Freitag, 21.02.2020

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Stefanie Schmauser will auf den Hilpoltsteiner Chefsessel

Die Bürgermeister-Kandidatin der Freien Wähler im Portrait - 11.02.2020 06:00 Uhr

Mit Jagdhund Otto geht Stefanie Schmauser wann immer es ihr schmales Freizeitbudget ermöglicht, raus. Für sie der optimale Ausgleich zu ihrem quirligen Alltag.


Lebe jeden Tag bewusst und verschwende ihn nicht." Gefragt nach ihrem Lebensmotto, kommt Stefanie Schmauser dieser Satz ganz spontan über die Lippen. Wenn man "Verschwendung" gleichsetzt mit "Zeit vertrödeln", dann ist die noch 39-Jährige die Personifizierung ihrer selbst gewählten Lebensdevise.

Nur ein Beispiel aus ihrer Vita: Selbst als die Kinder noch klein waren, schulterte sie als gleichberechtigte Geschäftspartnerin ihres Mannes die Vollzeit-Stelle im eigenen Geschäft, legte erst Gesellen-, dann die Meisterprüfung "nebenher" ab, ohne darüber hinaus ihr ehrenamtliches Engagement beim BRK brachliegen zu lassen.

Ja, sie sei schon "strukturiert und organisiert", gibt die groß gewachsene Hilpoltsteinerin zu, die es gewohnt zu sein scheint, sich persönliche Ziele zu stecken, um weiter zu kommen. Weiter im Sinn auch von "vorwärts". Reichte vor Jahren der Gesellentitel alleine nicht, reicht es ihr jetzt nicht mehr, "nur" im Stadtrat zu sitzen. Sie will jetzt auf den Bürgermeistersessel. "Weil ich gestalten und anpacken will, um etwas zu verändern." Genau das reize sie am Bürgermeisteramt.

Ein Berufsziel, an das sie sich erst herantasten musste. Als sie im August 2018 von der Führungsspitze der Freien Wähler ob einer Kandidatur gefragt worden war, hat sie das Ganze über Wochen hinweg zunächst mit sich selbst abgeklärt — um dann bei einem guten, selbst gekochten Abendessen im November ihren Mann zu fragen.

"Ohne die Unterstützung meiner Familie hätte ich es nicht gemacht", sagt Steffi Schmauser ("mein Mädchenname ,Nutz‘ steht nur in meinem Pass mit drin. Den Namen nutze ich sonst nie."). Die Antwort von ihrem Mann Thomas, mit dem Wissen, dass die Familie in den vergangenen Jahren durch ihre Qualifizierungen viel kompensieren musste, hat sie dann echt überrascht: "Er meinte nur: ,Klar. Mach’ das. Ich finde das gut.‘"

Da wie dort ein Dienstleistungsjob

Also "macht" Stefanie Schmauser jetzt Wahlkampf. Das bedeutet konzeptionelle Arbeit, planen, ein effektives Zeitmanagement hinzulegen, viel mit unbekannten Menschen zu reden, zuhören. "Also genau genommen auch nichts anderes, als was ich bisher beruflich mache. Da wie dort geht es doch um Dienstleistung", sieht die 39-Jährige enge Parallelen zu ihrem bisherigen Alltag.

Und: Sie tut es mit dem ihr eigenen "Sonnengemüt", wie Stefanie Schmauser sich selbst charakterisiert. Was aber nicht gleichbedeutend ist mit "im Mittelpunkt stehen müssen". Im Gegenteil: Ganz bewusst sucht sich die zweifache Mutter und Geschäftsfrau in ihrem betriebsamen Alltag "Ruhe-Inseln".

Entspannen in der Natur

Darum auch der Entschluss vor zwei Jahren, den Jagdschein zu machen. Wieder viel Lernerei samt Prüfung im Vorfeld. Egal. Ihr Mann zog mit. Beide haben sie sich in das Waidhandwerk verliebt, gehen in Greding mit auf die Jagd.

Wobei die eigentliche Jagd nur einen Bruchteil dessen ausmacht, was das Ehepaar in seiner Freizeit in Wald und Flur unternimmt. Hochsitzbau, Wild beobachten, Blumenwiesen pflegen, nebenbei sogar noch eine kleine Imkerei betreiben — es ist dieses "Draußensein", die Ruhe, das Alleinsein mit Zeit zum Sinnieren, inzwischen auch die täglichen Spaziergänge mit Jagdhund "Otto", die Stefanie Schmauser und ihr Mann genießen können.

"Dazu gehört natürlich auch mal ein guter Wildbraten. Da stehe ich dazu. Ich esse das nun mal gerne; ich weiß, woher das Fleisch kommt, und dass es den Tieren bis zu einem sauberen Abschuss einfach gut ging. Ohne Mast, ohne Quälerei", gibt die Jung-Jägerin freimütig zu, die auch ohne Gewehr und gerne zu Fuß loszieht.

"War mein bester Kumpel"

Wenn auch nicht so lange, wie im vergangenen Jahr als sie fünf Wochen auf dem Jakobsweg unterwegs war. "Ich hatte schon Angst, wie es ist, fünf Wochen alleine mit mir zu sein. Aber: Ich bin mein bester Kumpel gewesen", erzählt sie lachend.

Ein zweiwöchiges Teilstück hat sie sich für heuer übrig gelassen. Im Liegestuhl liegen — "geht schon mal, aber nicht länger als zwei oder drei Stunden am Stück", erzählt die passionierte Fußgängerin. "Als Kompromiss für die Familie, die doch gerne mal mehr Ruhe hat." Schickimicki im Urlaub — "nix für mich. Brauch’ ich nicht".

Dafür umso mehr das Familienleben – ist der Alltag noch so mit Terminen vollgepackt. Gemeinsames Frühstück, gemeinsames Abendessen und gemeinsame Unternehmungen am Wochenende, "das muss sein", sagt Schmauser. "Familie ist mir unheimlich wichtig. Da kommt danach lange nichts".

Und eine echte Herzensangelegenheit ist ihr die Arbeit im Kriseninterventionsteam. Sie war eine der Ersten im Landkreis, die vor Jahren die intensive Ausbildung mitmachte — und bis heute dabei ist. "Als Sanitäterin habe ich immer wieder erlebt, wie schlimm es ist, wenn jemand mit einer Todesnachricht alleine gelassen wird. Da wollte ich nicht mehr länger zusehen, sondern was dagegen tun. So kam ich zum Kriseninterventionsteam." Für das ist sie fast wöchentlich im Einsatz. Nur so viel dazu: "Man glaubt gar nicht, wie viele Suizide es auch bei uns in der Region gibt ..."

Das ist die nachdenkliche Seite der Stefanie Schmauser, die sonst bekennend "geradeaus raus" ist. Aus Überzeugung. "Falschheit und Unehrlichkeit" sind dagegen Eigenschaften, die sie "echt nicht leiden kann". Genauso wenig wie "Zeitfresser"; Mitmenschen, die völlig "beratungsresistent" sind, zählt sie dazu.

So oder so gewonnen

Und wie sieht’s aus mit einem Wahlkampf samt den damit verbundenen Terminen über Monate hinweg? Und dessen Ausgang ungewiss ist? "Das ist keine verlorene Zeit, sondern Zeit, in der ich unheimlich viel an Wissen, viele Bekanntschaften und Begegnungen gewonnen habe." Und dann passt das wieder hinein in Stefanie Schmausers Lebensmotto jenseits der Kommunalpolitik.

Claudia Weinig E-Mail

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