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Digitaler Nachholbedarf in Altmühlfranken

Eine IHK-Umfrage zeigt Schwächen und Stärken Weißenburg-Gunzenhausens als Unternehmensstandort auf - 11.10.2019 07:03 Uhr

Eine Busanbindung ins Weißenburger Industriegebiet ist eine der Ideen, die aus der IHK-Standortumfrage hervorgegangen ist. Generell hätten die Unternehmer gern ein besseres ÖPNV-Netz. © Foto: www.limes-luftbild.de


Die Ergebnisse sind interessant, aber nicht repräsentativ. Denn von 1865 angeschriebenen Unternehmen haben nur 144 den Fragebogen ausgefüllt. Rücklaufquote: 7,7 Prozent. Es haben sich vornehmlich kleinere Betriebe mit weniger als neun Mitarbeitern beteiligt, die sich bei solchen Umfragen generell kritischer äußern, gab Landrat Gerhard Wägemann (CSU) bei der Präsentation im Weißenburger Landratsamt zu bedenken.

Die Zahlen wirken tatsächlich etwas willkürlich. So ist schwer erklärbar, wo die Verschlechterung beim ÖPNV im Vergleich zur Umfrage von 2014 zustande kam. Das ist wohl ebenso eine gefühlte Wahrheit wie die Verbesserung des Standort-Images.

Erstaunlich an der Umfrage ist auf jeden Fall, die Verlagerung von Schwerpunkten. So sind erstmals Forderungen nach einem besseren Radwegenetz aufgetaucht, stellte Antonia Lehner von der IHK fest. Waren es früher Straßenverbindungen, deren Verbesserung gern mit besonderem Nachdruck gefordert wurde, stehen nun Breitband- und Mobilfunkinfrastruktur ganz oben auf der Liste, bilanzierte ihre Kollegin Eva Didion, die sich bei der IHK um Standortpolitik und Unternehmensförderung kümmert. Sie sieht für dieses Feld ganz klaren Handlungsbedarf in Altmühlfranken.

Aber auch in Sachen ÖPNV müsste aus ihrer Sicht nachgebessert werden. Teilaspekte hierbei seien die Mobilität von Azubis und die Anbindnung von Gewerbegebieten. Zudem schlage der Fachkräftemangel immer weiter durch. Für Didion wäre ein möglicher Ansatz, die Frauen stärker einzubinden. Mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit und weniger als die Hälfte der Grundschulkinder im Landkreis sind nachmittags in Betreuungseinrichtungen. Hier gebe es ein Potenzial zu heben. Zudem sei es wichtig, die berufliche Ausbildung weiter zu stärken.

Schlusslicht und Spitzenreiter

Zwei Drittel der Unternehmen würden den Landkreis als Standort weiterempfehlen. Klingt erstmal ganz gut, doch damit bildet Weißenburg-Gunzenhausen das Schlusslicht in Mittelfranken. Der Gesamtwert liegt bei gut 80 Prozent. Kritikpunkte, die die Unternehmen in der Umfrage immer wieder nannten, waren die Dauer von Genehmigungsverfahren und auch der Wunsch nach einem konkreten Ansprechpartner in der Verwaltung.

Steht Weißenburg-Gunzenhausen bei der Weiterempfehlungsquote ganz unten auf der Liste, führt man das Feld in Sachen Lebensqualität in Mittelfranken klar an. "Das sticht im gesamten Bezirk positiv heraus", befand Didion. Die Freizeitangebote werden stark bewertet, aber auch das Erscheinungsbild der Kommunen, die Wohnsituation oder die Einkaufsmöglichkeiten haben gute Noten.

Dr. Simon Amesöder, Geschäftsführer von RF Plast in Gunzenhausen, sieht das äußerst positiv. Früher seien es die großen Städte gewesen, die beim Freizeitwert punkteten. "Heute sind diese Stärken bei uns." Und auch Paul Habbel, der Vorsitzende des Industrie- und Handelskammergremiums im Landkreis, ist mit dieser Entwicklung zufrieden: "Das sind die Faktoren der Zukunft."

Angesichts der überschaubaren Rücklaufquote im Landkreis wollte Habbel die Ergebnisse nicht auf die Goldwaage legen, wenngleich sie natürlich als Trend sehr wohl aussagekräftig seien. Er verwies auf einen Aspekt, der in der Umfrage eher am Rande Erwähnung findet, aus seiner Sicht aber große Bedeutung hat: Die Verfügbarkeit von Grundstücken. Immerhin gab fast ein Drittel der befragten Unternehmen an, in den nächsten Jahren eine Vergrößerung anzustreben. "Wir sind hier in einer sehr komfortablen Situation", befand der IHKG-Vorsitzende. Daran ändere auch nichts, dass das in Weißenburg geplante Gewerbegebiet für kleinere und mittlere Unternehmen am Lehenwiesenweg nicht so schnell realisierbar ist, wie erhofft.

Nach Ansicht von Landrat Gerhard Wägemann hat der Landkreis schon einige der Hausaufgaben aus der Umfrage gemacht. Beispielhaft nannte er die Berufsausbildungsmesse und berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten beispielsweise am Kunststoffcampus in Weißenburg, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Auch gebe sich die Kreisverwaltung größte Mühe Genehmigungen "so zügig wie möglich" zu erteilen. Doch mitunter würden schlicht Unterlagen fehlen. Das verzögere das Verfahren natürlich. Er könne verstehen, dass das Unternehmen ärgere, doch sei das nicht dem Landratsamt anzulasten. In Sachen digitaler Infrastruktur könne der Landkreis nur koordinierend eingreifen. Hier seien die Kommunen und die Netzbetreiber gefragt.

Den öffentlichen Nahverkehr habe der Landkreis mit dem neuen Nahverkehrsplan bereits weiter entwickelt. Er hoffe, dass Weißenburg und Treuchtlingen das Rufbus-Modell aus Gunzenhausen baldmöglichst ebenfalls einführen. Als ein Beispiel, wo dieses aus seiner Sicht Sinn machen würde, nannte Wägemann das Industriegebiet in Weißenburg, das bislang mit dem Bus kaum zu erreichen ist. Für den Landrat ist aber auch klar: "Der Landkreis wird hier mehr Geld in die Hand nehmen müssen." Doch darüber muss dann der nächste Kreistag entscheiden.

ROBERT MAURER

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