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Thomas Schneider hat noch Spaß am "schönsten Amt"

Auch nach 24 Jahren will es der Röttenbacher Bürgermeister noch einmal wissen. - 12.02.2020 06:04 Uhr

Er tritt noch einmal an: Der in Röttenbach seit 24 amtierende Bürgermeister Thomas Schneider (Freie Wähler) hat zwar zwischendurch Richtung Landespolitik geblinzelt, aber jetzt will er „das schönste Amt der Welt“ doch nochmal erobern. © Foto: Carola Scherbel


Er habe immer noch "Spaß daran", sagt Schneider. Für die Freien Wähler tritt der 55-Jährige am 15. März noch einmal an – gegen zwei weitere Kandidaten. Es muss wohl eine passgenaue Kombination sein aus mehreren Charaktereigenschaften von Thomas Schneider, die seinen Spaß am Bürgermeisterdasein immer noch befeuert: Er sei vielfältig interessiert, und in einer Gemeinde dieser Größe – mit rund 3100 Einwohnern – werde dieses Interesse vielfach eingefordert.

Außerdem habe er seine Ziele und Visionen stets in Analyse, Konzept und Umsetzung gegossen statt planlos zu agieren. Dazu gesellt sich dann noch ein relativ ausgeprägtes "Helfersyndrom", bescheinigt Schneider sich selbst. Das habe zwar hie und da zur Folge gehabt, dass die eigene Familie etwas zurückstecken musste, aber auch die neue und damit die fünfte Kandidatur tragen seine Frau und die drei erwachsenen Söhne mit. Mehr noch: Ein Teil der Familie findet sich sogar auf der Kandidatenliste für die Gemeinderatswahl wieder – ohne jede Einflüsterung des Bürgermeisters.

Noch einiges zu tun

Nicht nur mit Vision, sondern auch mit Plan und Konzept legte er von Anfang an los: Zukunftsfähig sollte die Gemeinde werden, die B2-Umgehung sah er dafür als notwendiges Etappenziel an. Und als es mit der Ortsumgehung dann voranging (2007 wurde sie eingeweiht), nahm er sich gleich die wirtschaftliche Entwicklung vor.

Mit einem Förderungskonzept, das schnell und viel Verhandlungsspielraum erlaubte, sowie dem klugen Kniff notarieller Kaufangebote gelang es, aus dem wirtschaftlich darbenden Ort eine flexibel agierende Gemeinde mit großzügigen Gewerbeflächen zu formen. Heute sind 41 Hektar Gewerbegebiet mit verschiedensten Unternehmen gefüllt, auch interkommunal – zusammen mit Spalt und Georgensgmünd.

Trotzdem sei, so Schneider, noch einiges zu tun. "Bei der Klimafreundlichkeit müssen wir noch richtig Gas geben", fordert er. Denn die sei halt nicht zum Nulltarif zu haben. Aber auch im eigenen Gemeinderat sei diese Auffassung noch nicht unbedingt mehrheitsfähig. So wurde in die neue Turnhalle eine günstigere Gas- statt der teureren, aber umweltfreundlichen Hackschnitzelheizung eingebaut. "Klimaschutz geht für viele leider immer noch über den Geldbeutel."

Trotzdem bleibt Thomas Schneider gelassen. Der gelernte Rechtspfleger kann nämlich auch gut über oder hinter die vordergründigen Dinge schauen. Vor acht Jahren hat er zwei Semester lang ein Zertifikatsstudium absolviert: "Ethik in globaler Perspektive". Die Wochenendvorlesungen einmal im Monat in München fand er "brennend interessant", weil darin philosophische und psychologische Fragen verhandelt, Wertvorstellungen und Prägungen beleuchtet wurden. "Zu wissen, warum die Menschen so ticken, wie sie ticken", sei erarbeitet worden – das habe ihm sehr viel gebracht: "Man wird viel ruhiger".

Dicke Bretter bohren

Also bleibt er auch ruhig, wenn es um die zahlreichen Anwärter auf sein Amt geht: "Als Kandidat könnte ich zwar gut ohne Gegenkandidaten auskommen", lacht er, "aber als Bürgermeister finde ich es gut, dass so viele Gruppierungen einen eigenen Kandidaten und eine eigene Gemeinderatsliste präsentieren." Zumal die Bereitschaft dazu längst nicht mehr selbstverständlich sei, weil sich das Engagement weg vom Bohren dicker Bretter hin zu Projektarbeit bewege. Und weil das Bürgermeisteramt der Work-Life-Balance nicht unbedingt zuträglich sei. Dass er niemals aus der Kirche gehe ohne von Bürgern auf ein Thema im Ort angesprochen zu werden, "das stört mich überhaupt nicht, aber wer das nicht mag, für den ist der Beruf nicht empfehlenswert".

Ruhiger wird Schneider auch, wenn er neben oder nach der Schreibtischarbeit seiner Leidenschaft zum Praktischen nachgehen kann: Einige Möbel daheim sind selbst geschreinert, den alten Traktor hat er wieder auf Vordermann gebracht, und als "kleiner Forstwirt" pflanzt er Pappeln an – Stichwort nachwachsende Rohstoffe. Auch er selbst hält sich gewissermaßen für einen nachwachsenden Rohstoff. Denn auch nach 24 Jahren als Bürgermeister hofft er doch darauf, "dass arbeitsfähige Leute wie ich nicht schon in den Ruhestand geschickt werden sollen".

CAROLA SCHERBEL E-Mail

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