Der deutsch-tschechische Zukunftsfonds tagte in Schwabach

11.12.2014, 08:23 Uhr
Der deutsch-tschechische Zukunftsfonds tagte in Schwabach

© Foto: Wilhelm

Normalerweise trifft sich das achtköpfige Gremium des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds im Prager Außenministerium, das im „Palais Czernin“ residiert. Repräsentatives Ambiente ist man also gewohnt. Glücklicherweise konnte Schwabach als Gastgeber immerhin mit einem Goldenen Saal glänzen.

Dieser bilaterale „Zukunftsfonds“ ist einzigartig in Europa, wie Albrecht Schläger aus Marktredwitz, einer der beiden Vorsitzenden, beim kleinen Empfang von OB Matthias Thürauf betonte. Gegründet wurde der Fonds 1998 von den beiden Regierungen. Sein Ziel: Es soll zusammenwachsen, was nebeneinander liegt.

3,5 Millionen Euro

3,5 Millionen Euro verteilt der Fonds im Jahr. Welche Projekte unterstützt werden, entscheidet der aus vier deutschen und vier tschechischen Mitgliedern bestehende Verwaltungsrat. Ihm gehört auch ein Schwabacher an: der frühere CSU-Europaabgeordnete Martin Kastler. „Aber mit dem Mandat hat das gar nichts zu tun“, betont Kastler. In den Fonds ist er über die katholische „Ackermann-Gemeinde“ gekommen, deren Bundesvorsitzender Kastler ist. Die Ackermann-Gemeinde engagiert sich seit langem für die deutsch-tschechisch-slowakische Aussöhnung.

Und: Martin Kastler ist jemand, der sie vorlebt. Er hat in Prag studiert und hat Tschechien auch in Person seiner heutigen Gattin kennen und lieben gelernt. Die zweitägige Tagung am Dienstag und Mittwoch geht auf seine Einladung zurück.

Begrüßen konnte Thürauf aber nicht nur den Verwaltungsrat, sondern auch den Honorarkonsul der tschechischen Republik, Hans-Peter Schmidt. Der Aufsichtsratschef der Nürnberger Versicherung ist einer der namhaftesten Manager der Region.

„Wir wollen, dass die Menschen zusammenfinden“, erklärte er. „Sie suchen sich nur leider nicht genug. Zwei Drittel der Nürnberger waren noch nicht in Prag.“

Dabei liege die Weltstadt quasi vor der Haustür. „Mit dem Bus braucht man 3 Stunden und 37 Minuten für 19 Euro.“ Obwohl die Grenze seit 25 Jahren offen ist, gebe es offenbar noch immer ein „Brett vorm Kopf“. Deutsche und Tschechen verbinde eine 2000-jährige Geschichte. Die sei durch die 13 Jahre Nazi-Zeit aber überschattet worden. „Lassen Sie uns diese Zeit nicht vergessen, aber überwinden“, appellierte der Honorarkonsul.

Begegnungen

Genau das ist auch das auch das Anliegen des „Deutsch-tschechischen Zukunftsfonds“, dessen Name sein Programm ist. „Das meiste Geld fließt in Begegnungen, etwa in Schüleraustausch oder Sport“, erklärt Martin Kastler.

Bei der Tagung in Schwabach aber stand die Kultur im Mittelpunkt. „Im Sudetenland gibt es noch viele deutsche Kulturdenkmäler. Kirchen oder Marterl zum Beispiel. Die wollen wir gemeinsam erhalten.“

Unterstützung fließt aber auch in die Hauptstadt Prag. Dort gibt es zwei deutschsprachige Kirchengemeinden, eine katholische und eine evangelische. Die katholische saniert ihre barocke Kirche „St. Johannes von Nepomuk am Felsen“ und hat beim deutsch-tschechischen Zukunftsfonds um Unterstützung gebeten. Mit Erfolg: Kastler und dessen Kollegen bewilligten rund 400 000 Kronen, also etwa 15 000 Euro.

Keine Kommentare