Donnerstag, 20.02.2020

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Bei Wind und Wetter: Waldkindergarten in Wolkersdorf feiert einjähriges Jubiläum

"Tag des offenen Waldes" bei der "Pusteblume" - Nur ein Schutzunterstand - 22.10.2019 05:58 Uhr

Die Kinder, das Team und der dahinter stehende Verein stellten am Samstag ihre Arbeit vor. 120 Interessierte kamen. © Foto: Robert Schmitt


Schlitten fahren, Spuren lesen, Ausruhen in der Hängematte. Rehen begegnen und Füchse beobachten. Den Schnitzmesser-Führerschein absolvieren, dann auf der Slackline balancieren oder den Kletterbaum hochkraxeln. Wer lange am Insektenhotel mitgebaut hat, der kann danach einen Baumstamm erobern: Quer am Boden ist er mal ein Flugzeug, mal ein Motorrad und beim nächsten Mal ein Piratenschiff. Spielideen und Beschäftigung gibt es viele im Kindergarten "Pusteblume".

Erste Zwischenbilanz

Vor gut einem Jahr hat die Wolkersdorfer Kindertagesstätte ihre Arbeit mit neun Kindern aufgenommen. Nun hatte der Trägerverein zum "Tag des offenen Waldes" eingeladen. Denn die "Pusteblume" braucht kein festes Gebäude, um ihre nunmehr 23 Kids zu fördern und zu betreuen. Im Stück Forst nahe der Zwieseltalschule sind alle Voraussetzungen für eine optimale Kita gegeben. Lediglich gegessen und auf Schaf-Fellen geschlafen wird im Schutzunterstand aus Holz. Er wird bald noch besser in sein Umfeld integriert sein. Dank Spenden verschiedener Gönner erhält sein 60-Quadratmeter-Dach in den nächsten zwei Wochen eine Begrünung.

Ob Sonne, Regen oder Schnee und minus zehn Grad. Die altersgemischte Gruppe verbringt ihre Tage von acht bis 14 Uhr so gut wie immer unter freiem Himmel. Voraussetzung: angepasste, nicht zu warme Kleidung, feste Schuhe und keine Angst vor Schmutz auf Seiten der Eltern.

Grundsätzlich aber bietet der Wald alle Möglichkeiten. "Wir machen die selben Dinge wie in anderen Kindergärten auch, nur nützen wir Waldmaterial", sagt Sarah Rößler, Sozialpädagogin im meist vierköpfigen Pädagogenteam der Kita. Erzieherin Melanie Burk ist sogar eigens ausgebildete Waldpädagogin. "Das Konzept hat sich im ersten Jahr vollkommen bewährt", fügt Vereinschefin Cora Weber hinzu.

Große Nachfrage

Besonderer Beweis dafür ist die große Nachfrage aus den Familien. "Unsere Warteliste ist gut gefüllt", verrät Weber, deren vierjähriger Sohn Finn den Waldkindergarten besucht und damit Neid in der eigenen Familie auslöst. "Menno", sagen seine siebenjährigen Zwillingsgeschwister oft, "warum hat es den Waldkindergarten für uns noch nicht gegeben?"

Etwa 120 Besucherinnen und Besucher haben sich am Samstag ein Bild der Arbeit und der Rahmenbedingungen im ersten Waldkindergarten Schwabachs gemacht. "Das Konzept gibt es schon lange, wir haben es lediglich nach Schwabach gebracht", sagt Weber. Im Bundesgebiet existieren über 2000 Waldkindergärten. Just am "Tag des offenen Waldes" in Wolkersdorf hat in Roth ein weiterer eröffnet. Alle Mitarbeiterinnen der Pusteblume haben bereits in Regelkindergärten gearbeitet. Nach einem Jahr Waldkindergarten ist für sie alle klar: "Wir wollen nicht mehr zurück."

Neugierig und aufgeweckt

Die Kids zu selbständigen, neugierigen und aufgeweckten Schulkindern zu machen, das gelingt ihrer Meinung nach im Umfeld der "Pusteblume" besonders gut. "Ohne erhöhte Risiken", wie sie betonen. Unfälle mit Verletzungen gebe es kaum. Und wenn, dann ebensolche wie in herkömmlichen Tagesstätten.

Für die Entwicklung von Beweglichkeit und Körpergefühl bietet der Forst unvergleichliche Voraussetzungen. Schließlich sind die Kids immer auf unebenem und weichem Gelände über Stock und Stein unterwegs. Das fördert die Motorik. Und zwar für alle, denn Inklusion ist auch im Waldkindergarten möglich. Zwei Kinder der Pusteblume-Gruppe sind von Behinderung bedroht. "Auch ein Kind mit Down-Syndrom wäre für uns kein Problem", sagt Cora Weber.

ROBERT SCHMITT

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