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Donnerstag, 04.03.2021

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Schwabach: Pfarrer Domröse sagt leise Servus

Nach neun Jahren in Schwabach: Pfarrer Lutz Domröse blickt dankbar zurück und freut sich auf neue Aufgabe in Miltenberg. - 21.02.2021 19:00 Uhr

Der offizielle Teil des Abschiedsgottesdienstes in St. Martin: Pfarrer Lutz Domröse mit seiner Frau Heidi wird von Dekanin Berthild Sachs „entpflichtet“.

21.02.2021


Ganz bewusst gestaltet er den Gottesdienst so normal und unaufgeregt wie möglich, ohne sich besonders in den Mittelpunkt zu stellen. Ganz aber kann das schon deshalb nicht gelingen, weil Dekanin Berthild Sachs ihn offiziell von seinem Amt "entpflichtet", ehe er am 1. März seine neue Gemeinde in Miltenberg am Main übernimmt.

Humorvolle Selbstironie

Erst ganz zum Schluss, der eigentliche Gottesdienst ist bereits vorbei, wendet sich Lutz Domröse nochmals mit sehr persönlichen Abschiedsworten an die Gläubigen. Die beginnt er mit entspannter Selbstironie: "Das war mein letzter Gottesdienst in Schwabach mit einer typischen Lutz-Domröse-Predigt", sagt er über sich. "Viel zu lang für die einen, für die anderen schön gehaltvoll."

"Das passt perfekt"

Dann beantwortet er die Frage, die ihm in den vergangenen Wochen wohl am häufigsten gestellt worden ist: Warum geht er?

Darauf gibt er zwei Antworten, zuerst eine einfache: "Ich wollte von Anfang an nicht bis an mein Berufsende bleiben. Knapp neun Jahre war ich hier, etwa neun Jahre liegen noch vor mir. Das passt perfekt", sagt Lutz Domröse.

Am 1. Mai 2012 war er von Nürnberg-Leyh nach Schwabach gekommen und seitdem vor allem für das Stadtteilzentrum St. Markus Forsthof verantwortlich. Dort leistete er Aufbauarbeit im wahrsten Sinne des Wortes. "Als ich kam, war der Neubau gerade im Rohbau", erinnert er sich im Gespräch mit dem Tagblatt. 2013 folgt die Einweihung und der Neustart des Gemeindelebens.

Vorfreude auf Miltenberg

Grund Nummer zwei ist die Vorfreude auf seine neuen Wirkungsstätte: "Was mich in Miltenberg erwartet, fühlt sich wunderbar an. Das ist mir und meiner Frau immer klar geworden, je weiter wir auf dem Weg dorthin gekommen sind." Vom Kirchenvorstand sei er bereits herzlich empfangen worden. Er freue sich auf eine rege Gemeinde mit vielen Entfaltungsmöglichkeiten. Schmunzelnd fügt der Weinliebhaber einen weiteren Aspekt hinzu: "Eine schöne Gegend, in der auch noch Wein angebaut wird." Als Abschiedsgeschenk verteilen Heidi und Lutz Domröse stilgerecht Boxbeutel.

Bedrückend und beglückend

Ein bisschen Wasser gießt er in den Wein aber auch. Sein Rückblick ist ehrlich: "Bisweilen war die Zeit hier bedrückend. Durch gesundheitliche Probleme, die wir hatten. Und im Zusammenleben mit anderen." Immer stehe man in der Gefahr, einander zu enttäuschen. "Darum bitte ich die um Vergebung, denen ich etwas schuldig geblieben bin. Oft ist mir das sicher nicht mal bewusst. Was uns verletzt hat, das wollen wir hier lassen. Und es soll gut sein." Mehr als das aber sei die Zeit in Schwabach "beglückend" gewesen, vor allem dank "vieler wunderbarer Menschen", die seine Frau und er kennenlernen durften. Deshalb: "Wir verabschieden uns mit zwei lachenden Augen. Das eine auf das gerichtet, was schön war, und das andere auf das, worauf wir zugehen."

"Prediger in Wort und Tat"

Mit Lutz Domröse verliert St. Martin einen "fleißigen und überzeugenden Prediger", so charakterisiert ihn Dekanin Berthold Sachs. Sie erinnert an sein besonderes Engagement etwa in der Jugendarbeit und auch für Geflüchtete im Kirchenasyl. "Du hast nicht nur in Worten gepredigt, sondern warst ein leidenschaftlicher Prediger in Wort und Tat."

 

GÜNTHER WILHELM

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