im Präsenzunterricht bekommt man viel mehr mit als in virtuellen Konferenzen", sagt der Elftklässler Jan Möller. Es fehle einfach die Möglichkeit, den Lehrer etwas direkt zu fragen. Das ist selbst bei Videokonferenzen nicht immer einfach. Eins ist klar: Die Vermittlung neuen Schulstoffs ist in den vergangenen sechs Monaten teilweise auf der Strecke geblieben. Und einige Schüler haben Lücken, vor allem in den Hauptfächern wie Mathematik und Sprachen.

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"Es gab sicher den ein oder anderen Schüler, der den Lockdown als zwei Monate Ferien betrachtet hat", ist sich da Marten Przybilla sicher. Das räche sich nun. Die Lehrer versuchen, die Lücken durch Ergänzungsunterricht auszugleichen, was nicht immer so wirklich gelingt. Schließlich steht auch schon wieder der neue Stoff an.

Mit gewissem Respekt schauen deshalb auch die Schülersprecher in die Zukunft. 2021 steht für Marten Przybilla das Abitur an. "Schüler, die nicht so leistungsstark sind, werden sich sicher schwer tun", meint der 19-Jährige. Aber er ist auch zuversichtlich. Denn: "Die Lehrer wollen ja trotzdem, dass wir das gut hinbekommen."

 

 

 

Ein Jahr später schreibt Jan Möller Abitur. "Ich hab schon Bedenken, wie es weitergehen soll. Wie dann das Abi abläuft und ob vielleicht Stoff herausgekürzt wird ..."

Und es ist ja noch nicht vorbei. Durch das Homeschooling und überhaupt coronabedingt fehle auch der Kontakt zu den anderen Schülern. Marten Przybilla ergänzt, dass die Eltern oft viel zu viel Stress machen wegen der Masken oder anderer Einschränkungen. "Wir Schüler können mit der Situation ganz gut umgehen. Und wir sind froh, wenn wir in die Schule gehen dürfen."


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ELKE BODENDÖRFER

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