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Siemens nach turbulentem Jahr vor ungewisser Zukunft

Osram-Börsengang wurde auf ungewisse Zeit verschoben - Abschreibungen trübten Erfolg - 09.11.2011 09:00 Uhr

Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Peter Löscher, soll weiter an der Spitze des Konzerns stehen.

25.07.2011 © dpa


Das Urteil der Analysten von JP Morgan fällt vernichtend aus: „Es war ein verlorenes Jahr für Siemens“, bescheinigen sie Konzern-Chef Peter Löscher. Der will an diesem Donnerstag seine persönliche Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr des Konzern präsentieren und dürfte den Investmentbankern heftig widersprechen. Allerdings wird auch er zugeben müssen, dass am 1. Oktober zum Start des neuen Geschäftsjahrs noch einige Baustellen offen waren, die er längst schließen wollte.

Osram auf Sparflamme

Da ist in erster Linie der geplatzte Börsengang der Lichttochter Osram. Im offiziellen Sprachgebrauch der Konzernstrategen wird an den Plänen zwar „unverändert festgehalten“. Allerdings ändert dies nichts an der Tatsache, dass der für Herbst geplante Börsengang im September erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Neben den Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten behindern auch offene Fragen über das künftige Geschäft bei Osram die Platzierung des Unternehmens auf dem Parkett.

Siemens-Finanzchef Joe Kaeser hatte bereits im Sommer eingeräumt, es sei schwer abzuschätzen, ob der Lichtmarkt lediglich von kurzfristigen Nachfrageschwankungen beeinflusst werde, oder ob er das Hoch des Zyklus bereits hinter sich gelassen habe.

Umbau mit Hindernissen

Für Löscher ist das ein schwerer Schlag ins Kontor. Der Osram-Börsengang ist nämlich Teil des von ihm im März eingeleiteten Konzernumbaus. Er sieht neben der Loslösung von Osram den zügigen Aufbau eines vierten Geschäftsbereichs namens „Infrastructure & Cities“ vor. Der nahm am 1. Oktober seine Arbeit auf und soll Infrastrukturlösungen für die weltweit rasant wachsenden Städte entwickeln. Die wachsenden Bedürfnisse der Stadtbewohner sollen Siemens helfen, die Marke von 100 Milliarden Euro Jahresumsatz zu knacken. Wie schnell das geht, hat Löscher offen gelassen.

Sein Ziel von 7,5 Milliarden Euro Gewinn für das abgelaufene Geschäftsjahr dürfte Löscher nach Meinung von Analysten erreicht haben. Ein Rekord, den der Konzern nach Ansicht der Analysten so schnell nicht mehr erreichen wird. Allerdings rechnet Siemens die Strafzahlung von 472 Millionen Euro nach Steuern für den vorzeitigen Ausstieg aus dem gemeinsamen Atomprojekt mit dem französischen Areva-Konzern ebenso aus dem Ergebnis heraus wie die Kosten für den Verkauf des IT-Dienstleisters SIS an die französische Atos Origin.

Abschreibungen trüben Erfolg

Kurz vor Ende des Geschäftsjahres musste Siemens noch 500 Millionen Euro in die ungeliebte Tochter Nokia Siemens Networks (NSN) pumpen. Nach der erfolglosen Suche nach einem Käufer wollen Siemens und Nokia das verlustreiche Gemeinschaftsunternehmen nun in Eigenregie wieder auf die Beine bringen.

Laut Medieninformationen belasten nach den jüngsten Abschreibungen auf eine aufwendige Technik zur Krebstherapie nun weiter Abschreibungen auf die Solarsparte das Ergebnis. Das „Handelsblatt“ berichtet von mehr als 200 Millionen Euro an Abschreibungen, die „Financial Times Deutschland“ sogar von mehr als 300 Millionen Euro.

Glück für Löscher, dass Siemens solchen Negativnachrichten ebenso wie die erwartete Abkühlung der Konjunktur noch relativ entspannt begegnen kann: Die Auftragsbücher sind voll, die Kassen gut gefüllt. Zu Beginn des Sommers beliefen sich die flüssigen Reserven auf 13 Milliarden Euro. Schon damals warnte Finanzchef Kaeser: „Der Rückenwind der Krisenerholung ist nun wohl vorbei.“ Inzwischen zweifelt kaum mehr jemand an seiner Vorhersage.

dpa

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