Schwabach und das Integrierte Klimaschutzkonzept

25.9.2013, 08:10 Uhr
Anflug auf Schwabach. Das Integrierte Klimaschutzkonzept soll aufzeigen, wo bis 2030 Energie eingespart werden kann und wie der Rest der dann noch benötigten Wärme und des dann noch benötigten Stoms umweltfreundlicher produziert werden können.

Anflug auf Schwabach. Das Integrierte Klimaschutzkonzept soll aufzeigen, wo bis 2030 Energie eingespart werden kann und wie der Rest der dann noch benötigten Wärme und des dann noch benötigten Stoms umweltfreundlicher produziert werden können. © Bischof & Broel

Klimaschutz haben sich inzwischen alle politischen Ebenen auf die Fahnen geschrieben. Bund, Land, Kommunen. Je nach Kassen- und Wirtschaftslage wird das Feld aber mal mehr, mal weniger intensiv beackert.

Unabsehbare Folgen

Klar ist indes: Ändern die Industrienationen und die Emporkömmlinge aus Fernost nicht ihr Verhalten, wird der Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid (CO2) nicht drastisch heruntergefahren, dann könnten die Durchschnittstemperaturen auf der Erde bis Ende des Jahrhunderts um bis zu vier Grad steigen. Das hätte unabsehbare Folgen für Mensch und Natur: Millionen, vielleicht Milliarden von Flüchtlingen, Wüstenbildung, Nahrungsmittel- und vor allem Wasserknappheit.

Schwabach will seinen (kleinen) Beitrag dazu leisten, dass in Deutschland klimafreundlicher gelebt und gearbeitet wird. Derzeit steht jeder der gut 39000 Einwohner der Stadt pro Jahr für einen Kohlendioxidausstoß von 7,7 Tonnen pro Jahr. Ein statistischer Durchschnittswert, der beispielsweise auch all das einschließt, was Industrie, Gewerbe, Handel und Verkehr innerhalb der Stadtgrenzen in die Luft blasen.

Halbierung machbar

Das vom Stadtrat beauftragte Institut für Energietechnik (IfE) aus Amberg ist sich sicher, dass die Schwabacher Zahlen (siehe Bericht unten) bis zum Jahr 2030 nahezu halbiert werden können. Zuständig dafür sind drei Faktoren: Energieeinsparung durch bessere Geräte und Verhaltensänderungen; bessere Energieeffizienz, beispielsweise durch verstärkten Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungen und Wärmerückgewinnung; und zu guter Letzt eine deutlich höhere Produktion von Erneuerbaren Energien.

Wie das erreicht werden kann, das soll im Integrierten Klimaschutzkonzept aufgezeigt werden. Der Stadtrat hatte Anfang 2013 den Auftrag gegeben, ein solches Papier zu erarbeiten. Zuständig war das Amberger IfE, fast so etwas wie der Marktführer für solche Konzepte in Bayern. Auch der Landkreis Roth hat bei seinem Klimaschutzkonzept auf das IfE gesetzt.

Real und übersichtlich

Mitte April hatte es in Schwabach eine Auftaktveranstaltung mit rund 100 interessierten Bürgern gegeben, in der eine Fülle von Ideen gesammelt worden waren. In Steuerrungsrunden und in der Stadtverwaltung waren die Ideen dann sortiert und auf Umsetzbarkeit geprüft worden. Das ist nach Ansicht von Oberbürgermeister Matthias Thürauf durchaus sinnvoll gewesen. „Wir wollen keine Luftschlösser bauen, wir wollen kein dickes Konzept ohne Chance auf Realisierung. Wir wollen einen übersichtlichen Leitfaden, den wir abarbeiten können.“

Für die Übersichtlichkeit sorgen beim Schwabacher iKSK Christian Luplow vom Umweltschutzamt der Stadt und vor allem die Firma KlimaKom, die die Moderation in diesem komplexen Prozess übernommen hat. Konzentriert hat man sich zunächst auf vier Themen.

Vier Themen beackern

1. Siedlungsentwicklung und Bauleitplanung:

Neue Baugebiete sollten „energieoptimiert“ sein. Das heißt: Nur bei einer Südausrichtung der Dächer kann das Kraftwerk Sonne optimal arbeiten. Ob man in neuen Baugebieten Öl- und Gasheizungen verbieten kann, muss erst geklärt werden. Bevor neue Gebiete ausgewiesen werden, sollte sich die Stadt aber um Leerstände und Brachflächen in bestehenden Siedlungsgebieten kümmern. Hier ist sie mit ihrem Baulückenkataster schon auf dem richtigen Weg.

Obwohl die Stadt laut KlimaKom nicht nur selbst Verbraucher ist, sondern vor allem Vorbild, Regulierer, Berater und Promoter, will man keine eigene Energieberatungsstelle schaffen (wie die ENA im Landkreis Roth). Dieses Feld soll vielmehr den Handwerkskammern oder der Privatwirtschaft überlassen werden.

Noch wichtiger als die optimale Planung von neuen Baugebieten/Gebäuden ist die Sanierung des Bestandes. In alten Gebäuden geht am meisten Energie verloren. Hier wäre schon viel gewonnen, wenn die Sanierungsquote von derzeit ein auf zwei Prozent pro Jahr klettern würde.

Dank eines Wärmekatasters, den die Stadt vom IfE erhalten hat, kann sie die alten „Energieschleudern“ sehr gut identifizieren. Hausbesitzer könnten so direkt angeschrieben werden, um sie darauf hinzuweisen, wie schnell sich eine energetische Sanierung rechnet. Nicht nur fürs Klima, sondern auch für den eigenen Geldbeutel.

2. Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und Erneuerbare Energien:

In Sachen Energieeinsparung setzt das Klimaschutzkonzept nicht nur auf neue, moderne Geräte, sondern auch auf Verhaltensänderungen in Betrieben und in den eigenen vier Wänden. Bei Betrieben setzt die Stadt auf Gremien wie die Handwerks- oder Handelskammer, die entsprechende Schulungen anbieten.

Die Stadt und die Stadtwerke können aber selbst mit guten Beispielen vorangehen: durch die schrittweise Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik, durch verstärkten Bau/Kauf von energieeffizienten Blockheizkraftwerken (Kraft-Wärme-Kopplung).

Der Produktion von grünem Strom und Heizwärme aus erneuerbaren Energien sind einer Stadt wie Schwabach – anders als einem Flächenlandkreis – enge Grenzen gesetzt. Viel Potenzial sieht der IfE allenfalls noch bei der Photovoltaik (Strom vom Dach) und bei der Solarthermie (Heizwärme/Warmwasser vom Dach).

3. Verkehr und sanfte Mobilität:

Auf Schwabachs Straßen wird mehr Energie verpulvert als in allen Schwabacher Firmen zusammen. Der Königsweg heißt hier: weg vom Auto (zumindest vom Auto mit herkömmlichen Verbrennungsmotor), hin zum Bus und zum Fahrrad.

Vieles wäre in einer Stadt der kurzen Wege wie Schwabach auch zu Fuß machbar. Insgesamt müsste vor allem das Fahrradfahren attraktiver (ein Radwegekonzept entsteht gerade) und das Autofahren unattraktiver (zum Beispiel durch die deutliche Erhöhung der Parkgebühren) gemacht werden.

Außerdem: Das komplizierte Tarifsystem des Öffentlichen Personennahverkehrs, das viele Menschen vom Umstieg auf den Bus abhält, müsste vereinfacht werden.

Einen entscheidenden Durchbruch wird es aber erst geben, wenn sich die Gewohnheiten der Menschen ändern. Bis es soweit ist sollte die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen: ihre (kleine) Autoflotte Zug um Zug auf Hybrid- und Elektrofahrzeuge umstellen; zusätzliche Lademöglichkeiten für Elektroautos und Elektro-Fahrräder anbieten und einen Mobilitätsberater installieren.

4. Bewusstseinsbildung, Verbraucherverhalten, Klimaschutzmanagement:

„Klimaschutz ist nicht negativ und schränkt das Leben ein, sondern ist eine Bereicherung und macht Spaß“, sagt Dr. Sabina Hafner von KlimaKom. Wenn das in den Köpfen angekommen sei, dann gehe es auch voran mit dem Klimaschutz.

Der zu installierende Klimaschutzmanager soll Angebote bündeln und Fördermittel für einzelne Projekte abrufen. Ähnlich dem Schwabacher „Bündnis für Familien“ könnte es ein „Bündnis für Klimaschutz“ geben, in dem interessierte Bürger mitarbeiten können. Und: Klimaschutz ist eine Zukunftsaufgabe. Warum also nicht die Klimaschutzkonferenz mit der Zukunftskonferenz verzahnen?

Mit Herzblut dabei

Ob der Klimaschutz in der Stadt wirklich vorankommt, werden die nächsten Jahre zeigen. Stadtrechtsrat Knut Engelbrecht gab sich am Ende der Klimaschutzkonferenz optimistisch: „Zumindest sind alle Akteure mit Herzblut dabei.“

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