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Plastikfolien auf Feldern: "Eine riesengroße Sauerei!"

Unmut in Schwanstetten - Wird der Müll sogar untergepflügt? - 26.11.2019 13:33 Uhr

„Das Zeug gehört da nicht her.“ Sabine Ederer und Marktgemeinderatsmitglied Harald Rödl auf einem Feld bei Mittelhembach. Hier waren Hunderte von Plastikfetzen zu finden. Teilweise wurde inzwischen aufgeräumt. „Zumindest oberflächlich“, sagt Ederer vorsichtig. © Gerner


Lassen einzelne Landwirte ihre Plastikfolien, mit denen sie zum Beispiel ihre Silage abdecken, zu lange auf den Feldern liegen? Werden Reste dieser Silage-Abdeckungen gar in den Feldern untergepflügt, obwohl dort im nächsten Jahr wieder Nahrungsmittel angebaut werden? Sabine Ederer beantwortet beide Fragen mit einem klaren „Ja.“ Und wer mit der engagierten Frau aus Schwanstetten im Herbst auf landwirtschaftlichen Flächen rund um Schwanstetten einen Rundgang macht, der muss sagen: Wahrscheinlich hat sie recht.

Ederer hat auf die Missstände schon vielfach aufmerksam gemacht. Sie ist in Kontakt mit dem Bauernverband, mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und mit dem Landratsamt. Aber ihrer Meinung nach mahlen die Mühlen der Behörden und Verbände langsam, sehr langsam.

Was ist Müll, was wird gebraucht?

Dabei ist die Rechtslage klar. Auch auf eigenen Grundstücken (Feldern) darf ein Landwirt nicht einfach Plastikmüll lagern beziehungsweise liegen lassen, sagt Marie-Christine Fränkel. Fränkel ist am Landratsamt Abteilungsleiterin für Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Darunter fällt auch das staatliche Abfallrecht. Also: Wer es gar zu bunt treibt, dem droht mindestens ein Ordnungswidrigkeitsverfahren und eine Geldstrafe. Sagt Fränkel. Auch wenn es in der Praxis nicht immer ganz einfach sei, zu klassifizieren, was tatsächlich Müll ist und was möglicherweise noch einmal gebraucht wird.

Markus Loy ist ebenfalls im staatlichen Abfallrecht des Landratsamtes angesiedelt und hat sich erst die Situation vor Ort angeschaut und dann auch Gespräche mit einem Landwirt geführt. Mit dem Ergebnis, dass ein Teil der Folien weggeräumt und zunächst auf ein anderes Feld und letztlich nach einer erneuten Ermahnung auf einen Hänger gepackt wurden. Plastikfrei sind damit die Felder noch nicht. Bei weitem nicht. „Schön ist es nicht. Aber abfallrechtlich ist das, was jetzt noch da ist, nur noch schwer zu greifen“, betont Loy.

Ein Großteil entsorgt das Plastik

Loy sagt auch, dass das ursprüngliche Verhalten des Landwirts „der guten fachlichen Praxis widerspricht“. Soll heißen: Hier wurde mindestens furchtbar geschlampt. Es heißt im Umkehrschluss aber auch: Ein ganz großer Teil der Berufskollegen verhält sich vorbildlich, verwendet Abdeckplanen mehrfach und entsorgt die Folien, die nicht mehr zu gebrauchen sind, über ein gesondertes Sammelsystem. Aber einige schwarze Schafe sorgten halt wieder einmal dafür, dass ein ganzer Berufsstand unter Generalverdacht gerate.

Ähnlich sieht es das AELF. Auch dort spricht man von Ausnahmen, räumt aber auch Probleme „mit Einzelnen“ ein. In einem Rundbrief an alle Landwirte im Landkreis Roth und in Schwabach habe man noch einmal für das Thema sensibilisiert, schreibt das AELF in einer Mail an Simone Ederer.

Grob verteilte Fetzen

Mit dem grünen Gemeinderat Harald Rödl hat Ederer inzwischen einen weiteren Mitstreiter gefunden, der den Kampf gegen landwirtschaftliche Plastikabfälle in Feldern aufnehmen will. „Das ist eine riesengroße Sauerei“, sagte er nach einem Ortstermin nahe Mittelhembach. „Man muss sich bei solchen Bildern nicht wundern, dass in unseren Körpern immer mehr Mikroplastik auftaucht.“

Auf einem Feld war eine riesige Silage-Abdeckung regelrecht zerfetzt worden. Vermutlich wollte sich der Eigentümer das mühsame Wiederabdecken der zugedeckten Futtervorräte sparen und hat mit seinen landwirtschaftlichen Großgeräten einfach mal in den Berg aus Nahrungsmittel fürs Vieh und Plastikabdeckung reingehalten. Plastikfetzen, teils ein paar Quadratzentimeter, teils auch einen halben Quadratmeter groß, verteilten sich über Hunderte von Quadratmeter im Feld und auch im angrenzenden Wald.

Im Herbst sei die Situation immer besonders schlimm, findet Simone Ederer, die auf ihren Joggingrunden mehrmals wöchentlich an Feldern rund um Schwanstetten vorbeikommt. „Denn da taucht aus dem Untergrund auch das wieder auf, was in den Jahren zuvor untergepflügt worden ist.“

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