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S-Bahn: 20-Minuten-Takt zwischen Fürth und Erlangen kommt

Dank Weichen sollen mehr Züge fahren können - Wohl erst ab 2022 - 05.08.2019 05:48 Uhr

Am Haltepunkt Unterfarrnbach soll der Fürther Bogen Realität werden.

© Hans-Joachim Winckler


Dass die Stadt Fürth die Bahn lobt, gehört im Dauerzwist um die S-Bahn-Führung durchs Knoblauchsland zu den großen Ausnahmen. Doch jetzt ist es geschehen: Mit einstimmigem Stadtratsbeschluss begrüßt die Kommune den Ausbau des sogenannten Fürther Bogens zwischen Hauptbahnhof und Vacher Straße "außerordentlich".

Dabei hätte auch eine weniger euphorische Zustimmung genügt, damit die Bahn ihre Investitionsruine endlich einer sinnvollen Nutzung zuführt: Zwei Gleise, die bereits existieren, sollen in Zukunft auch genutzt werden - durch die Anbindung an die bestehende Infrastruktur mittels Weichen. Bis es so weit ist, wird es ohnehin wohl 2022 werden. Der Einbau der sieben Weichen – als Übergangslösung im langwierigen Streit gedacht – soll eine dritte S-Bahn-Fahrt pro Stunde und damit einen 20-Minuten-Takt möglich machen. Damit wäre schon fast der Takt erreicht, der im Endausbau der Strecke angestrebt wird.

Dem Innenminister zu verdanken

Zu verdanken sei die Entwicklung nach den Worten von Oberbürgermeister Thomas Jung zudem nicht dem Bahnmanagement, das plötzlich einsichtig geworden sei, sondern dem bayerischen Innenmister Joachim Herrmann und dessen Drängen.

Wasser in den Wein goss Jung den Grünen, die im Bauausschuss gemeint haben, jetzt könne man in aller Ruhe die eigentliche Großbaustelle angehen, nämlich die strittige Weiterführung der S-Bahn zwischen der neuen Stadelner Regnitzbrücke bis Erlangen. Zeitliche Zugeständnisse wären für den OB ein völlig falsches Signal. Vielmehr müsse Druck auf die Bahn ausgeübt werden, damit sie endlich Konsequenzen aus dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zieht.

Bahn prüft Urteilsspruch

Die Leipziger Richter hatten auf die Klage der Stadt Fürth hin bereits am 9. November 2017 entschieden, dass der von der Bahn geplante S-Bahn-Schwenk durchs Knoblauchsland nach Bislohe rechtswidrig und in der vorgesehenen Form nicht vollziehbar ist. Seitdem "prüft" die Bahn den Urteilsspruch.

Die Schwenk-Pläne stammen noch aus der Zeit, als Nürnberg, Fürth und Erlangen einen gemeinsamen Gewerbepark bei Bislohe geplant hatten. Dieses Vorhaben ist jedoch längst passe. Deshalb fordert Fürth seit Jahren den Ausbau der Bestandsstrecke entlang der A 73.

Jung will die DB drängen

Als Konsequenz aus dem Verwaltungsgerichtsurteil hat die Bahn bisher nur die Planung für den nicht umstrittenen Güterzug-Teil forciert: Zur Entlastung der Personenverkehrsstrecke sollen die Güterzüge auf einer eigenen Trasse geführt werden. Für die ist zwischen Doos und Kronach ein Tunnel vorgesehen. Die Planung dafür soll in den frühen 2020er Jahren abgeschlossen sein.

Erst danach solle der S-Bahn-Teil wieder in den Fokus rücken. Doch die Stadt sollte nach Ansicht von Thomas Jung darauf drängen, dass die DB ihre Prüfung des Gerichtsurteils nicht länger als zwei Jahre ausdehnt. Für ein Gebot der Stunde hält der Fürther Verkehrsplaner Matthias Bohlinger die sinnvolle Nutzung des zweigleisigen Fürther Bogens. Außer den Weichen müssen allerdings unter anderem auch noch Gleise verlegt und Oberleitungen gezogen werden. Fertig sind nur der neue Doppelbahnsteig des Hauptbahnhofs, die Brücken und ein Teil der Strecke.

Regnitzbrücke als sogenanntes Logistikgleis

Für die Inbetriebnahme des Bogens mit dem Ziel, den S-Bahn-Takt zu verdichten, hat sich auch der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) stark gemacht. Die Stadt hat das Bemühen mit einem Fachgutachten unterstützt, das die Nachteile des Status Quo vor Augen führte. Die neue Regnitzbrücke kann für den Interimsbetrieb noch nicht genutzt werden, sie dient als sogenanntes Logistikgleis nur zur Reserve.

Gleich daneben soll eine neue Radwegbrücke den Fluss überqueren. Allerdings hat die Stadt auch hier Probleme, eine Baufirma zu finden.


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Volker Dittmar

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