Hürde genommen! Nur Deutschlands Spitze durfte ran

7.5.2021, 13:40 Uhr
Nils Kremling (Mitte) lieferte im Vierkampf einen starken Wettkampf ab und machte damit auch seinen Trainer Christian Gußner sprachlos. Zweiter wurde der Wendelsteiner Athlet über die 110 Meter Hürden. Am Ende feierte er mit 169 Punkten einen überlegenen Sieg.

Nils Kremling (Mitte) lieferte im Vierkampf einen starken Wettkampf ab und machte damit auch seinen Trainer Christian Gußner sprachlos. Zweiter wurde der Wendelsteiner Athlet über die 110 Meter Hürden. Am Ende feierte er mit 169 Punkten einen überlegenen Sieg.

Die beiden Athleten trafen dort sowohl auf die deutsche Konkurrenz in ihrer Altersklasse wie auch auf die deutschen Olympiateilnehmer für Tokio im Mehrkampf.Dabei wollte es der Zufall bereits vor der Veranstaltung, dass Kraus und Kremling (Startnummern 53 und 54) in der alphabetischen Startliste gleich nach den beiden Olympiahoffnungen Niklas Kaul und Kai Kazmirek gelistet waren. Eine tolle Erinnerung und eine zusätzliche Motivation, die die beiden extrem fokusierten LG-Athleten aus der Wendelsteiner Trainingsgruppe eigentlich gar nicht mehr benötigen.

Trainer war sprachlos

Trotzdem war ihr Trainer Christian Gußner nach zuletzt etwas wechselhaften Trainingsleistungen nicht sicher, ob sich die hohen Erwartungen, die beide Sportler an sich selbst stellen, erfüllen lassen. Aber nach den beiden Siegen musste Gußner erneut etwas sprachlos zur Kenntnis nehmen, dass seine beiden Wundertüten jederzeit für eine Überraschung gut sind.

Zunächst errang Nils Kremling im Vierkampf mit 3 038 Punkten und einem Vorsprung von 169 Punkten einen überlegenen Sieg in seiner Altersklasse U18. Seine persönlichen Ziele zeigte er bereits bei der ersten Disziplin, als er nach dem zweiten Platz über 110 Meter Hürden und einem minimalen Rückstand von elf Hundertstel selbstkritisch analysierte, der Lauf sei technisch sauber, aber zu langsam gewesen. Als ein "Luxusproblem" würden dies seine Konkurrenten wahrscheinlich sehen.

Richtig schlecht lief es allerdings anschließend beim Diskuswurf, wo er bereits bei einer für ihn nur durchschnittlichen Leistung von 40 Metern in Führung gegangen wäre, er sich aber mit bescheidenen 37,01 Metern erst mal mit Platz drei in der Gesamtwertung begnügen musste.

Eine Punktlandung

Tim Kraus machte in Frankfurt einen Satz über 2,01 Meter — eine hervorragende Leistung bei schwierigen Bedingungen.

Tim Kraus machte in Frankfurt einen Satz über 2,01 Meter — eine hervorragende Leistung bei schwierigen Bedingungen.

Ehrlicherweise muss man aber schon feststellen, dass die seltene Vierkampf-Kombination mit anschließendem Weitsprung und 200- Meter-Lauf Kremling richtig gut in die Karten spielte. So war Trainer Gußner gespannt, wie sich im Weitsprung die Anlaufumstellung im Wettkampf auswirken würde, nachdem er im Training schon die Sieben-Meter-Marke anvisiert hatte. Dass Kremling jedoch im zweiten Versuch mit 6,98 Metern bei leichtem Gegenwind fast eine Punktlandung hingelegt hatte, überraschte dann doch den Trainer und schockte die Konkurrenz. Der ungefährdete Sieg beim abschließenden 200-Meter-Lauf in 23,17 Sekunden war dann nur noch eine Demonstration seiner Stärke.

Unter diesen Umständen war es für Tim Kraus fast Pflicht, im Hochsprung nachzulegen. Dabei ging es für ihn weniger um eine Platzierung in der für ihn neuen Altersklasse U20 (er war der einzige Starter), sondern um die Bestätigung seiner Leistungen vom vergangenen Jahr, als er erstmals über 2,03 Metern gesprungen war und die DM-Norm von 1,99 Metern erfüllt hatte.

2,01 Meter

Auch bei ihm war Christian Gußner etwas skeptisch, nachdem die letzten Trainingseindrücke nicht unbedingt optimistisch gestimmt hatten und auch das kühle und windige Wetter etwas hinderlich schienen. Doch wieder einmal zeigte sich die Nervenstärke von Tim Kraus, der sich in den Wettkampf reinkämpfte und mit 2,01 Metern eine ganz hervorragende Leistung ablieferte. Aufgrund eines knappen Versuchs über die 2,04 Meter war dann auch der Spruch "es ist noch Luft nach oben" durchaus gerechtfertigt.

Bei aller Freude über die tollen persönlichen Erfolge ist aber die Tatsache, dass im Hochsprung U20 gerade mal ein Teilnehmer am Start war, leider ein erschreckendes Beispiel über die fehlende Breite im deutschen Leistungssport. Da stellt sich schon die Frage, wer in den kommenden Jahren, wenn die bisherigen Aushängeschilder abgetreten sind, bei internationalen Meisterschaften überhaupt noch für Deutschland an den Start gehen soll.

Hoffen auf Zufallsfunde?

Fest steht, dass in den Altersklassen U18 und U20 niemand irgendwelche Quereinsteiger aus dem Ärmel zaubern wird. Fest steht auch, dass das seit 14 Monaten bestehende Sportverbot die Altersklassen bis U16 weiter ausdünnen wird. Somit werden in den kommenden Jahren noch weniger Jugendliche nachrücken, und der Spitzensport wird sich auf ein paar Zufallsfunde beschränken. Die Weichen hierfür sind gestellt. Es muss sich niemand wundern, wenn sich die Leichtathletik in Zukunft überwiegend auf Volksläufe und die Übergabe von Ehrennadeln für das Sportabzeichen reduzieren wird.

Keine Kommentare