Schwabacher Baugebiet kommt

Am Dillinghof: Kompromiss beendet "unendliche Geschichte"

Günther Wilhelm
Günther Wilhelm

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15.9.2021, 14:45 Uhr
In diesem Bereich wird im kommenden Jahr das neue Baugebiet Am Dillinghof entstehen. Die Baustellenzufahrt wird über den Uigenauer Weg erfolgen.

In diesem Bereich wird im kommenden Jahr das neue Baugebiet Am Dillinghof entstehen. Die Baustellenzufahrt wird über den Uigenauer Weg erfolgen. © Günther Wilhelm

"Die Grenzen des Baugebiets bleiben unverändert, doch es wird lockerer bebaut", erklärte Stadtbaurat Ricus Kerckhoff im Gespräch mit dem Tagblatt. Neu sind eine zusätzliche Grünfläche und - als ökologischer Ausgleich auf dem Gelände - ein "Lerchenfenster". "Das ist eine Fläche, die sich für Feldlerchen zum Brüten besonders eignet", so Kerckhoff.

Zwölf Wohneinheiten weniger

Geplant sind noch 26 Einfamilienhäuser und ein Doppelhaus. "Damit sind es zwölf Wohneinheiten weniger als zunächst vorgesehen." Die einzelnen Grundstücke werden zwischen 350 und 550 Quadratmeter groß sein. Zudem ist ein Spielplatz geplant.

So sieht der Plan für das künftige Baugebiet

So sieht der Plan für das künftige Baugebiet "Am Dillinghof" westlich der Brandenburger Straße aus. Hier entstehen 26 Einfamilienhäuser und ein Doppelhaus. © Entwurf: Stadt Schwabach

Rückblende: Die erste Planung hatte heftige Proteste von Anwohnern ausgelöst und zur Gründung einer "Interessensgemeinschaft" genannten Bürgerinitiative geführt. Hauptkritikpunkte waren zum einen die Ökologie, denn die Fläche westlich der Brandenburger Straße gilt als Kaltluftentstehungsgebiet für die Stadt.

Zum anderem wurde deutlich mehr Verkehr und damit weniger Wohnqualität befürchtet. Wegen der Umweltbedenken erfolgt nun die lockerere Bebauung. "Die Frage der Zufahrt hat beim Vergleich aber keine Rolle mehr gespielt", erklärte Kerckhoff.

Der Baustellenverkehr wird über den Uigenauer Weg laufen. Später erfolgt die Anbindung über den Dillinghofweg und die Laubenhaidstraße. "Der zusätzliche Verkehr bleibt aber absolut im Rahmen. Die Wohnstraßen sind dafür auch ausgelegt."

"Familienfreundliches Bauen"

Beantragt hatte das Wohngebiet 2012 die CSU. Die Idee: "familienfreundliches Bauen" zu bezahlbaren Preisen. Mittlerweile sind die Baupreise deutlich gestiegen. Die Stadt will die Kosten aber dennoch in Grenzen halten.

"Wir wollen bei den Erschließungsstraßen sehr zurückhaltend sein. Sie werden etwa fünf Meter breit", sagt der Stadtbaurat. Zudem prüfen die Stadtwerke die Möglichkeit eines Nahwärmenetzes. Das heißt: "Eine Heizquelle für das ganze Quartier. Das spart den Bauherren Geld für eine eigene Heizung."

Grüne wollten neue Prüfung

Trotz des Vergleichs vor Gericht: Ganz aus der Welt war die Kritik damit noch nicht. Die Grünen hatten, damals zusammen mit einigen SPD-Stadträten, schon vor neun Jahren gegen das Baugebiet gestimmt. Nun stellten sie den Antrag, das gesamte Bauvorhaben nach "städtebaulich-klimatischen Grundsätzen" erneut zu prüfen.

In der jüngsten Sitzung des Bauausschuss blieben sie mit dieser Forderung diesmal aber alleine, der Antrag wurde mit 13:4 Stimmen abgelehnt. Nícht zuletzt aus dem Grund, weil Stadtbaurat Ricus Kerckhoff erklärt hatte, dass damit auch der nun mühsam erzielte Vergleich gefährdet sei.

"Schwabach gilt ja als Modellstadt für klimagerechtes Bauen", argumentierte Bernhard Spachmüller (Grüne). "Deshalb wäre es uns gut angestanden, dieses Baugebiet nochmal zu überdenken etwa mit Blick auf PV-Anlagen. Das hätte das Gebiet nochmal verzögert, dafür hätten wir ein besseres bekommen. Das wäre es wert gewesen."

CSU: "Total glücklich"

Bei der CSU herrscht dagegen große Erleichterung: "Wir sind total glücklich, das ist ein toller Kompromiss", erklärte Fraktionschef Oliver Memmler. "Wir brauchen das neue Wohngebiete dringend."

SPD: "Mit etwas Bauchgrimmen zugestimmt"

Auch die SPD unterstützt das Baugebiet nun einstimmig, wenn auch weniger euphorisch. Einerseits sei es eine ökologisch wertvolle Fläche, andererseits brauche man die Bauplätze.

"Deshalb haben wir ausnahmsweise mit etwas Bauchgrimmen zugestimmt", so Martin Sauer, der Sprecher der SPD im Bauausschuss. "Die Stadt hat mit dem Vergleich ein vernünftiges Ergebnis erzielt. Damit ist in der Ecke aber Schluss." Es soll also keine weitere Bebauung in Richtung Uigenauer Weg mehr geben.

Start der Erschließung im Frühjahr

Wie geht es weiter? Zunächst steht die Detailplanung an, dann folgen die Ausschreibungen. "Wir hoffen, dass wir im Frühjahr 2022 mit den Erschließungsarbeiten beginnen können", sagt Ricus Kerckhoff.

Was die Bauflächen kosten werden, lasse sich noch nicht sagen. Die Nachfrage aber ist groß. "Wir hatten sehr viele Anfragen und müssen jetzt klären, wer noch Interesse hat. Auch über die Vergabekriterien wird der Stadtrat nochmals beraten", so Kerckhoff weiter.

Bitte der Stadt: Von Anfragen noch absehen

Die Stadt bittet Interessierte aber dringend, von Anfragen noch abzusehen. "Momentan macht das noch keinen Sinn. Wir werden aber ankündigen, ab wann es so weit ist", sagt Jürgen Ramspeck, der Pressesprecher der Stadt.

Fazit nach neun Jahren Diskussion: "Gott sei Dank ist das nicht der Normalfall", sagt Stadtbaurat Kerckhoff.

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