Dienstag, 27.10.2020

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Weißenburger bei Bäckerei Schmidt: "Backen ist Leidenschaft"

Markus Meyer liebt seinen Job. Mit Vorurteilen über das Bäckerhandwerk räumt er auf. - 18.10.2020 06:00 Uhr

Kann sich mittlerweile überhaupt nicht mehr vorstellen, beruflich etwas anderes zu machen: Bäckermeister Markus Meyer.

© Milena Kühnlein


Und was machen sie so beruflich? Manche Menschen ernten für die Antwort auf diese Frage erstaunte Blicke oder Nachfragen. Auch Vorurteile sind im Spiel. In diesem Teil unserer Berufe-Serie gibt Bäckermeister Markus Meyer (35) aus Weißenburg, Einblicke in seinen beruflichen Alltag beim „Bäcker Schmidt“.

 

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?

Mein typischer Arbeitstag fängt mit verschiedenen Vorbereitungen an: Rohstoffe herrichten, die Sauerteige kontrollieren, Verwiegung. Wir arbeiten in Schichtsystemen, wo dann auch unterschiedliche Dinge anfallen. Wir haben eine Produktionsliste – das wird dann alles abgearbeitet. Was in den Weizenteil geht, hat mittlerweile eine sehr lange Reifezeit. Das macht man mit einer sogenannten "Vorproduktion". Wir stellen zum Beispiel um 8 Uhr morgens die Kaisersemmel her, die anschließend in einen Kühlraum kommt. Dort reift die Semmel bis nachts um 3. Diese Langzeitführung ist entscheidend für den Geschmack. Vom typischen "Teig machen und aufbacken" ist man eigentlich schon seit zehn Jahren weggekommen. Die Mehle sind heutzutage stabiler als früher und haben sich verändert.

 

Wie kamen Sie zu diesem Job?

Ich habe schon als Kind gern Kuchen gebacken. Das Arbeiten mit Rohstoffen fand ich interessant. Außerdem war ich leidenschaftlicher Brotesser und schon immer ein Frühaufsteher – das hat mich nie gestört. In der Schule gab es dann ein Betriebspraktikum, das habe ich bei einem Bäcker in Weißenburg gemacht. Das hat mir sehr gut gefallen, dann war die Sache für mich klar.


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Was würden Sie denn Menschen raten, die auch in diesen Beruf einsteigen möchten?

Das Image von früher stimmt nicht mehr. Unsere Auszubildenden fangen die ersten Jahre meist um 6 Uhr morgens an. Das heißt: Durch Gärungsprozesse, Reifezeit und neue Vorproduktionen muss nicht mehr nur nachts gearbeitet werden. Natürlich gibt es Nachtarbeit, aber eben nicht nur. Das ist der eine Punkt. Der andere, dass es bei uns eine Vielzahl an Weiterbildungsmöglichkeiten gibt. Man kann nach der Ausbildung Bäckermeister, Lebensmitteltechniker oder Betriebswirt des Handwerks werden. All das ist möglich.

 

Es gibt ja ein Vorurteil das besagt, dass Bäcker selbst gar kein Brot mehr sehen können.

Ich esse nach wie vor sehr gerne Brot. Ich bin auch dafür zuständig, neue Produkte zu entwickeln. Das macht enorm Spaß. Es wird nie langweilig, weil man ständig etwas Neues probiert und neue Produkte kreieren kann.

 

Welche Vorurteile schlagen Ihnen denn sonst so entgegen, wenn Sie auf einer Party erzählen, was Sie beruflich tun?

Die Meinungen gehen auseinander. Die einen sagen "Ach, wie schön. Da hast du ja immer leckeres Essen um dich herum!" Die anderen sagen: "Oh, da musst du ja immer nachts ran!" Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig. Aber in dem Beruf hat sich so viel getan, auch mit Blick auf die körperliche Arbeit. Mehlstaub zum Beispiel, das ist im Prinzip kein Thema mehr.


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Gibt es denn auch negative Aspekte?

Wie in jedem Job gibt es negative Punkte, natürlich. Einmal im Monat muss auch sonntags gearbeitet werden. Allerdings ist das auch lukrativ.

 

Können Sie sich überhaupt noch vorstellen, etwas anderes zu machen?

Mittlerweile nicht mehr. Ich mache meinen Beruf nach wie vor mit Leidenschaft und das braucht man auch, denn Backen ist Leidenschaft.

 

Was ist das schönste an Ihrem Beruf?

Wir nehmen uns natürliche Rohstoffe und arbeiten mit natürlichsten, organischen Zutaten. Daraus machen wir dann einen Teig, aus dem wird ein fertiges Produkt. Ich sehe wie der Teig reift, ich sehe die Weiterverarbeitung und am Ende sehe ich das fertig gebackene Brot.

 

INTERVIEW: MILENA KÜHNLEIN E-Mail

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