Mensch und Menschsein

27.2.2020, 16:17 Uhr
Corinna Smok mit ihren drei großen Minotauren. Das „Zweisein“ – so der Titel ihrer Ausstellung – wird deutlich durch die Verwandlung des Menschen zum Stier.

Corinna Smok mit ihren drei großen Minotauren. Das „Zweisein“ – so der Titel ihrer Ausstellung – wird deutlich durch die Verwandlung des Menschen zum Stier. © Foto: Gunther Hess

Diese Zeichnungen sind gelegentlich sparsam koloriert zur Bekräftigung der Aussage. Durch ihr Zeichenmaterial Kohle kann sie Gefühle in die Zeichnung legen, ohne sich in Einzelheiten zu verlieren.

Die Ausstellung behandelt die Themen Mensch und Menschsein. "Das Tiefgründige interessiert mich. Wenn es ans Eingemachte geht", sagt Corinna Smok. "Ich sehe mich als einen Filter äußerer Eindrücke. Nur, was mich wirklich berührt, bleibt am Ende übrig und bildet die Grundlage meiner Arbeit", heißt es auf ihrer Internet-Seite.

Mensch und Menschsein

Alle ihre ausgestellten Bilder handeln vom "Zweisein". Entweder sind zwei (manchmal auch drei) Figuren abgebildet oder die eine Figur hat eine weitere, verborgene Dimension. Wie zum Beispiel ihr Bild "Marsyas – Second Skin". Dieser Gestalt aus der griechischen Mythologie wurde bei lebendigem Leid die Haut abgezogen. Marsyas hatte gegen den Gott Apollon in einem Musik-Wettbewerb verloren. Die abgezogene Haut stellt die zweite Figur dar, also auch hier: "Zweisein". Wichtig ist Corinna Smok die weitere Dimension, denn nach der Häutung wächst dem Satyr eine neue, zweite Haut.

Gezeichnet ist dieser Marsyas auf einem Blatt mit Börsenkursen. Corinna Smok malt meist auf Papier, seltener auf Holzplatten. Das Papier hat unterschiedliche Farben und auch unterschiedliche Struktur.

Noch deutlicher wird das "Zweisein" bei einem Bild, das zwei Bergsteiger auf dem Mount Everest zeigt. Sie sind verbunden mit einem Seil. Dieses Seil stellt aber auch eine Gefahr dar, denn damit kann einer den anderen in den Tod reißen. Klar ist das "Zweisein" auch bei den beiden Tänzern, die Corinna Smok gezeichnet hat. Klar ist es auch bei dem Triptychon "Der Segen", das eine Schwangere zeigt und danach mehrere Personen.

"Wie viel Stier steckt in mir?" Diese Frage hat sich Corinna Smok gestellt, als sie die Minotaurus-Serie schuf. Begonnen hat sie dabei mit 25 relativ kleinen Bildern, die alle einen Minotaurus in irgendeinem Stadium der Metamorphose zeigen. Unten Mensch – oben Stier. 18 dieser Bilder stellt sie in Schwabach aus. Sie liegen als Drucke auf dem Fußboden – jeweils in einer Bodenfliese. Eine dieser Halb-Stier-halb-Mensch-Figuren ist erkennbar eine Frau. "Ein Mischwesen", sagt Corinna Smok mit einem Augenzwinkern.

Die Minotaurus-Figuren wirken archaisch und mächtig, obwohl sie ziemlich klein sind.

Auf Tapeten gezeichnet

"Als ich den Minotaurus dann drauf hatte, habe ich ihn größer gezeichnet", erklärt Corinna Smok. Deutlich größer. Als Papier dienten ihr Tapeten, die drei Minotauren dominieren die Stirnwand der kleinen Galerie. Diese Bilder zeigen jeweils den Körper eines Mannes – und obendrauf einen Stierkopf. Hier hat die Künstlerin die Zeichenkohle richtig dick aufgetragen. So dick, dass sie die Bilder erst fixieren musste, bevor sie sie aufhängte, weil sonst alles abgefallen wäre.

Corinna Smok, geboren in Rheinhausen, studierte nach einem Auslandsaufenthalt in Paris (Atelier Marais) und anschließend Kunst in Freiburg/Breisgau. Sie lebt und arbeitet seit gut 20 Jahren in Fürth.