Luftfilteranlagen an Schulen

Dicke Rohre saugen Corona aus dem Klassenzimmer

Gunther Hess

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23.11.2021, 06:04 Uhr
Hausmeister David Häring, Grundschul-Rektor Andreas Ryczko, Mittelschul-Leiterin Andrea Barwig, Tiefbauamtsleiter Nico Friedrich und Bürgermeister Jürgen Spahl unter den beiden mächtigen Lüftungsrohren in einem der Rednitzhembacher Klassenzimmer.
 

Hausmeister David Häring, Grundschul-Rektor Andreas Ryczko, Mittelschul-Leiterin Andrea Barwig, Tiefbauamtsleiter Nico Friedrich und Bürgermeister Jürgen Spahl unter den beiden mächtigen Lüftungsrohren in einem der Rednitzhembacher Klassenzimmer.   © Gunther Hess

Die Sachaufwandsträger der Schulen sollen dafür sorgen, dass die Kinder möglichst vor Corona geschützt sind, und zwar auch ohne Impfung. Diesen Schutz sollen unter anderem Lüftungsgeräte beziehungsweise Lüftungsanlagen bringen. Sie filtern die Luft in den Klassenzimmern – mobil oder fest installiert. Etliche Schulen im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach haben bereits seit Längerem solche Luftreiniger.

Im Schulhaus in Rednitzhembach sind mittlerweile 24 Lüftungsanlagen eingebaut. Sie tauschen die Luft in den Räumen zweimal pro Stunde aus. Damit gilt die Direktive nicht mehr, der zufolge alle 20 Minuten gelüftet werden muss.

„Das war energetischer Wahnsinn“, beschreibt Rednitzhembachs Bürgermeister Jürgen Spahl. Mittelschul-Leiterin Andrea Barwig sagt, die Zeiten, als Schüler in Jacken und eingehüllt in Decken in den Klassenzimmern saßen, seien damit vorbei. Die Geräte ersetzen das Lüften. Die offizielle Inbetriebnahme soll am 29. und 30. November erfolgen. Die Anlagen werden luft- beziehungsweise CO2-abhängig geschaltet.

Mit Lüftungsanlagen ausgestattet sind in Rednitzhembach nun die Grundschule, ein Teil der Mittelschule, die Mittagsbetreuung und der Hort. Damit werden alle Schüler bis zwölf Jahre geschützt, die noch nicht geimpft werden können. Sinnvoll ist die Investition laut Schulleiterin Barwig auch, weil die Geräte ebenso Viren von Grippe, Erkältungen und Magen-Darm-Krankheiten abfangen.

80 Prozent Förderung

Die Kommune hat die Förderung durch den Bund genutzt und bekommt 80 Prozent der Kosten erstattet. Das ging alles ganz schnell. Bei den fest installierten Lüftern war Rednitzhembach die erste Gemeinde, die bestellt hatte und auch geliefert bekam. Am Donnerstag um 14 Uhr hat die Gemeinde den Förderantrag losgeschickt, am Dienstag darauf war der positive Bescheid in der Post.

In Rednitzhembach wird nicht gekleckert, sondern geklotzt: Es ist der „Mercedes“ unter den Lüftungsanlagen, der in der Schule zum Einsatz kommt. Pro Klassenzimmer kostet dies gut 20.000 Euro, insgesamt werden 600.000 Euro fällig. Die Geräte arbeiten mit Wärmerückgewinnung, was Heizkosten spart.

Rednitzhembach hat sehr schnell gehandelt. Bürgermeister Jürgen Spahl ließ sich vom Gemeinderat das Okay geben, ohne dass feststand, was genau die Anschaffung kosten würde. Ziel war es, die Geräte vor der kalten Jahreszeit aufzustellen und in Betrieb zu nehmen.

Die Lüftungsanlagen sind gut zwei Meter hoch, zwei Stränge mit mächtigen Rohren führen nach außen. Einer der Stränge saugt Frischluft an, der andere leitet verbrauchte Luft hinaus. Bei 16 der Geräte erfolgt der Luftaustausch durch die Oberlichter der Fenster, die übrigen haben über Kernbohrungen Verbindung nach draußen. Dabei wurden große Löcher in die Wände gebohrt. Bei den Geräten, die ihre Frischluftzufuhr durch die Oberlichter haben, geht es auch darum, die Raffstores nach oben zu fahren, wenn die Anlage läuft. Die Folgekosten sind gering. Die Filter werden einmal pro Monat gereinigt – in einer Waschmaschine.

Mit Wärmerückgewinnung

Auch der Markt Wendelstein setzt auf dezentrale stationäre Raumluftanlagen. Im Gemeindegebiet gibt es fünf Schulen, für die die Gemeinde zuständig ist. Die Schule in Kleinschwarzenlohe wurde umfassend saniert, sie verfügt bereits über eine zentrale Luftver- und -entsorgung.

Für die Mittelschule und die Grundschule in Wendelstein sowie für die Grundschulen in Großschwarzenlohe und Röthenbach/St.W. hat der Marktgemeinderat die Anschaffung von Lüftungsgeräten mit Wärmerückgewinnung für 1,2 Millionen Euro für rund 50 Zimmer beschlossen. Die Gemeinde erwartet ebenfalls 80 Prozent Zuschuss. „Die Umsetzung geht nicht schnell“, sagt Bürgemeisteramts-Leiter Norbert Wieser. Wahrscheinlich dauert es bis Juni, bis die Geräte installiert sind.

Die Schule in Regelsbach ist fein raus. Dort gibt es schon seit langem eine zentrale Lüftung. Nachrüsten ist also nicht erforderlich.

Die Stadt Schwabach hat für ihre Schulen 36 Lüftungsgeräte bestellt. Sie ist zuständig für 13 Schulen und hat für neun davon mobile Geräte im Wert von 126.000 Euro geordert. Zwei Schulen haben die Lüftungsgeräte abgelehnt. In zehn Tagen sollen 16 Geräte für die Johannes-Helm- und die Christian-Maar-Schule geliefert werden. Manche der anderen Schulen haben ohnehin zentrale Lüftungsanlagen.

Ampeln zeigen, wann gelüftet wird

In Schwanstetten ist die Schule schon seit April gut ausgestattet mit mobilen Geräten. Die Freien Wähler hatten hier auf die Anschaffung von Lüftungsgeräten gedrungen.

In Abenberg kommen Geräte der Firma Trotec zum Einsatz, und zwar dieselben wie in Arztpraxen und Krankenhäusern. In Verbindung mit den CO2-Ampeln wird angezeigt, wann sie laufen müssen. Für die Turnhalle wird laut Schulleiter Wolfgang Amler allerdings ein stationäres Gerät angeschafft.

Die Stadt Hilpoltstein ist ebenfalls gut versorgt mit Lüftungsgeräten. Vor zwölf oder 13 Jahren hat es laut Bürgermeister Markus Mahl ein Konjunkturpakt gegeben, bei dem die Hilpoltsteiner Grundschule mit einer Lüftungsanlage ausgestattet wurde. Für das Schulhaus in Meckenhausen sei die maschinelle Lüftung nicht notwendig, hier ließen sich alle Fenster zum Lüften öffnen.

In Roth sind nur drei oder vier Räume mit Lüftungsgeräten ausgestattet, der große Rest jedoch nicht. Nach einer langen Diskussion habe der Stadtrat dagegen votiert, erklärt Pressesprecherin Viola de Geare auf Anfrage. Im Raum standen Anschaffungskosten von 350.000 bis hin zu fünf Millionen Euro für die bis zu 201 Räume. Die Nachteile hätten überwogen, man habe sich fürs Lüften und Abstandhalten entschieden.