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Aus dem Kapitän in Solnhofen wird ein Matrose

Noch-Bürgermeister Manfred Schneider zieht nach zwölf Jahren im Amt Bilanz - 28.04.2020 07:56 Uhr

Ein echter Saurier und ein politischer: Solnhofens Bürgermeister Manfred Schneider hat sich nach zwölf Jahren im Amt den Ruhestand redlich verdient. Der 64-Jährige will aber weiterhin dem Gemeinderat angehören. © Foto: Markus Steiner


Schneider trat vor zwölf Jahren mit einem "100-Tage-Programm" an, in dem er ankündigte, dass er Schul-, Kindergarten-, Jugend- und Seniorenbeauftragte benennen, den Ausbau der Staatsstraße 2217 Gaugental bis zur Kreuzung Firma Stiegler beantragen, regelmäßige Teamgespräche der Gemeindeabteilungen installieren und Gespräche mit den Wirtschaftsführern vor Ort führen sowie das Museum als überregionale Einrichtung anerkennen lassen wolle, um damit die Voraussetzung für eine staatliche Förderung zu schaffen.

Um es kurz zu machen: Logischerweise hat auch Schneider, den eigentlich alle Solnhofener duzen und mit seinem Spitznamen "Mäc" ansprechen, nicht alles in 100 Tagen erledigt. Wenn man aber seine Versprechen nach zwölf Jahren noch einmal bilanziert, muss man beeindruckt feststellen, dass alle angekündigten Ziele abgehakt wurden.

Schule, Kindergarten, Rathaus, Museum und Feuerwehrgeräteraum sind energetisch saniert und werden entweder mit Hackschnitzeln oder Pellets umweltfreundlich beheizt. Die Kindertagesstätte, auf die Schneider besonders stolz ist, wurde in seiner Amtszeit erst an die Johanniter (was zunächst zu Reibungsverlusten führte) und dann an das BRK als Träger übergeben. Inzwischen ist die Einrichtung so beliebt, dass sie aus allen Nähten platzt. Sie wird deshalb um einen Anbau mit 24 Krippenplätzen erweitert. Seit August 2019 gibt es zudem einen neuen Hort in der Grundschule.

"Ich werde nichts auf die lange Bank schieben. Versprochen!", hatte der SPD-Politiker im Wahlkampf vor zwölf Jahren auf seinem Flyer angekündigt und damit nicht nur Sprüche gemacht. Denn die Liste es Erreichten ist noch viel länger: Das Museum wurde umgestaltet und ist inzwischen als regionales Schwerpunktmuseum anerkannt. Solnhofen hat eine der modernsten Kläranlagen und einen neuen Wertstoffhof. Das neue Baugebiet unterhalb des Sportgeländes soll demnächst an den Start gehen, genauso wie der rund 22 Hektar große Solarpark im Ortsteil Hochholz.

Ein Teamplayer

Damit wäre man erst bei rund einem Drittel der Dinge, die sich Schneider für seine Bilanz mit dem Pressevertreter auf eineinhalb DIN-A4-Seiten notiert hat. Dabei darf man eines auf keinen Fall falsch verstehen: Schneider spricht, wenn er das Erreichte aufzählt, nie von seinen Erfolgen, sondern immer "von unseren Erfolgen" oder sagt: "Wir haben in den letzten zwölf Jahren viel gemacht für Solnhofen, das kann sich sehen lassen."

Der 64-Jährige ist ein Teamplayer, der seine Rolle als Bürgermeister am ehesten mit der eines Kapitäns vergleicht. Einer muss auf der Kommandobrücke stehen, die anderen sind die Matrosen, die aber genauso wichtig sind, damit das Schiff auch in stürmischen Zeiten Kurs halten kann. "Ich hatte das Glück, eine Top-Verwaltung, Top-Mitarbeiter und Top-Kollegen im Gemeinderat zu haben", sagt Schneider, der seine kommunalpolitische Karriere auch deshalb lieber auf Raten und nicht von jetzt auf gleich auslaufen lassen will. Deshalb ist er nochmals für den Gemeinderat angetreten – als einfacher Matrose sozusagen.

Seinem Amtsnachfolger Tobias Eberle (SPD) will er gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn das gewünscht werde. Sein Rat: "Das Team muss immer im Vordergrund stehen, weil einer alleine einfach nicht alles wissen kann." Den Mitarbeitern in der Verwaltung müsse man auf Augenhöhe begegnen. Mit dem Gemeinderat dürfe man durchaus auch mal heftig streiten, solange der Streit sachlich bleibe und man sich auch danach noch in die Augen schauen könne, um gemeinsam ein Bier trinken zu gehen.

Manfred Schneider hat in den zwölf Jahren als Bürgermeister aber auch erlebt, dass man als Chef der Verwaltung und als Oberhaupt des Gemeinderats nicht immer jedermanns Liebling sein kann und oftmals auch für Dinge abgestraft wird, die man gemeinsam und mehrheitlich im Gemeinderat so entschieden hat. "Allen kann man es nie recht machen", weiß der scheidende Bürgermeister: "Man ist ja oftmals der Überbringer der schlechten Nachricht und ist deshalb der Buhmann."

Aus diesem Grund, glaubt Schneider, ist sein Wahlergebnis bei der letzten Kommunalwahl 2014 mit nur 63 Prozent (bei keinem Gegenkandidaten) nicht allzu berauschend ausgefallen. Aber auch das hat der begeisterte Hobbymusiker, Volleyballer und Campingfan inzwischen wieder gut weggesteckt.

Trotz sinkender Gewerbesteuereinnahmen und schwieriger Zeiten sei Solnhofen auf einem guten Weg und habe eine gute Entwicklung genommen. Mit zwei Bäckern, einem Tante-Emma-Laden, 30 Vereinen und einem schon komplett verkauften Baugebiet sei der Beleg erbracht, dass es sich hier gut leben lasse.

Die Politik habe er nie für sich gemacht, sondern für seinen Heimatort Solnhofen. Dass Manfred Schneider auch nach zwölf Jahren als Bürgermeister keine Starallüren hat und noch immer der nette Typ von nebenan ist, beweist er beim letzten Pressetermin mit dem Weißenburger Tagblatt: Den Kaffee kocht er selbst – obwohl genug Angestellte da wären, an die manch anderer Bürgermeister diese Aufgabe delegieren würde. Der künftige "Dino" im Gemeinderat scheint mit sich selbst und dem Erreichten im Reinen. Deshalb passt auch irgendwie der Spruch, der auf seiner Kaffeetasse steht, zu ihm: "So sieht ein richtig cooler Bürgermeister aus."

MARKUS STEINER

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