Samstag, 15.05.2021

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Schwabach und Roth wollen Söder

Heimische CSU-Mandatsträger positionieren sich in der Kanzlerkandidatenfrage - 07.04.2021 17:14 Uhr

Lassen die große CDU und ihr Vorsitzender Armin Laschet (hinten) wirklich der kleinen Schwester CSU den Vortritt bei der Kanzlerkandidaten-Kür? Die heimischen CSU-ler sind sich sicher: Wenn man die eigenen Siegchancen erhöhen will, dann muss es Markus Söder (vorne) machen.

07.04.2021 © Foto: Britta Pedersen/dpa


Markus Söder werden ja nicht nur gute Chancen auf die Kandidatur eingeräumt. Umfragen zufolge hätte die Union mit ihm auch viel größere Siegchancen. Wir haben uns mal umgehört bei CSU-Mandatsträgern in der Region. Also: Laschet oder Söder?

Landkreis Roth:

"Ich denke, es wird Markus Söder", sagt der Kammersteiner Landtagsabgeordnete Volker Bauer. Die Frage ist, ob Bauer das gut findet. "Wir hätten mit ihm bessere Chancen", sagt er. "Aber aus mittelfränkischer Sicht würden wir damit unseren Ministerpräsidenten verlieren, mit dem ich gefühlt jeden dritten Tag direkt oder digital Kontakt habe." Deshalb weiß Bauer noch gar nicht genau, ob er Söders Kanzlerkandidatur vorbehaltslos begrüßen würde. "Er würde uns in Bayern schon fehlen." Seiner Meinung nach muss Söder aber nicht nur aufgrund aktueller Umfragen für die Union ins Kanzlerrennen gehen. "Es wird auch Druck aus den Reihen der CDU-Bundestagsfraktion geben, damit Laschet den Weg freimacht für seinen Kollegen aus Bayern ", prophezeit Bauer. Denn: Viele fürchten mit einem eher schwächeren Kanzlerkandidaten Armin Laschet um ihr Direktmandat zum Wiedereinzug in den Bundestag. Bauer: "Da stehen viele politische Karrieren auf dem Spiel."

Unabhängig von der Kandidatenfrage glaubt der Landtagsabgeordnete, dass sich die Union aus dem derzeitigen Umfragetief wieder befreien kann. "Wenn die Biergärten wieder geöffnet sind, wird manches in den Hintergrund rücken, was derzeit schlecht läuft."

Zukunftsfähig

Klar pro Markus Söder positioniert sich Udo Weingart. Der Spalter Bürgermeister und Vorsitzende der CSU-Fraktion im Rother Kreistag verbindet mit dem Bayerischen Ministerpräsidenten drei Attribute: "kompetent, klare Vorstellungen, zukunftsfähig."

Wer das in der Union ernst nehme, der müsse Söder ins Rennen schicken "und niemanden, der heute so und morgen so sagt". Nach Corona müsse man das Land neu aufstellen, und dafür stehe viel eher Markus Söder denn Armin Laschet.

In stürmischen Zeiten Kurs halten

Ähnlich sieht es Weingarts Wendelsteiner Kollege Werner Langhans. "Markus Söder ist einer, der in stürmischen Zeiten Kurs hält, der die Segel richtig setzt und der schnell gegensteuert, wenn mal was aus der Spur läuft." Deshalb müsse er in Sachen Kanzlerkandidatur ran. Der Nürnberger habe einfach "deutlich mehr Krisenbewältigungskompe- tenz als die rheinische Frohnatur aus Aachen".

Kammersteins Bürgermeister Wolfram Göll war früher Redakteur der Parteizeitung "Bayernkurier" und kennt Markus Söder auch aus dieser Zeit. "Der fähigere Kandidat wäre Söder", ist Göll überzeugt.

Ob er es aber wird? "Den ersten Zugriff hätte Armin Laschet als Vorsitzender der größeren CDU." Nach den Erfahrungen von Strauß 1980 und Stoiber 2002 befürchtet Göll ein weiteres Problem: "Ich bin skeptisch, ob die ganze CDU einen Kandidaten aus Bayern hinreichend unterstützen würde."

Der Rother Bürgermeister Ralph Edelhäußer, designierter CSU-Bundestagskandidat im Wahlkreis Roth, gibt sich diplomatisch. Grundsätzlich könne er sich beide Aspiranten als Kanzlerkandidaten vorstellen.

Für Markus Söder spreche jedoch, dass er immer geliefert habe, ob als Umweltminister, als Finanzminister oder jetzt als Ministerpräsident. "Er zeigt klare Kante und ist verlässlich."

Schwabach

Landtagsvizepräsident Karl Freller war bereits Chef von Markus Söder: Anfang der neunziger Jahre, als der jetzige Parteichef ein junger Mitarbeiter in seinem Landtagsabgeordnetenbüro war. "Bessere Vorarbeit kann man nicht leisten", sagt Freller launig, wird dann aber sofort ernst: "Er kann Kanzler. Ich würde seine Kandidatur sehr begrüßen. Mit ihm hätte Bayern die Chance, im dritten Anlauf den Kanzler zu stellen."

Und was denkt er über Laschet? "Ich kann nichts gegen ihn sagen. Ich habe ihn einige Male in Sitzungen erlebt, aber kenne ihn zu wenig."

Führungsstark und zielstrebig

Sehr sicher ist sich Oliver Memmler, der Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion: "Ich halte Söder auf jeden Fall für den besseren Kandidaten, und er wird es auch." Warum? "Weil er führungsstark, zielstrebig, durchsetzungsfähig und auch erfahren ist."

Zwar wäre auch Armin Laschet "sehr geeignet" und "nicht der schlechteste Kandidat", sagt Oliver Memmler. Aber: "Ich denke, dass Söder der stärkere Charakter ist und wir gerade in so einer Zeit einen Typen wie ihn brauchen."

"Für Deutschland wäre es gut"

Heiner Hack, langjähriger Stadtrat und Geschäftsführer der CSU-Fraktion, bringt seine Unterstützung für Markus Söder ebenfalls klar auf den Punkt: "Für Bayern wäre es schlecht, aber für Deutschland wäre es gut." Ob er es aber wird? "Die Chancen stehen wohl fifty-fifty."

Noch nicht entschieden

Und was sagt der für Schwabach mit zuständige Bundestagsabgeordnete Michael Frieser aus Nürnberg? "Ich kann mir Markus Söder jederzeit vorstellen, weil er sehr viel zu bieten hat. Gleichzeitig hätte Bayern sehr viel zu verlieren. Die Frage ist noch nicht entschieden", erklärt er diplomatisch.

"Ein verfrühter Ruf nach Markus Söder hätte nur den Effekt, dass auch die noch Unentschlossenen in der CDU die Reihen schließen." Viele würden Laschet unterschätzen. "Das hat ja fast schon Kohl’sche Dimension. Dabei führt er das größte Bundesland NRW, ohne dass man ein Wort der Kritik hört. Laschet versteht das Geschäft und ist ein Großmeister der Strategie."

 

ROBERT GERNER/GÜNTHER WILHELM

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