Ein jüdischer Geistlicher auf Spurensuche in Schwabach

4.12.2013, 08:36 Uhr
Kulturamts-Leiterin Sandra Hoffmann-Rivero (li.) zeigte Michael Jaakov Bar-Lev (M.) und seiner Frau Irina Chernolovskaja die historische jüdische Laubhütte, die für Publikumsverkehr derzeit nicht zugänglich ist.

Kulturamts-Leiterin Sandra Hoffmann-Rivero (li.) zeigte Michael Jaakov Bar-Lev (M.) und seiner Frau Irina Chernolovskaja die historische jüdische Laubhütte, die für Publikumsverkehr derzeit nicht zugänglich ist. © Hans von Draminski

„Mit meinen Eltern sprach ich bis zu ihrem Tode praktisch nur Deutsch“, verrät Bar-Lev, der seinen deutschen Namen Herzberg beim Eintritt in die israelische Armee „hebräisieren“ musste: „Das war damals so üblich“.

Seinen Großvater mütterlicherseits hat der heute 75-Jährige noch kennengelernt. „Mit ihm die religiösen Schriften zu lernen, war faszinierend.“ Obwohl der Großvater, der jahrelang als Landesrabbiner arbeitete und vor dem Zweiten Weltkrieg in der Hochstraße in Nürnberg lebte, in seinen letzten Lebensjahren fast blind war, konnte er die Texte des Talmud auswendig — und korrigierte Schüler, wenn sie falsch zitierten. Das Rabbinat Schwabach wurde bereits 1932 aufgrund zurückgehender Mitgliederzahlen aufgelöst und dem Rabbinatsbezirk Ansbach angegliedert.

Michael Jakoov Bar-Levs Mutter war das zweite von sieben Kindern, die allesamt Glück hatten und vor den Mordkommandos der Nationalsozialisten rechtzeitig ins Ausland fliehen konnten. Obwohl die Familie bei der Flucht vor den Nazis auf verschiedene Länder aufgesplittet wurde, „ist sie immer noch eng vernetzt“, erzählt Michael Jakoov Bar-Lev lächelnd.

Seine Frau Irina Chernolovskaya heiratete Bar-Lev erst im Juli dieses Jahres. Die 55-jährige Journalistin stammt aus Kasachstan. Und unterhält sich mit ihrem Ehemann auf Deutsch. „Ich empfinde Deutschland als zweite Heimat“, betont Bar-Lev und fügt hinzu: „Deutsch ist bei uns bis heute Familiensprache.“

In Schwabach traf der Rabbiner Oberbürgermeister Matthias Thürauf und wurde mit einem Bildband über die Goldschlägerstadt und mit einem vergoldeten Gingkoblatt beschenkt.

Kulturamts-Chefin Sandra Hoffmann-Rivero verwandelte sich für den jüdischen Gast in eine Fremdenführerin mit wissenschaftlichem Anspruch und zeigte Michael Jakoov Bar-Lev unter anderem die ehemalige Synagoge, die heute Unterrichtsräume der VHS beherbergt.

Rabbinerhaus und Laubhütte

Das unscheinbare Haus gegenüber der Synagoge diente Salomon Mannes als Rabbinerhaus. In einem weiteren Gebäude unweit der Synagoge war die Laubhütte untergebracht, deren Wandmalereien zufällig bei Renovierungsarbeiten zum Vorschein kamen. Michael Jakoov Bar-Lev zeigte sich bei seinem Besuch sichtlich beeindruckt von der Leistung der Restauratoren und war spürbar erfreut, dass sich das Jüdische Museum Franken des historischen Erbes angenommen hat: Bis 2015 soll die museale Aufarbeitung in Schwabach so weit sein, dass man auch die Laubhütte wieder für den allgemeinen Publikumsverkehr zugänglich machen kann. Rabbiner Michael Jakoov Bar-Lev versprach, dann wiederzukommen.

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