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Montag, 20.05.2019

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Uffenheimer legt sich 26-Tonner als Oldtimer zu

Historischer Lkw bis ins Detail dem Vorbild aus den 70ern nachempfunden - 24.04.2019 18:21 Uhr

Der "neue" alte Kipper von Reinhold Jacob aus Uffenheim ist ein beeindruckendes Gerät: Der Dreiachser hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 26 Tonnen und wird angetrieben von einem luftgekühlten Zehnzylindermotor. © Martin Regner


Der Magirus-Deutz Lastwagen vom Typ 310D26FAK wurde anno 1978 gebaut. Damals in den 70er-Jahren, als Reinhold Jacob noch als Jugendlicher in der hauseigenen Werkstatt des elterlichen Familienbetriebs zwischen den Lastwagen unterwegs war und beim Ölwechsel oder bei Reparaturarbeiten half, fuhr man in der Uffenheimer Baustoffhandlung fast ausschließlich Lastwagen der heute längst verblichenen Marke Magirus-Deutz aus Ulm. Und genau so einen Lkw hat sich Reinhold Jacob jetzt wieder als Oldtimer angeschafft.

Der Motor erwacht geräuschvoll

Dessen Türbeschriftung ist in Farbe und Schriftzug exakt dem historischen Vorbild jener Lkw nachempfunden, die einst rund um Uffenheim Pflastersteine, Sand und Kies ausgeliefert haben. "Früher war die Schrift handgemalt", erinnert sich Jacob. Aber der Schriftenmaler, der die Firmen-Lkw früher kunstvoll verziert hatte, ist vor vielen Jahren gestorben. So musste sich Reinhold Jacob mit eigens angefertigten Klebebuchstaben behelfen.

Reinhold Jacob aus Uffenheim erfüllte sich mit dem historischen Kipper einen Traum. Die Türbeschriftung ist dem historischen Original aus den 70er-Jahren nachempfunden. © Martin Regner


"Adam Jacob Baustoffgroßhandlung Uffenheim" steht in hellblauen Buchstaben auf den Türen. Adam Jacob hatte das heute noch bestehende Unternehmen anno 1909 gegründet. Fast zärtlich streicht sein Nachkomme Reinhold Jacob mit der Hand über die Buchstaben, bevor er einsteigt und den luftgekühlten Zehnzylindermotor geräuschvoll zum Leben erweckt. Der Auspuff spuckt mit Donnergrollen eine dicke schwarze Rauchwolke aus, dann setzt sich das Ungetüm langsam in Bewegung. "Der läuft gut", meint der neue Besitzer stolz. Und: "Letztens haben wir da drei Tonnen Sand drauf gehabt." Für den 1978 gebauten Dreiachser war das eine leichte Übung, das Modell ist ausgelegt auf 26 Tonnen Gesamtgewicht.

Die Suche dauerte ein paar Jahre

Nach dem Zweiten Weltkrieg, so erzählt es Reinhold Jacob, habe man im Betrieb hauptsächlich Lastwagen der Marke Krupp aus Essen gefahren. Sein Vater habe den Fuhrpark dann in den 1960er- und 70er-Jahren auf die Erzeugnisse von Magirus-Deutz umgestellt. Damals gehörten die Uffenheimer zu den Stammkunden von Magirus-Deutz und es gibt sogar ein historisches Werbeprospekt des Herstellers aus den 70ern, das auf seinem Titelfoto einen hellgrauen Baustoff-Laster der Firma Jacob beim Beladen zeigt.

Die Technik dieser Lkw kennt Reinhold Jacob heute noch aus dem Stegreif - und auch die Macken, mit denen er und die Mitarbeiter des Familienbetriebs sich schon vor Jahrzehnten herumschlagen mussten. Dass sich etwa die Fahrertür nur schwer ins Schloss drücken lässt, war schon damals eine typische Schwachstelle, als diese Laster noch zum Alltag auf deutschen Straßen gehörten: "Zu den Türen hat es im Winter überall kalt reingepfiffen", erinnert sich Jacob.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Zeit des Wirtschaftswunders war der Markt für schwere Lastwagen in Deutschland noch wesentlich vielfältiger als heute. "Die großen Sieben" der Nutzfahrzeugbranche trugen die Namen Büssing, Faun, Henschel, Krupp, Magirus-Deutz, MAN und Mercedes-Benz. Fünf davon sind heute vom Markt verschwunden. Dafür genießen die imposanten Laster der 1950er bis 1980er-Jahre heute Kultstatus, nicht nur bei Oldtimerfreunden.


Der Entschluss, sich aus nostalgischen Gründen dennoch wieder einen solchen Lastwagen zuzulegen, fiel auf dem Magirus-Deutz-Treffen für historische Nutzfahrzeuge im Jahr 2011 auf dem Festplatz in Neustadt an der Aisch, auf dem sich Jacob umgesehen hatte. In den folgenden Jahren hielt er neben dem stressigen Tagesgeschäft in der Baustoffhandlung immer wieder Ausschau nach einem geeigneten Restaurationsobjekt. Dazu durchringen, einen alten Lkw zu kaufen und herrichten zu lassen, konnte er sich aber erst Ende 2017. Das Angebot, das ihm ein Fuhrunternehmer und Techniksammler aus der Nähe von Landshut gemacht hatte, war einfach zu verlockend: Von dem Modell 310D26FAK sind in Deutschland nur noch zwei Exemplare bekannt.

Früher im Steinbruch im Einsatz

Neben dem Exemplar, das jetzt Reinhold Jacobs Fuhrpark bereichert, gibt es wohl nur noch einen zweiten Lastwagen dieses Typs. Der wurde ebenfalls von einem Sammler restauriert und in Grün lackiert, steht in Hamburg und wird regelmäßig auf Kippertreffen für historische Nutzfahrzeuge bewegt. Der 1978 gebaute Kipper aus Uffenheim wurde im Herstellerwerk ursprünglich orange lackiert und verrichtete seinen Dienst jahrzehntelang weit abseits befestigter Straßen - nämlich in einem Steinbruch in der Nähe von Straubing. Genau für solche Einsatzzwecke war der robuste Allrad-Lastwagen einst konstruiert worden.

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Rund eineinhalb Jahre dauerten die Restaurationsarbeiten, jetzt erstrahlt der alte Laster in neuem Glanz - so wie früher. Und bald dürfte sich noch ein anderer Kreis schließen: Für das Wochenende 17. bis 19. Mai ist in Neustadt an der Aisch wieder ein Treffen für historische Lastwagen angesetzt. Ehrensache, dass Reinhold Jacob seinen Oldtimer-Kipper auf die Veranstaltung steuern wird. Stilecht ausgestattet mit einem UFF-Kennzeichen für den Altlandkreis Uffenheim, so wie sich das für ein rares Stück technikhistorisches Kulturgut gehört. 

Martin Regner

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