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Ein Jahr ohne Fasching?

Die Vereine im Weißenburger Land zweifeln, ob eine Karnevalssaison möglich ist - 07.09.2020 10:30 Uhr

Große Fragezeichen: Die Karnevalsvereine im Weißenburger Land sind skeptisch, ob es eine reguläre Faschingssaison, wie noch in diesem Jahr, als das Foto der OCV-Garde beim Weißenburger Stadtball entstand, geben kann.

06.09.2020 © Foto: Robert Renner


Bei einem Ball der Ellinger Karnevalsgesellschaft stehen im Verlauf eines Abends bis zu 120 Personen allein auf der Bühne. Vorsitzender Alexander Gun blickt daher mit Skepsis auf eine Veranstaltung, die in der Gunzenhausener Stadthalle zuletzt genehmigt worden ist: Dort waren lediglich 90 Gäste zugelassen. Und das bei einer Kulturveranstaltung, bei der das Publikum unbeweglich auf dem Stuhl sitzt, betont er. Auf einem Faschingsball schwingen auch die Gäste das Tanzbein.

Angesichts der aktuellen Lage fällt es dem Vorsitzenden sichtlich schwer, sich den Karneval in der kommenden Saison vorzustellen: Statt 400 nur eine Handvoll Personen in der Gunzenhausener Stadthalle, "die sich da nicht berühren, die nicht tanzen dürfen – was wird das?", fragt er trocken. Fasching sieht für ihn anders aus.


Inthronisation der KaGe Ellingen 2020


Nichtsdestotrotz üben die lokalen Karnevalsvereine unter Beachtung der aktuellen Auflagen bereits an ihren folgenden Programmen: In Ellingen wurden die Gruppen des Jugend-Schautanzes und des großen Schautanzes aufgrund der Größe des Trainingsraums von normalerweise 40 Personen auf zwei Übungsgruppen mit jeweils 20 Personen gesplittet.

Der Röttenbacher Faschings-Club ist als kleiner Verein ohne eigenen Veranstaltungs- und Trainingsort hingegen auf öffentliche Einrichtungen angewiesen. Für die Turnhalle des Orts gibt es allerdings bislang noch kein Hygienekonzept, weshalb die Karnevalisten derzeit im Freien trainieren – auf Dauer sei die Vorbereitung im Gardetanz so allerdings nicht möglich, betont Vorsitzender Anton Breit.

Suche nach alternativem Auftrittsort

Und der Oberhochstatter Carnevalsverein (OCV) trainiert momentan im Niederhofener Schützenheim. Dessen Aktive müssen sich in dieser Saison nach einer Alternative zum Gasthaus König umsehen, in der die Bälle sowie der Kinderfasching und der Familiennachmittag stattfinden können, weil das Gasthaus geschlossen wurde.

Es ist für die Oberhochstatter ohnehin ein stressiges Jahr: Es wurden bereits einige Einrichtungen angefragt, aber es zeichnet sich bisher noch keine Alternative zum König-Saal ab, erklärt Vorsitzende Julia Enzenhöfer. Seit dem August trainieren dennoch wieder sämtliche Gruppen. Dass die Kindergruppe erneut zusammenkommt, sei ihr persönlich besonders wichtig gewesen.

Die Vorsitzende verweist indessen darauf, dass man sich die Entscheidung keineswegs leichtmache: Der Verein habe große Lust, Fasching zu feiern, man sei sich aber auch der besonderen Verantwortung in der Corona-Pandemie bewusst. Viele Mitglieder des Vereins kennen persönlich jemanden, der mit dem Virus infiziert gewesen ist. Auch Julia Enzenhöfer hat eine symptomfreie Erkrankung hinter sich. "Wir alle sind insofern besonders sensibilisiert für das Thema", erklärt sie.

Wirtschaftlich schwierig

In den nächsten Wochen habe man sich vorgenommen, definitiv über eine Zu- oder Absage der kommenden Karnevalssaison zu entscheiden. Einen ähnlichen Zeitrahmen gibt auch Alexander Gun an. Die Choreografien und Kostümierungen, die bis dahin schon in den Vereinen gediehen sind, wolle man im Falle eines Ausfalls in das nächste Jahr übernehmen. "Die neuen Tänze hat schließlich noch niemand gesehen", erklärt Alexander Gun.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist es für sämtliche Vereine schwer vorstellbar, dass sich der Karneval in der kommenden Saison lohnen kann. Denn die Säle, in denen die Bälle stattfinden, sind normalerweise zum Bersten voll. Nur so können die Ausgaben, die für die Musik, Musikrechte, Verkleidungen und Miete anfallen, aufgewogen werden. Könne man aufgrund der Auflagen nur wenige Teilnehmer in den Hallen lassen, würden die Vereine allesamt Verluste machen.

Während die Vorzeichen bei den Vereinen insofern eher schlecht aussehen, ist für den Faschingsumzug in Mischelbach noch alles offen. Dort habe man den Vorteil, relativ spontan umdisponieren und reagieren zu können. "Wir organisieren das seit 52 Jahren im Dorf", erklärt Organisator und "Mischelbacher Obernarr" Thomas Näpflein.

Was macht Mischelbach?

Ein Großteil der Planungen findet wenige Wochen – und teilweise sogar erst wenige Tage – vor der eigentlichen Veranstaltung statt. Ende des Jahres ist nun ein erstes Treffen der Verantwortlichen geplant, bei der abgeschätzt werden wird, in welchem Rahmen ein Umzug am 23. Februar 2021 in Mischelbach voraussichtlich stattfinden kann.


In Mischelbach zogen die Narren durchs Dorf


Für die Umzugswagen und Fußgruppen sei es dabei das geringere Problem, Abstand zu halten, glaubt Näpflein. Sicherzustellen, dass die Zuschauer nicht zu eng beieinanderstehen – das werde die eigentliche Herausforderung.

LIDIA PIECHULEK

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