Damit die Kinder sicher über die Straße kommen

Schulweghelfer: dringend gesucht

Motiv: Portrait - Carola Scherbel  Foto: Martin Regner, gesp.29.08.2019
Carola Scherbel

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4.4.2022, 06:47 Uhr
Kinder sind auf ihrem Schulweg gefährdet, weil sie kleiner sind und von Autofahrern nicht so schnell gesehen werden wie Erwachsene.

© Hans-Joachim Winckler, NN Kinder sind auf ihrem Schulweg gefährdet, weil sie kleiner sind und von Autofahrern nicht so schnell gesehen werden wie Erwachsene.

Die Ecke der zwei großen Durchfahrtsstraßen ist trotz der Fußgängerampeln gefährlich, weil auch viele Autos links abbiegen und die Abc-Schützen noch so klein sind, dass sie im Straßenverkehr nicht immer wirklich wahrgenommen werden. Für Tina Ruhloff ist der morgendliche Dienst an der Ampel kein Problem, „ich mach es gern“, sagt sie auch nach sechs Jahren noch. Ihre beiden großen Jungs sind längst an weiterführenden Schulen, nur der jüngste besucht gerade die zweite Klasse der Helm-Schule. Aber auch wenn er kein Grundschulkind mehr ist, würde Tina Ruhloff weitermachen mit dem Ehrenamt für die kleinsten Verkehrsteilnehmer.

Ein Glück ist das, heißt es an den Schulen, wenn Eltern bereit sind, morgens und mittags Zeit dafür zu opfern, Kindern auf dem oft gefährlichen Schulweg zu helfen. Aber nicht überall haben sie das Glück. In vielen Fällen suchen Grundschulen händeringend nach erwachsenen Schulweghelfern – Mamas wie Tina Ruhloff oder auch Rentnerinnen und Rentner, die ihre Zeit freier einteilen können als Berufstätige.

Denn es ist verständlich, dass Eltern keine Allzeitallesmacher sein können: Die ihre Sprösslinge morgens mit Frühstück, Pausenbrot und Schulranzen ausstatten, vielleicht noch den Sportbeutel ein Stück hinterhertragen oder schon das halbe Mittagessen vorbereiten, bevor sie sich selbst an die oder auf den Weg zur Arbeit machen. Wie soll, wer berufstätig ist, sich noch schnell früh und/oder mittags Zeit als Schulweghelfer nehmen?

"Dringend gesucht"

„Manche Eltern machen das immer mal wieder“, lobt Andreas Storz, der Rektor der Grundschule Gartenstraße in Roth. Er freut sich darüber außerordentlich, aber hie und da reicht eben nicht, wenn die Grundschulkinder täglich morgens und mittags (und zwar um 11.15, 12.15 und 13 Uhr) sicher über die beiden Zebrastreifen vor der Schule kommen sollen. Ein Rentner übernimmt den Job seit Jahren, aber er ist der einzige „Feste“, den die Schule an der Gartenstraße hat. „Weitere Schulweghelfer sind dringend gesucht“, sagt Storz.

Das Vertrackte ist: Die Gefährdung vor dem Schulhaus liegt nicht nur darin, dass vorbeifahrende Autos die Kinder nicht rechtzeitig sehen. Gefährlich wird’s, weil viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto in die Schule bringen – und zwar am liebsten ganz nah an die Schultür ran. „Da wird schon mal auf dem Zebrastreifen geparkt oder rückwärts aus der Einbahnstraße rausgefahren“, berichtet der Rektor von den allmorgendlichen und -mittaglichen Szenen.

Deshalb hält Rektor Storz es für so wichtig, dass sich Freiwillige für den Dienst melden. Übrigens nicht erst heutzutage: In einem handgeschriebenen Brief der Viertklässler der Grundschule Gartenstraße an den Rother Bürgermeister haben die Kinder schon vor 30 Jahren um Schülerlotsen gebeten.

Und das Problem besteht natürlich nicht nur an dieser Schule. In Roth gibt es an der Grundschule Nordring gar keinen Schulweghelfer, an der Grundschule Kupferplatte auch nicht. Im benachbarten Ortsteil Eckersmühlen kann die Schule nur auf einen Schulweghelfer zählen.

An manchen Schulen hilft außerdem eine Busaufsicht, die hat aber andere Aufgaben als die Kinder sicher über die Straße zu begleiten.

Nicht überall zufriedenstellend

In den Grundschulen in Schwabach sieht es nicht überall so zufriedenstellend aus wie an der Helmschule, wo sich Tina Ruhloff im Viererteam so gut abspricht, dass täglich morgens und mittags jemand von ihnen an der Kreuzung steht und die Schulkinder über die Straße begleitet. Vor der Luitpoldschule mit zwei Übergängen sind auch vier Schulweghelfer im Einsatz, aber weitere werden dringend gesucht. An der Maarschule (mit drei Straßenübergängen) sind es sieben, auch hier würde man sich über Unterstützung freuen. In Wolkersdorf aber kann die Schule nur auf einen Schulweghelfer zählen. „Unterstützung wird dringend gesucht“, heißt es bei der Stadtverwaltung.

Auch in Regelsbach steht nur ein Helfer zur Verfügung. In Unterreichenbach kann der Übergang vor der Schule im Moment gar nicht betreut werden, weil sich niemand dafür meldet. In Dietersdorf dagegen gibt es vier Helfer, um den Abc-Schützen einen gefahrlosen Übergang über die Straße zu ermöglichen.

In Hilpoltstein stellt sich die Situation „relativ“ entspannt dar, berichtet Marianne Winter von der Stadtverwaltung. Aber nur relativ. Denn an den neuralgischen Punkten steht zwar meist eine Mama (oft auch eine, deren Kinder längst dem Grundschulalter entwachsen sind). Aber wenn die krank ist oder keine Zeit hat, „dann steht halt niemand an der Kreuzung“.

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