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Wenn die Schuldenfalle zuschnappt

Arbeiterwohlfahrt bietet Vorsorgekurse an Schulen und Schuldnerberatung an — Gründe für finanzielle Not - 01.04.2011 19:28 Uhr

Was kostet das Handy wirklich? Jugendliche der Johannes-Kern-Schule nahmen einen Mustervertrag einmal genau unter die Lupe. © Schmitt


„Der Anteil Jugendlicher wächst“, sagt deren Leiter Wolfgang Hunner. Deshalb geht er mit seiner Kollegin Sabine Albuscheit in die Schulen Schwabachs und des Landkreises, um vorbeugend aufzuklären. „Damit ihr nicht zu uns kommen müsst“, sagt Hunner zu den Schülerinnen und Schülern einer neunten Klasse der Johannes-Kern-Schule beim ersten von vier Workshops dort. Organisiert hat sie die Schulsozialarbeiterin Lysett Fuchs.

Wolfgang Hunner und Sabine Albuscheit halten keine juristischen Vorträge. Sie holen die 15- und 16-jährigen dort ab, wo sie stehen. In der ersten Runde müssen sie in vier Arbeitskreisen Fragen zu den Vor- und Nachteilen von Handys und ihren verschiedenen Tarifen diskutieren und festhalten. Die Neuntklässler kennen die Unterschiede recht gut.

Versteckte Kosten

Ein fester Vertrag kann versteckte Kosten enthalten. Bei der Prepaid-Karte entstehen keine Schulden, dafür aber müssen die Nutzer etwas teurere Gesprächskosten in Kauf nehmen. Den Kontakt über SMS bevorzugen die Jugendlichen dann, wenn sie viel zu sagen haben und die Kosten besser planen wollen. Wolfgang Hunner hält insbesondere Verträge mit fester Laufzeit für überflüssig. „Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge ist ein Prepaid-Handy für 90 Prozent aller Mobiltelefonierer die bessere Lösung“, so Hunner. Verträge hingegen führen häufig zu enormen Kosten. „300 Euro monatlich bei einigen Mädchen aus der Berufsschule“, weiß Hunner.

Fast alle Schülerinnen und Schüler, die an diesem Tag vor den beiden Awo-Pädagogen sitzen, verfügen in der Tat über ein Kartenhandy mit Vorauskasse. Probleme mit überbordenden Kosten hatte noch keiner. „Wir sind vernünftig“, heißt es. Vielleicht, weil die meisten schon lange Mobiltelefonierer sind. Für nahezu jeden ist das Handy seit dem elften Lebensjahr ein ständiger Begleiter.

Verlockende Werbebotschaften

Wolfgang Hunner sieht darin keinen Grund, Entwarnung zu geben. „Wir machen hier Prävention, denn die wahren Gefahren drohen ab 18“, ist der Sozialpädagoge überzeugt. Dann werden aus den Kids über Nacht voll geschäftsfähige Erwachsene, die aufgrund verlockender Werbebotschaften jede Menge Verträge schließen. Nicht nur im Mobilfunkladen. Auto, Wohnung, Klamotten, Urlaub, eine erlebnisreiche Freizeit. Alles kostet viel Geld, aber die Ratenkreditverträge des Einzelhandels gaukeln eine einfache, reibungslose und scheinbar belastungsfreie Finanzierung vor.

Meist klappt auch alles, solange sich die persönlichen Umstände in geregelten Bahnen befinden. Arbeitslosigkeit, Trennung oder Krankheit aber führen zu unvorhergesehenen Kosten oder zu deutlichen Einnahmeverlusten. Raten können nicht mehr bedient werden. Die Mahnungen stapeln sich und schließlich steht fast jede Woche der Gerichtsvollzieher vor der Tür.

Viele Ursachen

Den Erfahrungen Hunners zufolge ist es etwa die Hälfte aller Beratungssuchender, die auf diese Weise in die Schuldenspirale stürzt. Die andere Hälfte gerät aus Naivität oder mangelndem Verantwortungsbewusstsein in nachhaltige finanzielle Schwierigkeiten. Das Handy ist hier nur eine von vielen Ursachen, weshalb die Awo ihre Präventionsarbeit in sechs weiteren Modulen anbietet. Haushaltsgründung, Konto und Karte, Auto und Führerschein sowie Fallgeschichten, die den Zusammenhang von Lebensereignissen und Schulden zeigen, werden behandelt. Für diejenigen, die dennoch dauerhaft zu viel Geld ausgeben und bei denen sich deshalb nach und nach immer Besorgnis erregendere Schulden ansammeln, hat Wolfgang Hunner auch noch einen Tipp parat: „Kommen Sie auf jeden Fall zur Schuldnerberatung.“

stt

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