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Tino Schwarz: Bus und Bahn sollte es zum Nulltarif geben

Kandidat für die Linken — Seit 2011 als Taxi-Unternehmer unterwegs - 24.09.2018 19:29 Uhr

Bei der Wahl seiner Fahrzeuge zeigt sich Tino Schwarz (Linke) fortschrittlich: Seinen Taxi-Betrieb stellt er sukzessive auf Hybride um. © Beate Windisch


Es ist die "Agenda 2010", die dafür sorgt, dass Tino Schwarz nicht mehr nur über die Politiker schimpfen, sondern selbst etwas verändern will. Als die Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) im Jahr 2003 beschließt, Sozialsystem und Arbeitsmarkt zu reformieren, ist Tino Schwarz 17 Jahre alt und wohnt in Thüringen. Der Agenda 2010 kann er nichts Positives abgewinnen, sie ist für ihn "eine Form der Sklaverei, weil es nicht um eine Mindestsicherung, sondern um Saktionen geht". Als zwei Jahre später die Bundestagswahlen anstehen, tritt er daher der PDS bei und engagiert sich im Wahlkampf. Die PDS wird am Ende bundesweit fast neun Prozent der Stimmen erhalten, in Thüringen sind es rund 25 Prozent.

Zusage gleich auf der Heimfahrt

Tino Schwarz wird 1986 in Zeulenroda, einer Kleinstadt im Osten von Thüringen, geboren. Hier wächst er auf, geht zur Schule, macht seine Mittlere Reife und lernt bei der Rewe den Beruf des Einzelhandelskaufmanns. 2006 hat er seinen Abschluss in der Tasche, doch es gibt keine Arbeit für ihn. Er erhält lediglich Jobs als geringfügig Beschäftigter.

Im Jahr 2007 bekommt er eine Chance. Gleich im Januar darf er sich bei Rewe im mittelfränkischen Georgensgmünd vorstellen, der Markt ist noch ganz neu. Noch auf der Heimfahrt vom Bewerbungsgespräch zurück nach Thüringen erhält er die Zusage und kann sofort anfangen. Also verabschiedet sich der 20-Jährige von seiner Familie und zieht in den Landkreis Roth. Zuerst wohnt er in einer kleinen Wohnung in Röttenbach, 2011 schließlich zieht er nach "Gmünd". Er ist zwar immer noch bei den Linken als Mitglied gemeldet, politisch aktiv ist er aber hier nicht mehr. Bei der Rewe leitet der junge Mann den Getränkemarkt. Doch er ist unzufrieden: mit seiner beruflichen Perspektive und auch mit dem Gehalt. Um seine Kasse aufzubessern, fährt Tino Schwarz nebenbei Taxi.

So gut wie nie Urlaub

2010 schließlich, genau drei Jahre nach seinem Einstieg, verlässt er den Einkaufsmarkt und wird Vollzeit-Taxifahrer. Ein Jahr später, im Mai 2011, kann er das Taxi-Geschäft von seinem Chef übernehmen und ist seitdem selbstständig. Er hat zwei Autos und zwei Angestellte, die in Teilzeit arbeiten. Das Leben als Selbstständiger ist allerdings nicht einfach. Die erste Fahrt ist meist schon morgens gegen 5.30 Uhr, die letzte manchmal erst am späten Abend. Einen Tag in der Woche hält er sich frei, Ferien aber gibt es so gut wie nie. Im vergangenen Mai hat Tino Schwarz geheiratet. In den Flitterwochen ging es für ein paar Tage nach Frankreich, "das war der erste Urlaub nach neun Jahren".

Zeit für Hobbys gibt es da nicht viel. Weil er die meiste Zeit des Tages im Taxi sitzt, geht der 31-Jährige inzwischen wenigstens wieder regelmäßig ins Fitness-Studio. Und im Auto läuft immer mal wieder ein Hörbuch. Eine Dauerkarte für den Club in Nürnberg aber hat er nicht mehr. Dabei war Tino Schwarz mal ein echter Fan. Sein erstes Spiel im Stadion war seinerzeit das Halbfinal-Pokalspiel gegen Frankfurt 2007, das der Club mit 4:0 gewonnen hatte. Dass er nicht mehr hingeht, hat allerdings nicht nur mit der fehlenden Zeit zu tun. Vielmehr könne man am Fußball erkennen, wie der Kapitalismus funktioniert: "Wer Geld hat, gibt den Ton an, und die anderen dürfen mitspielen". Das will er nicht mehr mitmachen.

Nahverkehr auf dem Land ausbauen

2017 steht wieder eine Bundestagswahl an. Im Dezember 2016 wird zudem Donald Trump ins Weiße Haus gewählt. Und Schwarz beschließt, sich vielleicht doch wieder politisch einzubringen. Er überlegt, ob er vielleicht zur SPD wechselt, aber deren Bundespolitik findet er immer noch nicht gut. Anfang des Jahres schaut er daher beim Linken-Kreisverband Schwabach-Roth vorbei. Der ist relativ überschaubar: Die Partei hat im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach insgesamt rund 40 Mitglieder, Ortsverbände gibt es nicht.

Dort ist man daher dankbar für jeden, der mitmacht. Es dauert kein Jahr, da ist Schwarz Mitglied im Kreisvorstand. Und als es im Februar 2018 um die Landtagswahl geht, wird er gefragt, ob er kandidieren will. Er sagt zu, wird Direktkandidat und steht außerdem auf Listenplatz 22. Verkehrsthemen liegen ihm besonders am Herzen. Der Nahverkehr müsse ausgebaut werden, vor allem auf dem Land, steht zum Beispiel in seinem Wahl-Programm. Bus und Bahn sollte es zum Nulltarif geben.

Wahlkampf als Premiere für den Wahl-Franken

Dass ihm außerdem die Energiewende wichtig ist, zeigt er auch als Unternehmer: Eines seiner beiden Fahrzeuge ist ein Hybrid-Auto. Wenn sein zweiter Wagen in nächster Zeit in Rente geschickt werden muss, wird der Nachfolger ebenfalls ein Hybrid-Auto sein. Den Pflegenotstand stoppen, die Wohnungsnot bekämpfen, soziale Ungerechtigkeiten abschaffen, Rüstungsexporte stoppen – das sind ebenfalls Schlagworte im Wahlprogramm.

Und wenn es mit dem Sitz im Landtag nicht klappt, auch wenn die Fünf-Prozent-Hürde übersprungen wird? Dann will sich Schwarz trotzdem nicht wieder zurückziehen. Vielleicht tritt er bei der parteiinternen Wahl zum Landesvorstand an, vielleicht steht sein Name bei der nächsten Bundestagswahl auf dem Stimmzettel.

Jetzt geht es aber erst mal um den Landtag. Der Wahlkampf ist für den Wahl-Franken eine Premiere. Aber auch schon ein kleiner Erfolg. Er sei zu vielen Veranstaltungen im ganzen Landkreis eingeladen worden, freut sich Tino Schwarz. Es zeigt, "dass wir von vielen wahrgenommen werden."

Lesen Sie hier ein Kurzportrait des Kandidaten Tino Schwarz.

 

Beate Windisch E-Mail

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