Donnerstag, 14.11.2019

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Toni Sponar und der endlose Winter

Ein Österreicher fährt das ganze Jahr über Ski. Ein Schwabacher hat daraus einen Film gemacht - 23.10.2019 13:00 Uhr

Gleich mal die aktuellen Aufnahmen checken: Der Schwabacher Filmemacher Henrik von Janda-Eble (rechts) mit seinem „Hauptdarsteller“, dem Dauer-Skifahrer Toni Sponar. © Foto: Michael Neumann


Ein Film über einen 84-Jährigen? Ja, sagt Henrik von Janda-Eble, und man könnte über Toni Sponar noch ein paar mehr Filme drehen. Warum? Weil dieser Mann aus der Steiermark jetzt in der 108. Saison, sommers wie winters, in Nord- oder Südamerika Ski fährt. Und auch sonst ein besonderer Mensch ist.

Plötzlich stand da der Toni

Henrik von Janda-Eble (46) hat als Kameramann früher vor allem Ski- und Surf-Filme gedreht. Seit der Schwabacher vor 16 Jahren mit Kompagnons eine Kommunikations- und Werbeagentur gegründet hat, ist Marketing das Hauptgeschäft seiner Filme. Eine Produktionsreise vor sechs Jahren für eine Automarke führten ihn und seinen Freund Michael Neumann nach Chile.

Nach den Action-Werbeaufnahmen in hochalpiner Schneelandschaft blieben sie noch für ein eigenes Projekt: Neumann hatte den Traum vom ganzjährigen Skifahren in einem Buch mit dem Titel "endless winter" beschrieben, nun wollten sie das Buch zusammen mit Jonas Abenstein in Chile verfilmen.

Doch mitten im Projekt begegnete ihnen – Toni. Der damals 78-Jährige faszinierte sie auf Anhieb, weil er den "endless winter" tatsächlich seit Jahrzehnten lebte. Als junger "Steirer Bua" war er nach den Kriegswirren per Schiff nach Kanada gekommen, hatte als Holzfäller, Cowboy und Tellerwäscher gejobbt, bis er in einem Hotel in Alberta und dann im Prominenten-Hotel Lake Louise in Aspen erster Barkeeper wurde. Fotos zeigen ihn mit Fidel Castro an der Bar, österreichische Skistars wie Egon Zimmermann und Othmar Schneider nahmen ihn mit zum Skifahren nach Chile, und bald gab der gutaussehende junge Mann selbst Skikurse, wie etwa dem US-Präsidenten Gerald Ford und seiner Familie. Aber er hatte einen Traum. "Ich wollte was Eigenes haben – zum Beispiel ein Skigebiet", sagt er schmunzelnd im Film.

Doku, Biopic, Reportage

Wie ihm das gelang, wie er mit Hilfe eines Esels eine Straße in den Berg baute, wie er bis heute im chilenischen Winter Skifahrer auf die steilsten und einsamsten Höhen bringt – und wieder runter –, das packen Janda-Eble, Michael Neumann und Jonas Abenstein in ihren einstündigen Film, der in seiner Mischung aus Doku, Biopic und Reportage grandiose Bilder zeigt.

Und er demonstriert, wie der 84-Jährige, der auf Skiern durchaus als 34-Jähriger durchgehen kann, auf 3000 Metern Höhe in einem spartanischen Steinbunker lebt, wie er im nordamerikanischen Winter die Skifahrer in Aspen anleitet – und wie der immer strahlende Charmeur und Plauderer trotz dieses "endless winter" ein glückliches Familienleben führt. Die beiden Kinder haben studiert, der Sohn ist dann eingestiegen in das Erlebnis-Angebot für abenteuerlustige Skifahrtouristen. Und immer noch denkt Toni, der 84-Jährige, "immer nur nach vorn", erzählt von Janda-Eble voller Bewunderung von dem drahtigen Mann, der trotz vieler Niederlagen und Nackenschläge seine Energie, seinen Optimismus und seine Fröhlichkeit nie verloren hat. Als er frisch verheiratet mit seiner Frau das erste "Häuschen" auf alpiner Höhe von 3000 Metern gerade gebaut hatte, kam eine Lawine und walzte alles nieder – Toni baute halt neu.

Den Straßenlauf vom Tal bis zu seinem einsamen Haus hat er auf Anraten eines Indianers mit einem Esel gezogen: "Geh mit dem Esel nach oben, leg dort Futter ab, und führ’ den Esel wieder ins Tal. Er findet den besten Weg nach oben." Toni hat es genau so gemacht, die Straße führt heute die Touristen bis zu ihm, von dort bringt er sie mit einer Schneeraupe ganz nach oben.

Für Henrik Janda-Eble, Michael Neumann und Jonas Abenstein hat die Begeisterung für den faszinierenden junggebliebenen Mann, der so viele Geschichten erzählen kann, nicht aufgehört. Ihr Projekt, einen Film über ihn und seinen wahrgewordenen Lebenstraum vom "endless winter" zu drehen, haben sie realisiert.

Trotz wiederholter Spendenbitten und immer wieder versiegender Geldquellen, trotz Zeitnot und Termindruck sind sie jedes Jahr für ein paar Wochen mit ihrem kompletten Equipment nach Chile gereist, haben die Wagenladung voll Ausrüstung von Ski und Schlafsack bis Kamera und Cutter in die unwegsamen Höhen transportiert, sich bei Minusgraden und Funzellicht an die Schneidearbeiten gemacht, aber auch mit Toni am wärmenden Feuer gesessen und wieder neue Geschichten gehört.

Dieser Film war ein Muss

"Ich konnte dafür zuhause nicht renovieren, und wir haben jetzt erstmal einen Berg von Schulden", sagt von Janda-Eble, aber es war über sechs Jahre lang keine Frage: Diesen Film mussten sie drehen.

Seit wenigen Wochen ist er fertig, durch einen Zufall landete er in Cannes – und heimste bei den Corporate Media & TV Awards den silbernen Delphin für Dokumentarfilme ein. Beim Tegernsee-Bergfilm-Festival wurde er soeben zur Eröffnung gezeigt. Da grinsen die Macher schon vor Stolz und Freude. Wer weiß, vielleicht wollen ja noch mehr Menschen was von Toni Sponar hören.

CAROLA SCHERBEL

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