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Glosse: Autodiebstahl leicht gemacht

Moderne Fahrzeuge können Tücken haben — Aber die Polizei weiß, wie man damit umgeht - 03.03.2019 05:58 Uhr

Fahren ohne Autoschlüssel? Gibt's doch nicht! Oder? © ADAC


Letztens hatten wir im Schwabacher Tagblatt eine Polizeimeldung, es ging um Autodiebstahl. Das Besondere daran: Der Wagen war mit einem "keyless-go"-System ausgestattet. Diese total ausgefuchste Technik erlaubt es dem Fahrer, sein Auto per Knopfdruck zu starten. Wie praktisch! Dummerweise erlaubt es auch dem Autodieb, den Motor per Knopfdruck zu starten. Weniger praktisch.

Wir haben das mal knallhart nachrecherchiert, auf der Webseite des ADAC. Dort steht: "Die Sicherheitslücke bei den Komfort-Schlüsseln erleichtert Dieben das Handwerk ungemein: Sie müssen sich nur mit einem kleinen Gerät in die Nähe des Auto- oder Motorradschlüssels begeben – und mit einem zweiten Gerät in die Nähe der Autotür. Schon werden die Reichweiten der Signale Hunderte von Metern ,verlängert‘ und das Auto lässt sich öffnen. Das geht auch dann, wenn der Schlüssel im Haus liegt oder der Besitzer mit Schlüssel in der Hosen- oder Jackentasche einen Biergarten besucht."

Ruck zuck ist die Kiste außer Landes

Laut ADAC-Experten können die beiden Geräte mit geringem Aufwand selbst gebaut werden. Zwar kann man den Wagen dann nur einmal starten und fahren, bis der Tank leer ist. Das reicht für professionelle Banden aber locker aus, um das Auto außer Landes zu bringen, wo Spezialisten einen neuen Schlüssel anfertigen. Moderne Technik.

Nun liegt es mir natürlich fern, mich über Autodiebstahl lustig zu machen. Ein bisschen schmunzeln musste ich aber schon, als ich die Tipps der mittelfränkischen Polizei las, die mitsamt der Diebstahlsmeldung die Redaktion erreichten. Fahrer werden gebeten, einige einfache Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.

Abschirmmaßnahmen einleiten

Da heißt es etwa: "Verwenden Sie bei Nichtbenutzung des Fahrzeugs Hüllen oder Behältnisse, um das Funksignal abzuschirmen. So können beispielsweise Schlüsseletuis mit eingebauter Abschirmfolie oder Schlüsseltresore über das Internet oder im Fachhandel erworben werden." Ja, ja, heutzutage muss man seinen Schlüssel abschirmen. Na gut, wer sich ein nagelneues "keyless-go"-Auto leisten kann, der hat auch das nötige Kleingeld für so einen Schlüsseltresor.

Der zweite Tipp ist schwieriger in der Umsetzung. "Legen Sie die Zündschlüssel nie ungeschützt in der Nähe der Haus- oder Wohnungstür ab." Wo denn sonst?! Auf dem Dachboden? In einem zwei Meter tiefen Erdloch im Garten? Zu dumm, dass man den Autoschlüssel ausgerechnet dann braucht, wenn man vorher die Haustür benutzt hat.

Lassen Sie das Auto stehen!

Der letzte Tipp ist dagegen wieder total einleuchtend: "Parken Sie Ihr Fahrzeug möglichst in einer verschlossenen Garage oder auf einem abgesperrten Grundstück."

Liebe "keyless-go"-Fahrer, es ist so einfach. Lassen Sie Ihr Auto zuhause in der Garage, dann wird’s auch nicht geklaut. Man kann schließlich auch mit dem Bus fahren, das ist besser für die Umwelt. Wer gar nicht erst losfährt, dem passieren außerdem keine Unfälle, damit wird die Versicherung billiger und man kann das Auto irgendwann für mehr Geld verkaufen, weil es keine Macken hat. Es ist für den modernen Autobesitzer schlicht und einfach besser, seinen Wagen in der Garage stehen zu lassen – da hätte man eigentlich auch ohne Hilfe der Polizei drauf kommen können.

Thomas Correll Schwabacher Tagblatt E-Mail

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