Haus akut einsturzgefährdet

SEK-Einsatz nach Feuer in Büchenbach: Leiche gefunden - Bewohner wohl "Reichsbürger"

Motiv: Portrait - Carola Scherbel  Foto: Martin Regner, gesp.29.08.2019
Carola Scherbel

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29.9.2021, 12:55 Uhr
Am Tag nach dem Brand blieb von dem Wohnhaus nur noch ein Gerippe übrig. 

Am Tag nach dem Brand blieb von dem Wohnhaus nur noch ein Gerippe übrig.  © NEWS5

Das Wohnhaus in Büchenbach ist in der Nacht zum Mittwoch(29. September) samt Nebengebäude und Garage komplett ausgebrannt. Der Bewohner – als Reichsbürger polizeibekannt – wurde zunächst vermisst, Brandstiftung vermutet. Deshalb war ein Riesenaufgebot an Feuerwehr, Rettungsdienst und vor allem Spezialkräften der Polizei vor Ort.

Am Vormittag danach fanden diese im ersten Stockwerk des abgebrannten Hauses eine männliche Leiche. Ob es sich bei dem Toten tatsächlich um den Bewohner des Hauses handelt, konnte die Polizei noch nicht bestätigen. Zur gesicherten Identifizierung müsse man die Leiche rechtsmedizinisch untersuchen.

Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion angeordnet. „Der Schluss liegt allerdings nahe“, sagte ein Polizeisprecher. "Aufgrund der Gesamtumstände" gebe es "konkrete Verdachtsmomente, dass der Brand vorsätzlich gelegt worden sein könnte".

Zwangräumung war angekündigt

Denn: Für den Mittwoch stand die Zwangsräumung des Hauses an. Die Gemeinde Büchenbach hatte im Jahr 2020 das Zweifamilienhaus am Kirchensteig von einem Insolvenzverwalter für ein Ortsentwicklungsprogramm gekauft. Seitdem habe die Gemeinde „mit guten und mit bösen Worten“ versucht, den Mann zum Auszug zu bewegen, wie Bürgermeister Helmut Bauz auf Anfrage erklärt.

Wenige Stunden vor der Zwangsräumung ging das Anwesen dann in Flammen auf. Nachbarn hatten in der Nacht gegen 1.30 Uhr die Polizei verständigt, weil der Bewohner „deutlich wahrnehmbare Tätigkeiten“ in und am Gebäude durchgeführt habe. Kurz danach war Rauch aufgestiegen.

Um 2.04 wurde die Feuerwehr alarmiert. Anwohner berichten, dass Heizöl und Gasflaschen transportiert wurden. Dies wollte der Sprecher des Polizeipräsidiums noch nicht bestätigen. „Doch die Hinweise verdichten sich, dass der 73-jährige Bewohner das Feuer vorsätzlich gelegt hat.“

"Bemerkenswert wirre Weltsicht"

Der Mann war als „Reichsbürger“ bei der Polizei bereits aktenkundig. Laut Bürgermeister Bauz war er häufiger mit einer „bemerkenswert wirren Weltsicht“ in Erscheinung getreten, beim Bäcker im Ort hat er Hausverbot, weil er das Tragen einer Mund-Nasen-Maske verweigere. Der Zusammenhang weckt ungute Erinnerungen an den Fall von Georgensgmünd, wo ein bekennender Reichsbürger vor vier Jahren einen Polizisten erschossen hatte.

Rathauschef Bauz zeigte sich am Tag nach dem Brand sichtlich betroffen, auch wenn der Mann ihn selbst „mehrfach persönlich verbal angegangen“ habe. Zur Kommunalwahl 2020 war der Hausbewohner auf der Liste der AfD für den Kreistag angetreten und hatte immerhin mehr als 8000 Stimmen geholt.

Mit rund 150 Einsatzkräften waren in der Nacht die Feuerwehren aus Roth, Schwabach, Georgensgmünd und Rednitzhembach inklusive der Ortsteilwehren sowie das THW und der Rettungsdienst vor Ort, denn zunächst war nicht klar, ob der Bewohner das Haus verlassen hatte oder im Gebäude war.

Anwohner durften nicht zurück in ihre Häuser

Familien in den benachbarten Häusern wurden evakuiert und das Gelände um den Brandort großräumig abgesperrt. In der gesperrten Ortsdurchfahrt kam es zu Verkehrsbehinderungen. Der Brand konnte gelöscht werden, das Haus ist nun aber akut einsturzgefährdet, weshalb am Mittwoch überlegt wurde, das Gebäude kontrolliert zum Einsturz zu bringen.

„Es ist sonst nichts passiert“, berichtete später der Kommandant der Büchenbacher Feuerwehr, Norbert Dörfler. Alle evakuierten Nachbarn durften im Lauf des Tages in ihre Wohnungen zurückkehren. Aber der Abstand zu den nächsten Häusern beträgt nur wenige Meter. „Es hätte auch ganz anders ausgehen können.“

Stundenlang wurde zuvor noch nach dem Hausbesitzer gesucht. Am Vormittag gegen 10 Uhr wurde dann die Leiche eines Manns im ersten Stockwerk entdeckt. Um den Toten zu identifizieren, wurde eine Obduktion angeordnet.

Der materielle Schaden wird aufgrund der Größe des Brands auf einen mindestens sechsstelligen Betrag geschätzt. Brandermittler der Kripo Schwabach untersuchen seit Mittwochvormittag den Einsatzort. Neben der Identität des Toten werden, so der Polizeisprecher, „auch alle anderen Umstände ermittelt“. Die Schwabacher Kripo erhält dabei Unterstützung von Experten des Landeskriminalamte (LKA).

[Der Artikel wurde am 29.09.2021 mehrfach aktualisiert]


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