Landtagswahl: CSU-Debakel überschattet Karl Frellers Erfolg

14.10.2018, 21:30 Uhr

© F.: Kronschnabel

Auf den 62-Jährigen entfielen 37 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit lag er noch klar vor seinen schärfsten Herausforderern. Sabine Weigand von den Grünen kam auf 18,5 Prozent, Claudia Arabackyj von der SPD auf 14,2 Prozent und Peter Konrad von der AfD auf 12,3 Prozent der Stimmen.

Die ersten Reaktionen der Kandidatinnen und Kandidaten im Überblick:

Karl Freller (CSU):

"Mich betreffend bin ich zufrieden", sagt Karl Freller hörbar erleichtert. Seine Verluste im Stimmkreis liegen deutlich unter denen seiner CSU insgesamt. "Aber auch für die Partei sieht es so schlecht gar nicht aus. Wir haben einen klaren Regierungsauftrag." Dass Markus Söder Ministerpräsident bleibt, das ist für Freller "eindeutig". Söder habe leider nur ein halbes Jahr Zeit gehabt, um sich in diesem Amt zu profilieren. "Das war eine sehr knappe Zeit."

Soll Seehofer Parteivorsitzender bleiben?" Ich sehe gegenwärtig keine Veränderung", antwortet er vieldeutig. Trotz seiner Erleichterung: "Ein Zurücklehnen darf es nicht geben", betont er. "Wir müssen wieder mehr in Grautönen diskutieren statt in Schwarz und Weiß. Und wir müssen Teile der Mitte wieder intensiver ansprechen." Zur SPD erklärt er: "Ihr Zustand tut einem als Demokrat schon weh."

Kopfschüttelnd nimmt er das Ergebnis des Würzburger AfD-Kandidaten in Nürnberg hin. "Das ärgert mich fast am meisten, dass jemand gewählt wird, den keiner kennt."

Und mit wem will die CSU regieren? "Mit der Partei, mit der es die größten Übereinstimmungen gibt. Das sind momentan sicherlich nicht die Grünen", betont Freller. Also eine klare Tendenz zu den Freien Wählern? "Ich würde sagen: Ja."

Claudia Arabackyj (SPD):

"Eine Katastrophe" sind die ersten Worte der SPD-Kandidatin angesichts des Wahlergebnisses ihrer Partei und ihres persönlichen im Stimmkreis. "Es ist eine klare herbe Niederlage." Ob sie es dennoch in den Landtag schaffen wird, steht noch nicht fest. Bis Mittwoch wird es wohl dauern, ehe klar ist, ob die Nürnberger Stadträtin und Landtags-Direktkandidatin doch noch über die Liste ins Maximilianeum kommt. "Die Hoffnung ist noch begründet", sagte Arabackyi am Sonntagabend. Sie selbst könne sich im Landtag gut vorstellen. Und wenn dies nicht klappen sollte: Ihre politische Arbeit wolle sie auf jeden Fall im Nürnberger Stadtrat fortführen. Die Sozialdemokraten haben sich zu dieser Zeit im Karl-Bröger-Haus in Nürnberg versammelt. "Um mich herum sind lange Gesichter, auch die Suche nach Fehlern im Wahlkampf hat begonnen", so Arabackyi weiter. Einer davon könne sein, dass "wir nicht zusammenhalten und schnell Köpfe austauschen", das habe sie am Freitagabend bei einem letzten Wahlkampfauftritt in Schwabach zu hören bekommen. Auf jeden Fall werde in den nächsten Tagen noch eine ausführliche sozialräumliche Analyse des Wahlergebnisses folgen.

© Foto: Günther Wilhelm

Dr. Sabine Weigand (Grüne):

18 Uhr, auf der Wahlparty der Schwabacher Grünen schauen alle gebannt auf die große Leinwand. Als der Moderator für die Grünen (zunächst 18,5 Prozent) verkündet, reißt Dr. Sabine Weigand begeistert die Arme nach oben und nimmt die ersten Glückwünsche entgegen. Ob es für die grüne Kandidatin reicht, über die Liste in den Landtag gewählt zu werden, das ist zwar noch völlig offen. "Aber das ist zweitrangig", sagt Sabine Weigand. "Ich freue mich jetzt erstmal für die Partei. 18,5 Prozent in Bayern, das ist für uns ein Traumergebnis, absolut fantastisch."

Die Gründe für den Erfolg? "Wir sind eine starke Partei mit starken Köpfen und starken Lösungen", betont die Historikerin und Schriftstellerin, die für die Grünen bereits im Stadtrat sitzt. "Immer mehr Menschen spüren, dass es uns um die Sache geht, dass wir alle an einem Strang ziehen. Unsere Spitzenleute Katharina Schulze und Ludwig Hartmann sind jung und voller Power."

Und die Koalition? "Der Klimawandel wartet keine fünf Jahre. Wir müssen jetzt etwas tun", sagt Sabine Weigand. "Deshalb werden wir mit der CSU reden. Aber wir werden uns nicht anbiedern. Natürlich wäre es für die CSU mit uns härter als mit den Freien Wählern."

Bernd List (FDP):

Die einen konnten jubeln, die anderen waren enttäuscht, bei den Liberalen wurde vor allem gezittert. Irgendwann im Laufe des Abends zeichnete es sich aber ab, dass den Freien Demokraten die Rückkehr in den Bayerischen Landtag gelingen würde, wenn auch knapp. Mehr als elf oder zwölf Freidemokraten werden wohl nicht ins Maximilianeum einziehen, der Schwabacher Direktkandidat Bernd List wird mutmaßlich nicht dazugehören. Die wichtigste Erfahrung des politischen Späteinsteigers, der vor eineinhalb Jahren zur FDP gestoßen ist: "Die tollen Gespräche mit Bürgern auf dem Marktplatz."

 

 

Marco Meier (Freie Wähler):

Der Jüngste der Direktkandidaten hatte einen doppelt schönen Abend. Erst ein Sieg seiner Bezirksliga-Fußballer vom SV Ornbau (4:0 gegen Freystadt) und dann ein zweistelliges Ergebnis seiner Freien Wähler, das vermutlich zu einer Regierungskoalition mit der CSU reicht. Wie sein Landesvorsitzender Hubert Aiwanger plädiert auch Meier für eine Zusammenarbeit mit der CSU. "Aber als Steigbügelhalter sind wir uns zu schade", so der FW-Mann. "Wir werden nicht unsere Seele verkaufen." Froh ist der 25-Jährige, dass "die AfD nicht ganz so stark geworden ist, wie manche befürchtet hatten". Dass es für ihn über die Liste zum Einzug in den Landtag reichen wird, ist zwar unwahrscheinlich, aber das frustriert den 25-Jährigen nicht: "In fünf Jahren auf ein Neues."

Peter Konrad (AfD):

"Überrascht bin ich vom guten Abschneiden der Grünen", erklärte Peter Konrad. Das sei wohl die "Reaktion auf die Dämonisierungskampagne" gegen die AfD gewesen. "Zudem gibt es zwischen den Freien Wählern und uns einige inhaltliche Überschneidungen", so Konrad weiter. "Das hat wohl einige Stimmen gekostet." Zwar habe die AfD weniger Stimmen als vor einem Jahr bei der Bundestagswahl gewonnen, doch müsse man mit diesem Resultat zufrieden sein. Die AfD werde in der Opposition "die CSU stellen und Tatsachen betonen", so Konrad. Er sieht die AfD als bürgerliche Partei. "Wir müssen weg vom Feinddenken."

 

 

 

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