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Vom Turm gefallen: Wanderfalken in Nürnberg gerettet

Junge Vögel wären wohl am Boden verhungert - 27.05.2020 11:19 Uhr

Verschüchtert sitzt der Falke am Sonntag in St. Johannis auf dem Gehsteig. Passanten hatten den Tierschutzverein Noris gerufen.

© Verena Krippner


"Als ich den Karton zumachen wollte, ist er vor Schreck auf den Rücken gefallen", erzählt eine Mitarbeiterin des Nürnberger Tierschutzvereins Noris. Zwischen vier und fünf Wochen sind die beiden Vögel derzeit alt, die am vergangenen Wochenende im Nürnberger Stadtteil St. Johannis von der Straße gerettet werden mussten.

Was für ein mächtiges Tier der kleine Vogel, der in seiner Transportbox verschreckt umgefallen ist, bald sein wird, lassen derzeit nur seine Krallen erahnen. Als sie ihm wieder auf die Beine half, habe der kleine Falke sie kraftvoll um ihren Finger gelegt, erzählt die Tierschützerin beeindruckt. "Es sind wunderschöne Tiere."

Eltern sind zu scheu, um Nachwuchs zu retten

Die Tierschützerin war diejenige, die das Notfall-Handy des Tierschutzvereins Noris bei sich hatte, als am vergangenen Freitag der erste Anruf kam, bei dem ein kleiner Wanderfalke gemeldet wurde, der in St. Johannis auf dem Spielplatz vor der Friedenskirche saß. Und auch, als am Sonntag der zweite Vogel vor der Kirche auf dem Boden saß. "Wanderfalken können zwei bis vier Junge haben, ich hoffe nur, dass da nicht noch mehr kommen", sagt die Frau.

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Vor etwa fünf bis sechs Wochen sind die beiden Falken geschlüpft. Groß genug, dass ihr Körper fast ausgewachsen ist - aber eben noch zu klein, um flugfähig zu sein. Die Flügel sind im Moment nur zum Flattern zu gebrauchen: Deshalb haben die beiden Jungvögel sich zwar nichts getan, als sie vom Kirchturm fielen, aber sie wären wohl verhungert, wenn sie nicht gerettet worden wären. Denn Wanderfalken sind extrem scheu, die Elternvögel hätten sich nicht getraut, zu ihrem Nachwuchs auf den Boden zu fliegen. Und für sich selbst sorgen können die Ästlinge noch nicht, da Wanderfalken ihre Beute im Flug fangen.

Einer der Wanderfalken aus St. Johannis in einer Transportbox.


Genau das lernen sie jetzt von Hans Kurt Hussong. In seiner Pflegestation für Greifvögel und Eulen in Fürth werden die beiden Jungvögel nun betreut. "Ich muss jetzt den Elternpart übernehmen", sagt er. Das bedeutet: Er zieht die Vögel in einer Voliere auf bis sie voll flugfähig sind, macht sie mit sich vertraut, bis sie keine Angst mehr vor ihm haben und dann kann er sie "falknerisch trainieren". Erst wenn die Vögel gelernt haben, unter seiner Anleitung etwas zu fangen, eine Taube oder Krähe, seien sie überlebensfähig.

Eine Gefahr für Jungtiere

Das bedeutet drei bis vier Wochen tägliches Training. Immer mehr Vögel werden es jährlich, die Hans Kurt Hussong gemeinsam mit seinem Sohn Rainer Hussong, einem Tierarzt, in der Pflegestation versorgt. 2002 hätten sie mit vier bis fünf Vögeln angefangen, sagt Hussong, im vergangenen Jahr waren es 131. Immer wieder sind auch Tiere dabei, die zum Beispiel durch Unfälle mit Autos so schwer verletzt sind, dass ein Leben in freier Wildbahn für sie nicht mehr möglich ist. "Umso mehr freuen wir uns über jeden Vogel, den wir wieder entlassen können", sagt Hussong.

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Für die beiden Wanderfalken aus Nürnberg dürfte es bis dahin noch ein wenig dauern. Aber Hussong sieht Potential, die Situation der Tiere an der Friedenskirche zu verbessern. Denn der Nistkasten dort sei ursprünglich für Turmfalken gedacht gewesen. "Für Wanderfalken ist er viel zu klein." Eine Gefahr für Jungtiere, die genügend Platz brauchen, um ihre Flugmuskeln zu trainieren.

Derzeit stehe man mit dem Pfarramt in Verbindung, um für nächstes Jahr den Brutplatz zu optimieren, so Hussong - in der Hoffnung, dass in Zukunft vielleicht keine Falken aus St. Johannis mehr bei ihm zwischenlanden müssen.

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