Unverpackt-Laden in Schwabach: Die "naggerde Hummel" kommt

MK
Milena Kühnlein

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22.10.2020, 07:50 Uhr
Jacqueline Volland vor den (noch) leeren Abfüllstationen. Bald gibt es hier Nudeln, Haferflocken und Co. ohne Verpackung zu kaufen.

Jacqueline Volland vor den (noch) leeren Abfüllstationen. Bald gibt es hier Nudeln, Haferflocken und Co. ohne Verpackung zu kaufen. © Milena Kühnlein

In Schwabach gibt es Lebensmittel bald "naggerd" zu kaufen. Das heißt: Ohne Verpackung aus Plastik. Jacqueline Volland traut sich das Projekt Unverpackt-Laden in Schwabach zu wagen. Die Anschubfinanzierung gelang durch eine Crowd-Funding-Kampagne.
Die gebürtige Schwabacherin hat Erfahrung in der Gastronomie, ging zwei Jahre auf die Hotelfachschule in Heidelberg.

In der Stadt am Neckar betrat sie auch ihren ersten Unverpackt-Laden und war begeistert von dem Konzept. Den Sprung in die Selbstständigkeit wagte die 28-Jährige damals aber noch nicht. Zunächst arbeitete sie in betriebswirtschaftlichen Jobs, "wos Gscheits", um im fränkischen Dialekt zu bleiben. Doch diese Arbeitsstellen machten sie nicht glücklich. Schließlich wurde die Idee eines eigenen Unverpackt-Ladens immer konkreter.

Der "ZeroHero" in Nürnberg war das Vorbild. "Anfangs wollte ich den Laden in Nürnberg eröffnen, aber dann dachte ich mir: Irgendwann gibt es in Nürnberg fünf von den Läden und in Schwabach keinen."

Einen reinen Unverpackt-Laden gibt es in Schwabach so noch nicht, jedoch setzen ein paar Geschäfte, wie "Die Ähre" auf unverpackte Lebensmittelstationen. Eine solche gibt es auch bei Edeka in Roth. Dort nachgefragt heißt es: "Die Leute nehmen das gut an, die Anfrage ist da." In Hilpoltstein soll im Februar ein verpackungsfreies Geschäft eröffnen.


Jacqueline Volland suchte geeignete Räumlichkeiten für ihr Vorhaben. Stefan Schwenk von der Stadt Schwabach half ihr dabei. "Für die Menschen war es ein Wunschladen," sagt der Wirtschaftsförderer, der sich auch um leerstehende Geschäfte in der Stadt kümmert. Es hätten ihm schon mehrere Bürger gesagt, dass in Schwabach ein Unverpackt-Laden fehlen würde. Schließlich konnte er Jacqueline Volland via Telefon mitteilen: "Ich habe den perfekten Laden für dich."

Dort steht sie jetzt, in der Friedrichstraße 5 bis 7, noch zwischen Paletten und leeren Regalen und erzählt von ihrem Weg hierher. "Der Laden sah echt übel aus",meint die fröhliche Gründerin und blickt auf die jetzt fein säuberlichen gelegten Fliesen. Viele der Regale und Behälter für den Laden seien gebraucht gekauft, darauf achte sie auch privat.


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Essen und Kosmetik

Schon am 31. Oktober soll es hier Obst, Gemüse, Trockenlebensmittel, Jogurt, Milch, Süßigkeiten und allerlei Haushaltswaren zu kaufen geben. Nur eben ohne Verpackung. "Ich kann den Leuten als Tipp geben nicht so viel auf Glasverpackungen zu setzten, sondern lieber auf Tupperdosen. Das ist einfacher zu tragen", sagt Jacqueline Volland.

Aber die Leute sollen nun natürlich nicht losziehen und neue Tupperware kaufen, um dann unverpackt einzukaufen. Das wäre ja wiederum "a Schmarrn." Der Trend zu Unverpackt-Läden ist seit einiger Zeit ungebrochen. In Deutschland machte in Kiel 2014 das allererste Geschäft dieser Art auf.

Nachhaltiger leben

Ziel ist es dabei, den Konsum zu entschleunigen und Verpackungsmüll zu reduzieren. Deshalb müssen die Käufer ihre eigenen Behältnisse mitbringen und diese mit Lebensmittel befüllen. Diese werden abgewogen, so dass die Kundinnen und Kunden am Ende nur das Gewicht der Ware bezahlen. Nachdem die Läden in den Großtädten aus dem Boden sprießen, ziehen nun auch kleinere Orte und Städte nach. Doch warum eigentlich "Die naggerde Hummel"?

Zusammen mit ihrem Freund Sebastian stöberte die Gründerin Listen von fränkischen Wörtern durch. In "naggerd" haben sich die beiden dann verguckt. Und warum Hummel? "Eigentlich dachten wir an den naggerden Giecher", lacht sie laut auf. Aber das schien dann doch nicht so passend: Schließlich ist der Laden rein vegetarisch. Hummeln mochte die Naturliebhaberin schon immer. "Die sind fett, flauschig und süß."


Jacqueline Volland hat vorab viel Zuspruch von den Passanten vor dem Laden und Leuten aus der Stadt bekommen. Wie gut dieser dann tatsächlich angenommen wird, wird die Zeit zeigen. Eben frei nach dem Motto: "Schau mer mal, seh mer scho."

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