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"Stöpsel gezogen": Leerstettener Schleuse ohne Wasser

Das gewaltige Wasserbauwerk wird derzeit turnusgemäß inspiziert und runderneuert - 16.04.2021 11:04 Uhr

Nicht alltägliche Perspektive: Ohne Wasser wirkt das gewaltige Betonbecken der Leerstettener Kanalschleuse noch monströser.

15.04.2021 © yfr


In der Hauptkammer der Schleuse in Leerstetten befinden sich normalerweise über 60.000 Kubikmeter Wasser. Beinahe die Hälfte davon wird für eine einzige Schiffsschleusung benötigt. „Die Größe dieses Bauwerks erschlägt einen regelrecht“, staunt Matthias Stadler vom Wasserstraßen -und Schifffahrtsamt Donau MDK.

Vor wenigen Tagen wurde nun „der Stöpsel gezogen“ und das komplette Wasservolumen abgelassen. In einem Turnus von sechs Jahren werde der gewaltige Betonkomplex völlig trockengelegt, um die Anlage auf „Herz und Nieren“ zu überprüfen, erklärt Stadler. Eine Gruppe von „Generalinspektoren und Bauwerksprüfern“ nehme dabei jede Ecke genau unter die Lupe. Darüber hinaus werde auch eine Grundreinigung sämtlicher Kammern und Schächte erledigt.

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In der Schleuse Leerstetten herrscht momentan Ebbe. Bevor das "Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Donau MDK" wieder für Flut sorgt, gibt es noch allerhand zu tun: Für mehrere Tage wird die Schleuse nämlich auf "Herz und Nieren" geprüft. Nach Abschluss der aufwändigen Maßnahme soll der Betonkoloss in den "sicheren Betrieb" übergehen, verspricht Wasserbaumeister Matthias Stadler.


Bisher attestiert Stadler der 1980 fertiggestellten und fünf Jahre später in Betrieb genommenen Schleuse einen außerordentlich guten Zustand. Zu tun gebe es allerdings genug: Schwundrisse und Korrosionen seien schon vorhanden. „Meist handelt es sich um kleine Regiearbeiten, die sofort erledigt werden können“, erläutert der Wasserbaumeister. Nicht zuletzt werde eine „Risskartierung“ bestehender Mängel abgearbeitet und fortgeschrieben. „Nach der Maßnahme geht das Bauwerk wieder in den sicheren Betrieb über.“

Großer logistischer Aufwand

Im Schnitt sind augenblicklich weit über 30 Personen am Werk – und das täglich: Von Spezialtauchern bis hin zum Sicherheitspersonal werden allerhand Kräfte benötigt werden. „Der logistische Aufwand ist bemerkenswert“, so Stadler. Um keine große Beeinträchtigung des laufenden Schifffahrtverkehrs zu provozieren, werde bereits Jahre vor der Schleusensperrung geplant: „Es ist wichtig, sämtliche Fährmänner zu benachrichtigen, um rechtzeitig alternative Routenplanungen vornehmen zu können.“


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Während der vergangenen sechs Monate sei es schließlich in die Vollen gegangen. Die Beauftragung entsprechender Firmen und das Koordinieren dieser sei besonders wichtig. Allein der Aufbau und das Einpassen des überdimensional großen Baugerüsts sei eine „technische Meisterleistung“.

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Neben den bautechnischen Überprüfungen schieben die eingesetzten Arbeiter auch Unmengen an Schlamm aus den Kanälen beziehungsweise der kompletten Schleusenanlage. Nicht weniger Arbeit bereitet die Beseitigung von unzähligen Dreikantmuscheln, die sich sowohl an den Betonwänden als auch an den Metallbauteilen festgesetzt haben. Allerdings nehmen Stadler und sein Team besonders Rücksicht auf Wassertiere: „Wir haben versucht, jeden Fisch lebendig aus der Schleuse herauszubringen. Darauf legen wir großen Wert.“

„Als technischer Mitarbeiter beim Wasserstraßen -und Schifffahrtsamt verbringt man ordentlich Zeit am Schreibtisch“, beschreibt Stadler seinen Berufsalltag. Über solche Aktionen freut er sich dann besonders, um für ein paar Tage den Schreibtisch gegen die Gummistiefel eintauschen zu dürfen.

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Die Schleuse Leerstetten verfügt über einen eigenen „Kommandostand“, wird aber seit 2007 aus der Revierzentrale Hilpoltstein fernbedient. Von dort aus werden auch die Schleusen Bachhausen, Eckersmühlen und Hilpoltstein ferngesteuert. Ab 2024 soll die Steuerung von zwölf Schleusen aus der Leitzentrale in Nürnberg erfolgen - später die aller 16 Kanalschleusen. Die Schleuse Leerstetten ist - außer bei Betriebsstörungen wie beispielsweise Unfällen, Wartungsarbeiten oder Eisgang - ganzjährig rund um die Uhr betriebsbereit und nachts beleuchtet.

Im „Ober- und Unterwasser“ bestehen diverse Schleusenvorhäfen für die Berufsschifffahrt, Warteplätze mit Sprechstellen für die Freizeitschifffahrt und Slip-Anlagen für Wasserkleinfahrzeuge. Die Bauzeit der Schleusenanlage zog sich über sechs Jahre hin. Am 27. September 1985 erfolgte die offizielle Inbetriebnahme.

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Marco Frömter Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

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