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Glosse: Wie Schwabach mal eben 45 Euro spart

Ein weiteres Kapitel der Serie "Unsere Straßenschilder - Komödianten des Alltags" - 23.06.2019 05:58 Uhr

Finde den Fehler: die Bachgasse in Schwabach. © Günther Wilhelm


In der heiteren Serie „Unsere Straßenschilder — Komödianten des Alltags“ hat die Stadt Schwabach ein weiteres und im wörtlichen Sinne wegweisendes Kapitel hinzugefügt.

Dankbar erinnern wir uns an den satirischen Beitrag der Autobahndirektion Nordbayern, die mit ihrem zielsicheren „Kummerstein“-Schild bereits höchste Maßstäbe gesetzt hat. Leider ist es kurz nach der verdienten Würdigung in dieser Kolumne aus unerklärlichen Gründen sofort wieder abgebaut worden.

Herausforderung angenommen

Dennoch hat die Stadt Schwabach diesen gewagten Vorstoß an der Anschlussstelle Schwabach-West als humoristische Herausforderung gesehen und ihrerseits ein profanes Hinweisschild in eine launig-künstlerische Kreation verwandelt: Die Bachgasse ziert seit dieser Woche ein Einbahnstraßen-Schild der noch nie gesehenen Art.

Die ersehnte Fortsetzung der Bauarbeiten in der Friedrichstraße haben im Tiefbauamt sichtlich Begeisterung ausgelöst. Schwabach steht Kopf, symbolisch dokumentiert in der Bachgasse, wo seit Dienstag — bedingt durch die Baustelle — die Einbahnstraßenrichtung umgekehrt gilt.

Vorsicht, Bandscheibe

Wer das Schild an der Ecke zur Nürnberger Straße ohne Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule lesen möchte, muss sich nur mal kurz mit seinem Auto überschlagen, wovon wir an dieser Stelle aber in aller Form ausdrücklich abraten möchten.

Zum einen könnte der schöne Blumenschmuck auf der Fleischbrücke in Mitleidenschaft gezogen werden.

Zum anderen würde der unvermeidliche Sachschaden die ökonomische Grundidee des Tiefbauamts geradezu konterkarieren.

Wer braucht VZ 220-10?

Schließlich handelt es sich nicht nur um originelle Kunst im öffentlichen Raum, sondern auch um eine effiziente Sparmaßnahme. Knallharte Internetrecherchen haben ergeben, dass das echte linksweisende Verkehrszeichen namens VZ 220-10 satte 45,82 Euro verschlingen würde. Und zwar selbst in der einfachen Flachform und der biederen Reflexionsklasse 1. Das nötige Befestigungsmaterial noch nicht einmal inbegriffen. Und dafür müsste man auch noch vier Tage Lieferzeit akzeptieren.

Das geht selbstverständlich gar nicht, die Baustelle soll ja zügig fertig werden. Folgerichtig hat die Stadt ihr ungeahntes Improvisationstalent spielen lassen: Man baue das an der Spitalbrücke bislang korrekt nach rechts weisende Einbahnstraßenschild einfach ab und stelle es an der Fleischbrücke kurzerhand wieder auf.

Der simply clevere Trick: Ein einfacher Dreh, und schon weist es plötzlich nach links. Pfeilgerade und unmissverständlich.

Preisgeld haben wir nicht

Und? Geht doch! Keine Kosten, keine Proteste, keine Bandscheibenvorfälle, alles bestens. Außerdem: Ein Lektüregenuss ist ein Wort wie „Einbahnstraße“ ohnehin nicht.

Jetzt sind wir aufrichtig gespannt, ob diesen vorbildlichen Schritt wider der Verschwendungssucht auch der Bund der Steuerzahler zu würdigen weiß. Der hatte schließlich Schwabach wegen der lächerlich kleinen Fußgängerbrücke über die Autobahn bei Penzendorf in seinem gefürchteten „Schwarzbuch“ an den bundesweiten Pranger gestellt. 45,82 Euro sind zwar zugegeben knapp unterhalb der Brückenkosten, wir aber meinen: Der gute Wille zählt.

Deshalb verleiht das Schwabacher Tagblatt erstmals seinen eigens für die Stadtverwaltung ins Leben gerufenen „Bassd scho“-Preis für diese vorbildlich unbürokratische Interpretation der Straßenverkehrsordnung. Preisgeld: natürlich nix! Auch wir müssen sparen. 

Günther Wilhelm

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