Von der Pappe bis zur Schachtel

28.9.2010, 23:01 Uhr

Gut möglich, dass viele dieser Kisten, Schachteln und Verpackungen aus Hilpoltstein kommen. Genauer: aus dem Klingele-Werk, das vor einem halben Jahrhundert erstmals die Werkstore öffnete. Ein Jubiläum, das mit einem Tag der offenen Tür am Samstag, 2.Oktober, gefeiert wird.

Zwei Fotos einer Firmenhalle — im Abstand von 50 Jahren aufgenommen. Der Wellpappenhersteller Klingele in Hilpoltstein zeigt den Produktionsablauf am Samstag bei einem Tag der offenen Tür.

Zwei Fotos einer Firmenhalle — im Abstand von 50 Jahren aufgenommen. Der Wellpappenhersteller Klingele in Hilpoltstein zeigt den Produktionsablauf am Samstag bei einem Tag der offenen Tür. © ar/cl

Hilpoltstein ohne Klingele – das ist kaum mehr vorstellbar. Schließlich gehört der Betrieb zu einem der größten Arbeitgeber in der Burgstadt. Nur der Auhof/Rummelsberger Anstalten und Regens Wagner haben mehr Arbeitnehmer als das Klingele-Werk, das Teil eines weltweit agierenden Familienunternehmens ist.

Stammsitz der Klingele Gruppe, die zu den fünf größten Wellpappe-Herstellern in Deutschland gehört, ist Remshalden (Raum Stuttgart). Europaweit zählt das Unternehmen 15 Standorte.

In Deutschland ist Hilpoltstein einer von fünf Standorten, an denen die komplette Produktpalette an Verpackungen aus Wellpappe produziert wird – angefangen von der einfachen Wellkiste für dutzende von Toast-Päckchen bis hin zur komplizierten Faltbodenschachtel, die in der eigenen Entwicklungsabteilung auf Kundenwunsch hin erst ausgetüftelt und schließlich serienreif hergestellt wird.

Eine Tatsache, hinter der jede Menge Innovationskraft, Qualitätsbewusstsein und Kundenfreundlichkeit steckt. „Alles muss passen. Denn der Markt ist hart umkämpft“, sagt Werksleiter Bernhard Harrer, seit dem Jahr 2004 hauptverantwortlich für die Klingele-Geschäfte in der Burgstadt.

Die wichtigsten Auftraggeber von Klingele kommen aus der Nahrungsmittelindustrie. Danone und Zott, Müller Milch, Naabtaler Milchwerke und die Grams Bäckereien sind dabei. Doch auch Conrad Elektronik und der Weltbild-Verlag setzen auf Hilpoltsteiner Verpackungen.

Aber wie funktioniert das Ganze? Was tut sich in den großen Hallen, deren Grundstein im Jahr 1960 gelegt wurde? Eine Antwort auf diese und viele andere Fragen wollen Bernhard Harrer und seine Mitarbeiter mit und beim geplanten „Tag der offenen Tür“ am Samstag, 2. Oktober, geben. Für die Klingele-Mannschaft eine ungewöhnliche, weil nicht unbedingt leicht zu realisierende Aktion.

Schließlich laufen etliche Maschinen von Sonntag, 22 Uhr, bis Freitag, 22 Uhr. Durchgehend. Die wenige freie Zeit muss unter anderem für die nötigen Wartungsarbeiten genutzt werden.

Jubiläums-Schicht

Nicht aber am kommenden Samstag. Zwischen 9 und 12 Uhr wird eine „Extra-Jubiläums-Schicht“ eingelegt. Dann wollen Harrer und Co. den Besuchern in Wort und Tat – also bei laufender Produktion — den Weg von der Wellpappe hin zur fertigen Schachtel in den unterschiedlichsten Dimensionen und Ausprägungen darstellen. Und: Es gibt Informationen rund um das Thema „Wellpappe“.

Von Pappe ist das, was Klingele für Hilpoltstein bedeutet, bei Weitem nicht. Mit rund 190 Mitarbeitern, darunter viele Fachkräfte und durchschnittlich zehn Auszubildende, stellt der Betrieb einen wesentlichen wirtschaftlichen Faktor für Hilpoltstein dar.

Im Jahr 2009 wurden hier 42 Millionen Euro Umsatz gemacht; in den vergangenen zehn Jahren hat die Klingele-Gruppe knapp 14 Millionen Euro investiert, unter anderem in Betriebserweiterungen.

Weitere 2,5 Millionen Euro für den Bau eines vollautomatischen Palettierzentrums, einer Art Versandzentrum, sollen in den nächsten zwei Jahren in die Hand genommen werden. Unter einer Voraussetzung: Dann nämlich, wenn absehbar ist, dass sich der zaghafte Wirtschaftsaufschwung, der sich heuer nach der großen Krise abzeichnet, fortsetzt.

Tatsächlich ist Klingele Hilpoltstein von der weltweiten Misere nicht verschont geblieben. „Verbraucher greifen in finanziell schwierigen Zeiten beim Einkaufen nicht unbedingt zu Marken-, sondern zu Discounter-Produkten. Also haben die namhaften Nahrungsmittelproduzenten, für die wir arbeiten, weniger hergestellt und brauchten folglich auch weniger Verpackungen. Das haben wir zu spüren bekommen“, erklärt Harrer.

Optimistischer Blick

Üblich war für Klingele vor der globalen Finanzkrise ein jährliches Wachstum von drei bis vier Prozent. 2009 waren es fünf Prozent – Minus! „Heuer aber sind wir schon knapp zwei Prozent über unserem Vorjahresumsatz. Ich denke, wir können optimistisch in die Zukunft schauen“, meint der Werksleiter.

Umso mehr für Bernhard Harrer ein Grund, die 50-jährige Firmengeschichte nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu feiern.

Die Klingele Papierwerke Hilpoltstein, Industriestraße 23-31, haben am Tag der offenen Tür am kommenden Samstag, 2. Oktober, von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Neben vielen Informationen, Führungen und Demonstrationen ist auch für das leibliche Wohl gesorgt.