Samstag, 17.04.2021

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Alesheim: Warum Demonstranten die Sitzung unterbrachen?

Eine lautstarke Demonstrantenschar verglich den Bürgermeister mit dem weißrussischen Diktator - 22.11.2020 14:52 Uhr

Schuster mit Protestlern: Den doch sehr gewagten Vergleich mit Lukaschenko musste Schuster erst einmal verdauen, bevor er sich mit Worten den Demonstranten stellte.

22.11.2020 © Foto: Jürgen Leykamm


) "Da gehe ich jetzt mal raus", fasst sich Bürgermeister Manfred Schuster ein Herz – und wird von an die 20 Demonstranten mit Pappschildern empfangen. Während die Lautstärke ihren Gipfel erreicht, hält er sich selbst mit Äußerungen erst einmal zurück und mustert die Sprüche, mit denen er sich konfrontiert sieht. Die sind teils sehr starker Tobak: Der weißrussische Machthaber Lukaschenko und der Tod der Demokratie lassen da grüßen... Ein Ausdruck dafür, als wie absolutistisch die Protestierenden die Alesheimer Kindergartenpolitik empfinden.

Kern des Streits ist, dass die evangelische Kirchengemeinde, die in Trommetsheim und Alesheim Kindergärten betreibt, sich in Übereinstimmung mit der Stadt entschieden hat, in Zukunft nur noch eine Einrichtung zu betreiben. Und zwar die in Trommetsheim. Der Kindergarten in Alesheim soll geschlossen und mit einer anderen Nutzung versehen werden. Seit mehr als einem Jahr sorgt diese Entscheidung aber vor allem in Alesheim für Ärger.

Werden Meinungen ignoriert?

"Ich nehme Euren Protest zur Kenntnis", so Schuster nach kurzem Ringen mit der eigenen Fassung. Er fände es aber schade, dass die Auseinandersetzung auf diesem Weg stattfinde. Es gäbe aber keinen anderen mehr, schließlich "werden unsere Meinungen ignoriert und unsere Stimmen untergebuttert! Alle unsere Vorschläge wurden abgeblockt", schallte es aus den Reihen der Protestierenden zurück.

Gremien gewonnen: Wenn Kirchenvorstände und Gemeinderat an einem Strang ziehen, muss dies nicht im Sinne der Bürger sein, sondern kann die Dörfer auch spalten.

22.11.2020 © Foto: Jürgen Leykamm


Gleich zwei Bürgerbegehren waren gegen die Kindergartenschließung angestrengt worden. Beide wurden vom Gemeinderat für unzulässig erklärt. Unter anderem, weil die evangelische Kirche und nicht die Gemeinde die Kindergärten betreibt.

Verbale Scharmützel

Beide Male klagten die Initiatoren. Wenige Tage vor der Sitzung scheiterte die zweite Klage vor Gericht – seitens des Richters gab es aber laut der Demonstranten eine beachtenswerte Bemerkung: "Sie tragen nicht zur Befriedung bei!", habe der Richter laut einer Protestierenden gegenüber Schuster verlauten lassen. Der Bürgermeister suchte in seinen Worten das Gegenteil zu beweisen: "Wir müssen uns zusammenraufen und uns um eine Lösung bemühen, mit der wir alle leben können!" "Du kannst gerne mal zu uns kommen", empfahlen die Protestierenden dem Bürgermeister. Dazu müsse er aber wissen, wer die eigentlichen Ansprechpartner seien, so Schuster. Die seien ihm bekannt, hieß es – eine namentliche Antwort aber gab es nicht. Stattdessen die Frage: "Wann wirst Du auf uns zukommen?" Sie wurde sogar wiederholt, blieb aber unbeantwortet.

Die Dekanin als Mediatorin

Stattdessen kehrte der Bürgermeister mit den Worten "trotzdem einen schönen Abend noch" zurück in den Saal. Was den Demonstranten sauer aufstieß: "Das sagt doch alles, ein ignoranter Mensch!" Im Gemeindehaus kam das Thema dann zum Ende der Sitzung noch einmal aufs Tapet. Dabei verwies der Bürgermeister darauf, dass durch das Urteil des Verwaltungsgerichts "die Rechtsmeinung der Gemeinde bestätigt worden ist".


Lange Monate der Auseinandersetzungen um den Kindergarten


Ungeachtet dessen seien die Einwände vieler Bewohner gegen die derzeitige Kindergartenpolitik weiterhin sehr groß. "Ich werde auf die Vertreter der Bürgerinitiativen aber zukommen. Es ist besser miteinander zu reden statt übereinander", so der Bürgermeister entgegen aller Ignoranz-Vorwürfe.

Außerdem werde er Kontakt zur Dekanin Ingrid Gottwald-Weber aufnehmen, die bereits als Mediatorin in Erscheinung getreten war. Die Situation an sich sei aber "weiterhin sehr verfahren."

Um einem dritten Bürgerbegehren zuvorzukommen, regte Thorsten Roth darüber hinaus ein Ratsbegehren in der Kindergartenfrage an.

JÜRGEN LEYKAMM

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