Vom Lokschuppen zum Seniorencafé

15.9.2010, 14:51 Uhr
Der zum „Seniorencafé“ umgebaute Lokschuppen am ehemaligen Bahnhof in Wendelstein erinnert bis heute zusammen mit dem Stationsgebäude an die frühere Lokalbahn.

Der zum „Seniorencafé“ umgebaute Lokschuppen am ehemaligen Bahnhof in Wendelstein erinnert bis heute zusammen mit dem Stationsgebäude an die frühere Lokalbahn. © Ruthrof

Aber nicht nur der Bahnhof und der Bahnbetrieb waren ein Thema, auch der Ludwigs-Kanal selbst und die ehemalige Straßensituation und die Steinbrüche wurden im Rahmen der Führung angesprochen.

Knapp 20 Interessierte hatten den Weg zum „Alten Bahnhof“ gefunden, wo die Führung vor dem historischen Stationsgebäude begann. Jörg Ruthrof ging auf die Umstände beim Bau der Bahnlinie 1885/86 ein und auf den regulären Bahnbetrieb. Mit 5,3 Kilometern und den drei Stationen Wendelstein, Röthenbach/St. Wolfgang und Feucht war sie eine der kürzesten Lokalbahnlinien des Königreichs Bayern. Wegen nachlassender Rentabilität wurde zunächst 1955 der Personenverkehr eingestellt und auf die Bahnbusse verlagert, und 1960 kam auch für den Gütertransport das endgültige „Aus“. 1962 wurden die Gleise rückgebaut.

Danach blieb zunächst das Bahnhofsgelände insgesamt mit dem Stationsgebäude, dem Lokschuppen und einem Güterschuppen sowie einer Laderampe erhalten. Die Bahnstrecke selbst wurde größtenteils in den 1970er Jahren als Trasse für eine

neue Straße als Direktverbindung zur A 73 verwendet und endet heute als Waldweg bei Röthenbach/St.Wolfgang. Lediglich gut 100 Meter altes Gleis ist heute als Abstellgleis am Bahnhof Feucht als letztes Relikt erhalten.

Vorbildlich saniert

Bei der Neubebauung des Bahnhofsareals wurde der Bahnhof selbst an privat verkauft und vorbildlich saniert. Der Lokschuppen wurde in den Baubestand eines neuen Seniorenwohnheims integriert und dient heute als Seniorencafé und als Begegnungsort für die Senioren und ihre Gäste.

Über die beiden heute noch erhaltenen Baudenkmale Stationsgebäude und Lokschuppen hinaus berichtete Jörg Ruthrof auch über die zwei Besuche von Bundeskanzler Konrad Adenauer im Jahr 1957 mit seinem Zug am Wendelsteiner Bahnhof und ging auf den „Verkehrsknoten“ an der dortigen Stelle ein: Schon durch die seit den 1840er Jahren bestehende Anlage des Kanalhafens am „Ludwig-Donau-Main-Kanal“ bot sich diese Streckenführung der Lokalbahn mit dem Endbahnhof Wendelstein an. Ergänzend dazu verlief neben dem Bahnhof und über den Kanal die damalige Hauptverbindungsstraße von Wendelstein nach Nürnberg.

Von der Schwarzachbrücke führte diese „Reichsstraße“, die innerorts noch heute „Nürnberger Straße“ heißt, durch den Reichswald und die dortigen Steinbrüche. Erst mit dem Bau der Autobahn A73 wurde diese alte Straßenverbindung gekappt. Als neue Straßentrasse wurde die alte Bahntrasse genutzt.