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Glosse: Der Raucher ist der bessere Arbeitnehmer

Es wird Zeit, alte Vorurteile zu revidieren - 26.05.2019 05:58 Uhr

Wenn Alain Delon es macht, dann kann es nicht schlecht sein. © ARCHIVE


Am Mittwoch hatten wir Betriebsversammlung beim Schwabacher Tagblatt. Das ist zunächst einmal kein Grund zur Berichterstattung, so spannend geht es da nicht zu. Aber ein Satz der geschätzten Kollegin und Betriebsrätin Frau G. hat mich stutzig gemacht.

Sie wies darauf hin, dass es für diejenigen unter uns, die manchmal ihren gesamten Arbeitstag vor dem Bildschirm verbringen, sehr wichtig ist, alle ein, zwei Stunden einmal aufzustehen und „in die Ferne zu schauen“. Ihr selbst wird es abends manchmal schummrig im Kopf, wenn sie es einen Tag lang vergisst oder keine Zeit dazu findet. Das fand ich einen wichtigen Hinweis, denn mir geht es genauso. Dann aber schob sie hinterher: „Das gilt vor allem für die vielen Nichtraucher unter uns.“

Klar, die Raucher machen das ja notgedrungen! Sie machen Pause, schnappen frische Luft (mit etwas giftigem Rauch) und schauen in die Ferne, nicht in den Bildschirm. Raucher müsste man sein, dachte ich mir. Dann kam ich ins grübeln. Könnte es sein, dass vier oder fünf Zigaretten pro Arbeitstag gesünder sind als Abstinenz?

Erfrischend und anregend

Auch die Haltung am Schreibtisch neigt ja dazu, im Laufe des Tages immer schlechter zu werden. Eine Zigarette alle – sagen wir – eineinhalb Stunden beugt also Verspannungen vor, schont die Augen, erfrischt und regt außerdem zum Gespräch an – mit anderen Rauchern aus anderen Abteilungen. So findet unternehmensübergreifend Kommunikation statt, das wünschen sich Arbeitgeber doch immer. Danach kann der motivierte, nikotinierte Angestellte wieder konzentriert an die Arbeit gehen.

Gut, die ein oder andere negative Wirkung des Rauchens scheint mittlerweile nachgewiesen zu sein. Da ist aber sicher viel Übertreibung im Spiel. Die Krankenkassen haben traditionell eine starke Lobby – denen ist das Rauchen natürlich ein Dorn im Auge, da stecken handfeste finanzielle Interessen dahinter. Außerdem, wirtschaftlich argumentiert: Die meisten negativen Folgen treten doch ohnehin erst im Rentenalter auf, das ist im Arbeitsalltag somit also zu vernachlässigen.

Wasserpfeife und Couch

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Sollten Betriebsräte die Arbeitgeber dazu bringen, kostenfreie Gemeinschafts-Zigarettenschachteln auszulegen?

Ich meine ja.

Man sollte sogar noch weiter gehen. In Büros herrscht oftmals eine aggressive Stimmung, ausgelöst durch Stress in der Arbeit, persönliche Probleme, Neigung zur Cholerik, mangelnden Nachtschlaf oder sonstige Gründe. Marihuana wirkt Aggressionen bekanntermaßen entgegen. Man könnte also jedes Büro mit einer Sofaecke samt Wasserpfeife ausstatten und so das Betriebsklima von heute auf morgen entscheidend verbessern.

Ich werde Frau G. diese Vorschläge zeitnah unterbreiten und bin sicher, dass sich sowohl der Betriebsrat als auch die Unternehmensführung der bestechenden Logik meiner Argumentation anschließen. Es geht uns doch letztlich allen um dasselbe: die Gesundheit des Mitarbeiters sichert die Gesundheit des Unternehmens. 

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