Energiewende im Kleinen

Zeit, dass sich wieder was dreht: Das Mühlrad zur Mühle

Robert Gerner

Schwabacher Tagblatt

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25.11.2021, 15:00 Uhr
Montagnachmittag: Das stählerne Mühlrad wird montiert.

Montagnachmittag: Das stählerne Mühlrad wird montiert. © Robert Gerner, NN

Theoretisch hätte Uwe Stahl auch wieder selbst zur Tat schreiten können. So wie vor gut zehn Jahren, als er das kaputte Mühlrad an der Weihersmühle selbst erneuert hat. In Holz. Und in Handarbeit.

Die Energiewende war damals sein Antrieb. Und Stahl wollte sein Schärflein beitragen.

Ganz früher hatte die Weihersmühle selbstverständlich schon ein Mühlrad. Allerdings nicht, um Strom zu erzeugen, sondern um Getreide zu mahlen und eine Säge anzutreiben.

Energieproduzent seit 2011

2010 dann wurde die Weihersmühle dank des neuen Mühlrades zum Energieproduzenten. Aber nach gut zehn Jahren war das Holz vermorscht, die Schaufeln brachen nach und nach. Das Kinderlied von der klappernden Mühle am rauschenden Bach kommt einem in den Sinn. Wenn man davon absieht, dass der Mainbach nur selten rauscht.

Ein Bild aus dem Jahr 2010. Es zeigt das Mühlrad aus Holz, das Uwe Stahl selbst gebaut hat.

Ein Bild aus dem Jahr 2010. Es zeigt das Mühlrad aus Holz, das Uwe Stahl selbst gebaut hat. © Privat

Was also tun? Uwe Stahl wurde schließlich in Bad Kissingen fündig. Dort gibt es die Walter Schuhmann Mühlen- und Maschinenbau GmbH, einen Spezialisten für den Bau von Mühlrädern. Stahl bestellte ein stählernes Mühlrad mit einem Durchmesser von vier Metern und einer Breite von 80 Zentimetern. Zu Beginn dieser Woche wurde es eingebaut. Kosten: rund 20000 Euro.

Der größte Vorteil: Es muss nicht nach zehn oder 15 Jahren repariert oder gar ausgetauscht werden. Sondern soll mindestens 60 Jahre lang halten.

Der Weiher dient als Batterie

Uwe Stahl musste für den Einbau den Mainbach für geraume Zeit zurückstauen. Angesichts der üppigen Weiherkette zwischen Obermainbach (Stadt Schwabach) und Rednitzhembach ist das kein allzu großes Problem. Der größte dieser Weiher, der Mühlweiher, dient ohnehin als "Batterie", wie Stahl sagt. Von dort könne er die Wassermenge des Baches, der sein Mühlrad antreibt, steuern.

Das neue Mühlrad der Weihersmühle erzeugt, wenn es sich schön dreht, pro Stunde vier Kilowatt Strom. Anders als bei PV-Anlagen oder bei Windrädern ist die Produktion sehr gleichmäßig. Vier Kilowattstunden, das bedeutet pro Tag einen Ertrag von knapp 100 Kilowattstunden.

Und weil ein Wasserkraftwerk, wie es das Mühlrad samt Generator ist, 300 Tage im Jahr laufen sollte, kann Stahl pro Jahr knapp 30000 Kilowattstunden Strom erzeugen - weit mehr, als in den vier Wohnhäusern (und einigen Nebengebäuden) des Weilers verbraucht wird.

Nicht gleichmäßig genug

Ganz autark ist die Weihersmühle trotzdem nicht. Denn im Sommer führt der Mühlbach oft nur ganz wenig Wasser. Da wird dann doch wieder der Saft aus dem Netz gezapft. Dafür kann die Mühle im Herbst, Winter und Frühjahr überschüssigen Strom ins Netz einspeisen, zwölf Cent pro Kilowattstunde bekommt Uwe Stahl erstattet. "Reich wird man davon nicht", sagt er, "aber mir geht es ja ums Prinzip".

Dienstagvormittag: Der 80 Zentimeter breite Zulauf zum Mühlrad wird noch verschweißt.

Dienstagvormittag: Der 80 Zentimeter breite Zulauf zum Mühlrad wird noch verschweißt. © Gerner, NN

So wie es ihm bei vielen anderen Dingen ums Prinzip geht. Er bewirtschaftet im Nebenberuf fast ein Dutzend Weiher, "das geht so Null-auf-Null auf", wie er sagt. Um die Weiher herum grasen seine acht Schafe, die er "meine biologischen Rasenmäher" nennt. In einer Scheune gackern Hühner - aber von einer gewerblichen Eierproduktion kann man natürlich nicht sprechen.

Erbaut im 14. Jahrhundert

Die Weihersmühle wurde schon 1349 erstmals urkundlich erwähnt, damals noch als "Weyersmül". Ob mit dem Namen tatsächlich die Weiher gemeint waren, die es wohl schon damals entlang des Mainbachs gegeben hat, oder ob sich das auf den ersten Besitzer, einen gewissen "Wicher", bezieht, ist unklar.

Seit rund 200 Jahren ist die Mühle im Eigentum der Familie Stahl. Uwe Stahl ist die fünfte Generation, die Söhne Martin und Markus stehen schon in den Startlöchern. Und die vierte Generation hilft auch noch. "Ohne meine Eltern würde es gar nicht gehen", sagt Stahl, und Luise und Heinrich Stahl, die an diesem trüben Montagnachmittag den Einbau des neuen Mühlrades verfolgen, nicken fast andächtig.

Vor allem Luise Stahl ist ganz begeistert davon, dass sich demnächst wieder etwas dreht vor dem schön restaurierten, denkmalgeschützten Sandsteinhaus. "Denn zu einer Mühle", sagt sie, "gehört einfach ein Mühlrad".

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