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Trotz Corona: Tretbootfahren wieder erlaubt

Auch der Verleih von Surfbrettern und Fahrrädern ist zulässig - 22.04.2020 18:53 Uhr

Das hier ist noch ein Bild aus besseren Zeiten, aufgenommen am Wöhrder See in Nürnberg. Doch nach dem erzwungenen Stillstand ist der Tretboot-Verleih nun wieder erlaubt - wenn auch natürlich nicht für wild zusammengewürfelte Gruppen. © Roland Fengler


Auch in Zeiten von Corona sind Freizeitangebote langsam wieder möglich. Nur hat das anfangs kaum jemand bemerkt. Los ging alles mit dem Fahrradverleih, der seit Montag wieder offiziell erlaubt ist.

„So viele Leute sind ja trotzdem nicht unterwegs. Vor allem Einheimische aus der näheren Umgebung. Aber immerhin können wir wieder was machen“, sagt Volker Sanwald. Seine Station in Ramsberg ist schon besetzt, die anderen vier Verleihstellen am Großen und Kleinen Brombachsee starten am Wochenende in die Saison. Wenn man alle Abstand- und Kontaktregeln einhält, kann man nun also wieder durchs Seenland radeln.

Darf man auch ein Kajak ausleihen?

Mit dem Radverleih begann aber auch das große Rätselraten. Denn bekanntlich ist die Zeit der Corona-Pandemie auch eine Zeit des ständigen Austarierens, Korrigierens und Differenzierens. Darf man also auch andere Sportgeräte zur Bewegung an der frischen Luft verleihen?

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Im Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen sah man das sehr bald so. „Ich könnte schlecht begründen, warum der Verleih von Kajaks oder Brettern für Stand Up Paddling (SUP) nicht erlaubt sein sollte. Und wir können ja nicht wegen jedem Einzelfall beim Ministerium nachfragen“, sagt Daniel Schwegler vom Landratsamt.

Gut für Sanwald, der nun auch seinen Kajak-Verleih startklar macht. Und gut auch für Christian Satzinger, der gleich am Dienstag wieder mit seinem SUP-Verleih in Pleinfeld begann. „Wir desinfizieren die Paddel, Ihr haltet den Mindestabstand ein und kommt nicht in Gruppen“, teilt Satzinger seinen potenziellen Kunden mit. „Ich möchte aber jetzt keine Kunden, die noch nie gefahren sind oder die nur Blödsinn machen wollen“, betont Satzinger.

Hin und Her am Fürther Kanal

Wie schwierig die Interpretation der Corona-Regeln ist, hat auch Sabrina Gerstle erfahren müssen, die mit ihrem Mann einen SUP-Verleih am Main-Donau-Kanal unterhalb der Fürther Solarbergs betreibt. „Am Freitag hieß es vom Ordnungsamt, dass der Verleih wohl erlaubt sein wird, am Montag wurde uns dann gesagt, dass es definitiv nicht zulässig ist“, erzählt sie. Als Notlösung wäre allerdings eine Art Online-Verleih möglich gewesen. „Wir hätten das vorher mit dem Kunden vereinbart, ein Brett hingestellt, und er hätte es nach der Nutzung wieder abgestellt. Das wäre zwar einigermaßen absurd, aber eben erlaubt“, sagt sie.


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Doch dann kam doch noch die gute Nachricht und der Befreiungsschlag für viele Verleihbetriebe. Das Gesundheitsministerium aktualisierte seine Liste mit erlaubten Betrieben und schrieb neben dem Fahrradverleih auch explizit „Verleih von Sportgeräten und Sportausrüstung“ darauf.

Am Mittwochmorgen wurde Sabrina Gerstle sofort vom Ordnungsamt Fürth über diese Änderung informiert und ihr damit die Erlaubnis zum Verleih erteilt. „Das ist natürlich sehr positiv, dass uns das Amt direkt Bescheid gegeben hat. Es versucht ja nur jeder, sich an die Vorschriften zu halten und ein bisschen Klarheit in das Chaos zu bringen“, meint Gerstle. Am 1. Mai will sie nun die Saison am Kanal eröffnen.

"Es ist eben ein sehr dynamisches Geschehen"

„Die Regeln sind eben eher restriktiv auszulegen. Man muss ja den Sinn der Regelungen im Blick haben. Und angesichts der Lage wäre es verfehlt, wenn man immer versuchen würde, alles weitestmöglich zuzulassen“, erklärt Jürgen Tölk, Leiter des Fürther Ordnungsamtes. „Es ist eben ein sehr dynamisches Geschehen. Laufend gibt es Ergänzungen. Viele Fragestellungen ergeben sich erst in der Praxis“, meint er.

Angesichts der sich ständigen ändernden Lage und Vorschriften, wissen viele Betriebe nicht, was sie dürfen. So auch im Surfcenter Altmühlsee. Dort hat man erst am Mittwoch erfahren, dass man schon seit Montag Räder verleihen darf – und ist nun auch in den Verleih eingestiegen. Dass man nun auch noch Ausrüstung für Stand Up Paddling, Kite- und Windsurfen anbieten darf, kam als frohe Botschaft noch obendrauf. „Das ist jetzt schon ein großer Lichtblick. Das Oster-Geschäft ist ja komplett ausgefallen“, sagt Lydia Rupp.

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Auch Einzelkurse mit genug Abstand sind ab sofort erlaubt, hat man ihr im Gesundheitsamt Weißenburg mitgeteilt. Und eine Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums stellt sogar klar: Auch der Tretboot-Verleih ist wieder zulässig. Damit könnte nun auch der Radverleih am Rothsee wieder öffnen. Denn der blieb bislang zu, weil er sich nur lohnt, wenn gleichzeitig Tretboote verliehen werden können.


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"Nicht zugelassen ist hingegen motorisierter Wassersport, weil hier der sportliche Aspekt der Bewegung an der frischen Luft in den Hintergrund tritt", betont die Ministeriumssprecherin. Außerdem werde davon abgeraten, Ausflüge in überregionale Ausflugsregionen zu unternehmen. Man solle sich lieber in unmittelbarer Umgebung zum Wohnort im Freien aufhalten.

Gibt es im Sommer ein Badeverbot?

Schwimmen ist wie das Sonnenbaden am Strand zwar erlaubt, angesichts von 15 Grad Wassertemperatur aber noch nicht gerade ein Massenphänomen. Das wird sich in den kommenden Wochen aber ändern. Und damit muss auch eine Entscheidung her. „Wir können am Strand ja keine Linien ziehen. Und der See ist ja überall zugänglich, das können wir nicht alles kontrollieren. Wenn die Politik meint, dass massenhaftes Baden ein Problem darstellt, wird sie eine Grundsatzentscheidung für alle bayerischen Seen treffen müssen“, verdeutlicht Dieter Hofer, Geschäftsleiter des Zweckverbandes Brombachsee.


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Auch wenn es jetzt kleine Lichtblicke gibt, hat es die Anbieter im Freizeitbereich hart getroffen. „Unser Hauptgeschäft machen wir mit Schulklassen, Vereins- und Betriebsausflügen. Auch einige Hochzeiten sind dabei. Das fällt natürlich weiterhin komplett weg“, sagt Volker Sanwald.

Und auch für viele Rentner wird das nun ein harter Sommer. „Da hatten wir im Radverleih viele engagierte und erfahrene Mitarbeiter. Aber die gehören ja zur Risikogruppe. Die können wir jetzt nicht mehr einsetzen. Das bedeutet für die Rentner, dass sie sich zu ihrer kleinen Rente leider nichts mehr dazuverdienen können“, bedauert Sanwald.


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