Mittwoch, 25.11.2020

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Tag der Entscheidung: Nürnberger Land fiebert mit USA

Am Dienstag wird der US-Präsident gewählt - 03.11.2020 20:39 Uhr

Am heutigen Dienstag wird in den USA gewählt und es steht viel auf dem Spiel. Bis das Ergebnis feststeht, kann es aber dauern – auch aufgrund der vielen Briefwähler.

03.11.2020 © Getty Images/iStockphoto


In einem Punkt sind sich Dawn Ehrhart und Gabriele Pruitt einig: Es wird eine enge Entscheidung am heutigen Dienstag, wenn bei der Wahl zum US-Präsidenten viel auf dem Spiel steht. Die beiden Frauen sind entgegengesetzte Wege gegangen: Ehrhart stammt aus Cleveland im Bundesstaat Ohio und lebt heute in Röthenbach, Pruitt hingegen stammt aus Schnaittach, lebt heute aber in Nevada. Auch politisch haben die beiden Frauen unterschiedliche Positionen.

"Ich bin total nervös. Ich hoffe wirklich, dass Joe Biden gewinnt, aber ich bereite mich auch auf das Schlimmste vor", sagt Ehrhart. Das Schlimmste, das sind für sie vier weitere Jahre Donald Trump.

Bereits vor zwei Wochen hat Gabriele Pruitt, geborene Dimke, in einem Wahllokal in Las Vegas, wo das "Early In Person Voting" möglich ist, ihre Stimme für Donald Trump abgegeben.

Vor Aufregung kann sie inzwischen kaum noch schlafen, denn ihr Wunsch steht fest: "Mit Trump als Präsident bleibt die USA wie sie ist, und ich liebe die USA."

Im Alter von 26 Jahren ging die heute 60-Jährige nach Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada, um in der Hotelbranche zu arbeiten, und lernte dort ihren späteren Ehemann Jerry Pruitt kennen, mit dem sie drei Söhne hat. Sie wohnen in Las Vegas und besuchen zurzeit ihre Familie in Schnaittach.
Sie sei von Trumps Wahl 2016 überrascht gewesen, aber der Präsident aus New York habe alle seine Versprechen eingehalten. "Unter ihm ist die Wirtschaft gewachsen. Statt die Läden wegen Corona zu schließen, wie hier in Deutschland, und den Familien so ihre Lebensgrundlage zu nehmen, hat er dafür gesorgt, dass finanzielle Unterstützung ausgezahlt wird."

Verschiedene Blicke auf Trump

Dawn Ehrhart hat einen anderen Blick auf Trump. Bereits seit zehn Jahren ist sie Mitglied der Demokratischen Partei und seit Januar aktiv für die "Democrats Abroad" die in Deutschland lebende US-Amerikaner dazu motivieren, sich als Wähler aus dem Ausland registrieren zu lassen. Ehrhart versucht diesmal so viele Deutsch-Amerikaner wie möglich ins Boot zu holen, um eine Wiederwahl von Donald Trump zu verhindern.
Im Alter von 23 Jahren zog die heute 57-Jährige aus Cleveland im US-Bundesstaat Ohio nach Deutschland. Sie folgte damals ihrem deutschen Partner, den sie auf der Universität in Ohio kennengelernt hatte, heiratete ihn und bekam mit ihm zwei Söhne.

In den meisten Umfragen liegt Trump klar hinter Joe Biden. Doch wie verlässlich sind diese Zahlen? Vor vier Jahren gaben viele US-Amerikaner schließlich nicht an, dass sie Trump wählen würden. Die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, hatte in den Umfragen auch deutlich vor dem Entertainer und Bauunternehmer aus New York gelegen. Zudem gilt in den USA das "electoral college", das heißt, wer sich in einem einzelnen Staat durchsetzt, holt über Wahlleute bis auf zwei Ausnahmen alle Stimmen. Deshalb wird vor allem in den umkämpften "swing states" bis zuletzt Wahlkampf geführt.

Leidendes Ansehen der USA

Für Dawn Ehrhart ist klar: "Das Ansehen der USA hat unter Trump stark gelitten." Seine undiplomatische Ausdrucksweise und der teils respektlose Umgang mit anderen Staatsoberhäuptern haben Ehrhart schockiert. "Ich denke, dass Biden von seinen Amtskollegen wieder ernst genommen würde."

Ex-Präsident Obama habe die internationalen Beziehungen der USA gestärkt und sich für die Menschenrechte eingesetzt, sein Nachfolger Trump dagegen nur Schaden angerichtet. "Es stimmt zwar, dass die USA unter Trump keinen Krieg begonnen hat, aber es gab einige brenzlige Situationen, in denen Trump nicht wirklich diplomatisch vorgegangen ist."

Biden wäre der älteste US-Präsident

Biden, der mit seinen 77 Jahren der ältesten Präsident bei Amtsantritt wäre, zähle zum konservativen Flügel der Demokraten. Ehrhart erwartet nicht allzu viel, "aber ich denke er würde mehr für den Umweltschutz tun als Trump und sich dafür einsetzen, dass eine gute Bildung in den USA bezahlbar wird."

Mit Biden als Präsident könne es für die USA nur abwärts gehen, ist hingegen Gabriele Pruitt überzeugt. "Er will höhere Steuern und alles umstellen auf grüne Energie, obwohl ganze Staaten in den USA von der Ölindustrie leben. Joe Biden würde den Sozialismus einführen."

An dem Kandidaten der Demokraten lässt sie kein gutes Haar. "Biden kandidiert bereits zum dritten Mal als Präsident, die ersten beiden Male haben sie ihn rausgeworfen, weil er gelogen hat. In den TV-Duellen hat man gemerkt, dass er alt ist. Biden redet bewusst in ganz kurzen Absätzen und wenn der Satz doch zu lang wird, vergisst er, was er sagen wollte."

Elefant im Porzellanladen

Die 60-Jährige räumt ein, dass Trumps Auftreten seinem Ansehen und dem der USA geschadet hat. "Er ist wie ein Elefant im Porzellanladen und redet, wie ihm der Mund gewachsen ist. Er kommt eben nicht aus der Politik. Durch sein offenes Reden hat Trump einen schlechten Ruf, vor allem im Ausland, aber er will die USA erhalten. Biden will uns stattdessen unsere Rechte und Freiheiten weg nehmen."

Ein besseres Verhältnis zu manchen Ländern wäre gut, aber unter dem Strich habe Trump Frieden gebracht, zum Beispiel im Nahen Osten. Viele Menschen in den USA hätten regelrecht Angst vor einer Wahl Joe Bidens als 46. Präsident der USA. "Aber die Medien in den USA und Europa wollen, dass Biden gewinnt. Sie berichten, dass Trump ein Rassist sei und gegen Minderheiten, obwohl er viele farbige Freunde hat und viele Hispanics ihn wählen wollen."

Glaube an freie Wahlen

Die Aufforderung Trumps an die ultrarechte Gruppierung "Proud Boys" während eines TV-Duells, sich "bereit zu halten", besorgt Dawn Ehrhart. "Viele Demokraten die ich kenne, haben per Briefwahl gewählt, weil sie Angst haben, dass vor ihren Wahlbüros Männer mit Gewehren stehen."
Die Sorgen um die "Proud Boys" seien vorgeschoben, findet Pruitt. "Die Demokraten haben gesagt, sie werden eine Wahl Trumps nicht anerkennen. Er wird eine Niederlage akzeptieren, wenn die Wahl rechtmäßig verlaufen ist, denn Trump glaubt an die freien Wahlen", sagt Pruitt.

Wenn die letzten Wahllokale in den USA schließen, bricht in Deutschland schon der Mittwochmorgen an. "Ich werde heute Nachmittag ein Nickerchen machen, damit ich nachts lange wach bleiben kann und morgen habe ich mir frei genommen", sagt Ehrhart. Weil etliche Wähler auch aufgrund der Corona-Pandemie per Briefwahl abgestimmt haben, steht aber noch nicht fest, wann alle Stimmen ausgezählt sind.

Deswegen ist es auch möglich, dass die eigentliche Entscheidung erst nach dem 3. November fällt. Das könnte auch aus einem anderen Grund passieren, glaubt Dawn Ehrhart: Falls Donald Trump knapp verliert, werde er die Wahlen in jedem Fall anzweifeln.

Andrea Beck

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