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Teures Eigenheim: Eine Quote fürs bezahlbare Wohnen?

Vier Rother Stadtratsfraktionen fordern Selbstverpflichtung beim Mietwohnungsbau - 23.04.2021 11:04 Uhr

Ein Fünftel der neuen Wohnungen in großen Baugebieten in Roth soll der Sozialbindung unterliegen, fordern vier Parteien im Rother Stadtrat.

21.04.2021 © Soeren Stache


„Wohnen ist ein Menschenrecht.“ So zitiert der Rother SPD-Fraktionssprecher Sven Ehrhardt den Architekten Gerold Reker – und begründet damit einen Antrag, den die SPD zusammen mit der Linken, der Partei und der Partei Die Franken an Stadtrat, Bürgermeister und Verwaltung stellt: Für Roth soll eine verbindliche Quote von 20 Prozent für bezahlbaren Wohnraum beschlossen werden.

Gelten soll diese Festlegung für alle künftigen Wohngebiete mit mindestens 25 Wohneinheiten, „also nicht für das einzelne, nachverdichtete Baugrundstück, sondern für groß angelegte neue Baugebiete“, stellt Ehrhardt klar. Als Beispiele in der Kreisstadt nennt er die Pläne für die Abenberger Höhe oder für das Leoni-Gelände. Für Baugebiete wie an der Zwillach in Eckersmühlen oder das Baumwiesen-Quartier nahe der Innenstadt sei es wohl schon zu spät. Und an der Virchowstraße habe es auch nicht geklappt. Aber für neue Projekte mit mehr als 25 Wohnungen müsse die 20-Prozent-Regel auf jeden Fall eingeführt werden.


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„Und mit 20 Prozent steigen wir noch ziemlich niedrig ein“, verweist Ehrhardt auf andere Kommunen, die eine solche Selbstverpflichtung längst hätten. In Erlangen etwa müssen 30 Prozent aller Wohneinheiten eines Baugebiets, das die Stadt ausweist oder an Investoren verkauft, der Sozialbindung unterliegen.
In Schwabach gebe es zwar keine feste Quote, erläutert der städtische Pressesprecher Jürgen Ramspeck, „weil es jeweils auf die städtebaulichen Umstände ankommt, ob sie möglich ist“. Aber grundsätzlich werde bei jedem neuen Wohngebiet geprüft, ob ein 20-Prozent-Anteil an Sozialwohnungen geplant werden kann. „Und es wird immer diskutiert, ob und warum es möglich oder nicht möglich ist.“

Zusammen mit der Linken, der „Partei“ und der Franken-Partei setzt die SPD in Roth darauf, dass man „im Stadtrat parteiübergreifend einig ist“, dass bezahlbares Wohnen gefördert und günstiger Wohnraum geschaffen werden muss. Auch in der Kreisstadt sei er kaum verfügbar. „Jungen Erwachsenen oder Senioren, aber auch Familien mit mittlerem oder geringem Einkommen ist es erschwert, geeignete und vor allem bezahlbare Wohnungen zu finden.“

Zu teuer für junge Familien und Senioren

Auf die Dringlichkeit pocht auch Robert Gattenlöhner (Die Franken), der ein Gegenbeispiel anführt: „Wenn man sieht, zu welchen Preisen die Wohnungen auf dem früheren Stadtbrauerei-Gelände angeboten werden, überlegt man, ob sich junge Menschen oder Familien überhaupt so etwas leisten können“. Er selbst, sagt Gattenlöhner, hätte sogar eine Quote von 25 Prozent befürwortet.

Für Susanne Horn (Die Linke) stellt der Antrag „einen Schritt in die richtige Richtung dar“, denn mit einer festgelegten Quote „können wir es schaffen, bezahlbaren Wohnraum in Roth in jedem neuen Baugebiet zu schaffen“. Trotzdem sei dies noch nicht das, was sie sich wünsche: nämlich eine eigene städtische Wohnungsbaugesellschaft. „Sie könnte bezahlbaren Wohnraum schaffen, der nicht nach 25 Jahren aus der Sozialbindung gelöst wird, sondern einen festen Bestand für die Rother Bürger*innen darstellt.“

Durchschnittlich 600.000 Euro für ein Eigenheim

Notwendig sei zudem ein Mietenspiegel, um die tatsächliche Situation ablesen zu können. Einen groben Anhaltspunkt liefern die Daten der Sparkasse, die diese kürzlich bei ihrem Bilanzpressegespräch in Roth vorstellte. Die Richtung: steil nach oben.

So zahlt man dem Kreditinstitut zufolge derzeit für eine Bestandswohnung in Schwabach im Schnitt rund 3000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. In Roth sind es noch 2700 Euro, in Weißenburg-Gunzenhausen 2200 Euro. Für Neubauwohnungen werden noch ganz andere Preise aufgerufen: durchschnittlich 4500 Euro pro Quadratmeter in Schwabach, 4000 Euro in Roth und 3800 Euro in Altmühlfranken.


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Besonders drastisch ist der Unterschied bei freistehenden Einfamilienhäusern. Für ein solches Eigenheim löhnt man in Schwabach durchschnittlich 600.000, im Landkreis Roth immer noch 440.000 Euro und in Weißenburg-Gunzenhausen „nur“ 280.000 Euro.

Mietenstopp wäre nötig

Außerdem fordert die Rother Linke einen bundesweiten sechsjährigen Mietenstopp. In Sachen städtischer Wohnungsbaugesellschaft will auch die SPD unabhängig von der beantragten Sozialwohnungsquote „dranbleiben“.

Und der Mietenspiegel, das hat Sven Ehrhardt auf seinen Antrag hin von Bürgermeister Ralph Edelhäußer erfahren, sei gerade in Arbeit. Der gemeinsame Antrag der vier Parteien soll, so der Bürgermeister, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Bekanntgabe des Mietenspiegels im Stadtrat behandelt werden.

Carola Scherbel Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

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