"Impfzwang durch die Hintertür"?

Terrasse statt "3G": Rother Wirtin serviert nur noch draußen

2.9.2021, 15:04 Uhr
Bei Petra Nicklas bekommt der

Bei Petra Nicklas bekommt der "Impfzwang keine Hintertür". Deshalb muss sie jetzt umso öfter selbst durch die Vordertür ihres Cafés, denn sie bedient alle Gäste – ob geimpft, genesen oder getestet – ausschließlich im Freien. © Paul Götz, NN

Im „Boutique Café MoCa“ gegenüber dem Schloss Ratibor in Roth findet an der Schwelle der Eingangstür der Übergang zwischen zwei Welten statt. Die 3G-Regeln und die Mischform des Betriebs sorgen für Widersprüche, die nicht nur für ein Kopfschütteln gut sind. Besitzerin Petra Nicklas nimmt die Aufteilung der Kundschaft in „geimpft-genesen“ und „getestet“ als gesellschaftliche Spaltung wahr und hat als Konsequenz beschlossen, Café-Gäste ausschließlich im Freien zu bedienen: „Auch wenn das Umsatzeinbußen bedeutet.“

Ihres Wissens ist sie mit dieser Maßnahme im näheren Umkreis eine Einzelkämpferin, aber Nicklas zieht das aus Überzeugung und aus nachvollziehbaren Gründen durch: Wer in der Boutique stöbern oder shoppen will, müsste zwar wie die Café-Gäste eine Maske aufsetzen, darf das aber uneingeschränkt ohne 3G-Nachweis tun.

Setzt man sich auf einen Espresso an einen Tisch, rückt man zum Aerosol-Verteiler auf und muss seine Harmlosigkeit mit einem Zertifikat nachweisen. Was Petra Nicklas besonders daran stört, ist, dass die Politik mit den Vorgaben versuche, „einen Impfzwang durch die Hintertür einzuführen“.

Kontrolle? Unmöglich!

Gleichzeitig vermisst die Gastronomin Handreichungen, wie die Kontrolle funktionieren könnte: „Das sagt uns keiner, weder der Handelsverband, noch die Dehoga, noch die Regierung.“ Geimpfte führen ihren Nachweis meist über eine Handy-App. Auf der können zum Beispiel alle Familienmitglieder hinterlegt sein. Für eine Identifikation ist der Abgleich mit dem Personalausweis oder einem Reisepass nötig, aber die Kontrolle dieser Papiere ist Wirten nicht erlaubt.

Eine weitere Frage wäre: Wer kontrolliert’s? Beim Ein-Frau-Betrieb „Boutique Café MoCa“ springt schon mal der Partner als Aushilfe ein – und ein Silberstreif in der personell gebeutelten Branche: Ab 1. Oktober kommt eine Vollzeitkraft. Doch angesichts der Hausregel entsteht da ja sowieso keine Verlegenheit. Unabhängig von der Besetzung bleibt die offene Frage: Wer gleicht eigentlich die Identität mit den Impf-Apps ab?

Der Aufwand wäre zu groß

Sabine Lindner vom Hotel-Gasthof Raab in Schwabach hat es mit einer ganz anderen Betriebsgröße zu tun. Doch in dieser Beziehung gilt das Gleiche wie für ein Café: „Wir müssen das den Leuten so glauben. Einen Ausweis darf ich nicht prüfen, und wenn ich Bedenken habe, müsste ich die Polizei rufen.“

Eine eigene Teststation wäre für das „Raab“ zu aufwändig. Die Hotelgäste müssen seit der Wiederzulassung sowie regelmäßig Nachweise vorlegen, und die Restaurantbesucher bringen in den überwiegenden Fällen einen Nachweis mit. Ausnahmen wie Masken-Atteste sind tatsächlich auch von der Zahl her Ausnahmen - machen aber auch Umstände, denn die Betroffenen dürfen beispielsweise nicht ans Frühstücksbüffet, sondern werden bedient.

Als Zugeständnis an die Verhältnisse und auch Gästewünsche nach frischer Luft hat Raabs Inspektorsgarten ein Zelt auf der Terrasse bekommen. Und das ist besonders gut belüftbar.

Nagelprobe Kirchweih

Beim „Goldenen Ochsen“ in Alfershausen haben die 3G-Regeln bislang noch keine Schwierigkeiten erzeugt. Die Wirtsfamilie Winkler bietet sogar eine eigene Testmöglichkeit an, doch die wartet noch auf eine Bewährungsprobe.

„Im Moment ist das so, dass alle Gäste ihren Test- oder Impfnachweis dabei haben“, sagt Christian Winkler. Ein Test vor Ort wäre „mit einer Viertelstunde relativ zeitaufwändig und auch nicht das Optimale für das Personal“.

„Wir sehen erstmals an diesem Wochenende, wie das so ist,“ erklärt Christian Winkler. „Und richtig spannend wird es in zwei Wochen. Vom 11. bis 13. September haben wir Kirchweih.“