Freitag, 16.04.2021

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Firma Deutschle: Die Schall-Schlucker aus Abenberg

Ein Besuch beim deutschen Marktführer für den Bau von Gabionen-Lärmschutzwänden - 19.10.2017 05:58 Uhr

Wolfgang Deutschle (Mitte) und seine Arbeiter sind derzeit vor allem zwischen den Anschlussstellen Schwabach-Süd und Roth im Einsatz. Hier füllt gerade ein Baggerfahrer die porösen und deshalb besonders gut Lärm schluckenden Lavasteine in den vorderen Teil der Drahtkörbe.

18.10.2017 © Fotos: Robert Gerner


Gabionen sind Drahtkörbe, die mit Steinen gefüllt werden. Bis vor nicht allzu langer Zeit waren solche Gabionen ausschließlich zur Zierde in Gärten zu sehen. Wolfgang Deutschle hat 2004 dann damit begonnen, die Technik auch im Ingenieursbau einzusetzen. Es fing mit kleineren Stütz- und Lärmschutzmauern an, beispielsweise beim Neubau der Autobahn-Raststätte Feucht (2005).

Der gelernte Maurer, der sich nach der Meisterschule zum Baurestaurator fortbildete, hat die Technik immer weiter verfeinert. Zehn Patente hält die Firma bereits, inzwischen bereiten ihm auch kilometerlange und bis zu 6,5 Meter hohe Lärmschutzwände, wie er sie derzeit entlang der A 6 baut, keine schlaflosen Nächte mehr.

Sieht einfach aus, aber...

Von außen sieht es ja vergleichsweise einfach aus: Drahtkörbe übereinander stapeln, Steine rein, fertig. Doch vor Ort ist es natürlich viel komplizierter: Deutschle kauft zwar den galvanisierten Draht ein, doch daraus muss er erst die Körbe biegen. Das geschieht zum Teil in seiner Firma in Abenberg, zum Teil auch erst direkt auf der Baustelle.

Die Körbe stehen auch nicht auf gewachsenen Boden, sondern auf betonierten Fundamenten. Dann sind die Körbe noch einmal in sich unterteilt. Die vorderen, zur Straße zeigenden 20 Zentimeter werden mit vergleichsweise leichtem und porösem Lavagestein gefüllt, die Deutschle von Steinbrüchen aus der Eifel bezieht. Das schluckt den Schall am besten. Dahinter, durch Draht und ein weißes Vlies getrennt, wandern günstigeres Gestein und sauberer Bauschutt aus der Region in die mächtigen Körbe.

Nahe der Brücke Äußere Rittersbacher Straße sind die Gabionen-Lärmschutzwände schon gut gefüllt und weitgehend fertig.

18.10.2017 © Fotos: Robert Gerner


Meter für Meter arbeiten sich Deutschles Arbeiter voran – in der Horizontalen, aber auch in der Vertikalen. 8000 Kubikmeter Lavagestein verarbeiten sie heuer und nächstes Jahr entlang der A 6, darüber hinaus 34 000 Kubikmeter sonstiges Gestein. Die Erdbewegungen hinter der um zehn Grad geneigten Schallschutzwand sind ebenfalls gewaltig.

Wenn die Arbeiten im Herbst 2018 abgeschlossen sind, dann werden Autofahrer auf der rund sechs Kilometer langen Strecke an Gabionen vorbeifahren, deren Frontfläche 550 000 Quadratmeter beträgt, wie Deutschles Oberbauleiter Georgios Mandrakis ausgerechnet hat. Und obendrauf kommen dann noch einmal – allerdings von einem anderen Anbieter – gut fünf Meter hohe gebogene Betonwände.

"Wir liegen gut im Zeitplan", sagt Deutschle bei einem Baustellenbesuch. Bis Ende November soll der Lärmschutz auf der Südseite der Autobahn stehen. "Wir sind etwas voraus, haben einige Tage Luft". Nächstes Jahr beginnt das Spiel von vorne, dann auf der Nordseite.

Wasser, Straße, Schiene

Mehr als 30 seiner insgesamt knapp 60 Mitarbeiter hat er zwischen den Anschlussstellen Roth und Schwabach West eingesetzt, "es ist unsere größte Baustelle derzeit", erzählt der Unternehmer. Doch die Firma ist auch in Österreich, in Slowenien und Mazedonien entlang von Schnellstraßen unterwegs. Sie hat in Duisburg mit gewaltigen Gabionenwänden den Hafen zum Teil neu gestaltet und gilt auch als ein Spezialist für niedrige Lärmschutzwände entlang von Schienen. "Die Bahn ist einer unserer großen Auftraggeber", sagt Deutschle stolz.

Seine Firma hat eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Sein Vater Johann gründete sie in den 1980er Jahren. Sie war zunächst im Hausbau unterwegs, übernahm Pflasterarbeiten, alles, was eben so anfällt in der Region. "Mit drei, vier Leuten", wie sich Wolfgang Deutschle erinnert. 1997 übernahm dann der Junior das Ruder. Ein paar Jahre machte er den Preiskampf in der Branche mit, dann suchte er sich lieber Nischen, konzentrierte sich auf den Denkmalschutz, auf das Reinigen von Schleusen – und auf den Lärmschutz.

Um auch große Aufträge stemmen zu können, hat der 49-Jährige ordentlich investiert. "Ein paar Millionen" habe man schon in den Maschinenpark gesteckt, erzählt er. Doch das, was Deutschle wirklich braucht, gibt es so gar nicht auf dem Markt. Also lässt er die Maschinen schon einmal umbauen. So hat er einen "Verdichter" entwickelt, der an einem Bagger die Baggerschaufel ersetzt und der wesentlich effektiver ist als eine von Hand betriebene Rüttelplatte. Ein anderer Bagger ist nicht nur Bagger, sondern zugleich Zugmaschine. Einen Hänger mit den Steinen, die in die Drahtkörbe gefüllt werden, zieht er gleich hinter sich her.

50 Jahre Garantie

Und doch ist nicht nur viel Maschinen- sondern auch viel Manpower erforderlich: Die Lavasteine müssen von einem Trupp, die hinter dem Einfüll-Bagger unterwegs ist, von Hand in die richtige Position gebracht werden. Damit der Lärmschutz später einmal seinen Namen auch verdient. Und damit die Schwabacher nach vielen Jahrzehnten endlich mehr Ruhe haben von der Schnellstraße direkt vor ihrer Haustüre.

Deutschle verspricht spürbare Verbesserungen – und das über einen langen Zeitraum: "Wir geben 50 Jahre Garantie."

ROBERT GERNER

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