Tschechische Delegation in Weißenburg

Eine Art Ministerpräsident zu Besuch

29.5.2022, 07:43 Uhr
Eine Delegation tschechischer Politiker und Schulleiter aus Südmähren war mehrere Tage in Mittelfranken zu Gast und ließ sich unter anderem an der Berufsschule in Weißenburg die Duale Ausbildung erläutern.
 

© Markus Steiner, WT Eine Delegation tschechischer Politiker und Schulleiter aus Südmähren war mehrere Tage in Mittelfranken zu Gast und ließ sich unter anderem an der Berufsschule in Weißenburg die Duale Ausbildung erläutern.  

Die Verbindungen zwischen dem Bezirk Mittelfranken und Südmähren in Tschechien bestehen schon seit 2016. 15 wechselseitige Begegnungen haben seitdem stattgefunden, berichtete Christa Naaß. Die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin würde die Kontakte gerne noch weiter intensivieren und verschiedene Bereiche, von Kultur, über Wirtschaft bis zur Bildung, miteinbeziehen.

Die jüngste Delegation aus Südmähren wurde dabei von Jan Grolich angeführt, den neuen Kreishauptmann von Südmähren, der von der Funktion her in etwa mit einem Ministerpräsidenten verglichen werden kann. Im Schlepptau hatte er Jíri Nemec (Ausschuss für Umwelt und Kultur), Petr Springinsfeld (Ausschuss für Außenbeziehungen) und Drago Sukalovský (Finanzausschuss), Jana Marková (Direktorin der Charbulova Mittelschule in Brünn) sowie Tomáš Javurek (Direktor der Weinbauschule in Valtice). Die südmährischen Gäste hatten sich am Vortag bereits die Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf angeschaut und eine Stadtführung samt Weinverköstigung in Rothenburg ob der Tauber absolviert.

In Weißenburg wurde der Fokus nicht auf die Stadtgeschichte und die kulturelle Vergangenheit gerichtet, sondern auf die Duale Bildung, die in Tschechien anders aufgestellt ist, wie Schulleiterin Marková berichtete, die ihre Schule mit einem kleinen Film vorstellte. Die Charbulova Mittelschule in Brünn, der Hauptstadt der Region Südmähren, besuchen rund 1700 Schüler, die dort folgende Berufe erlernen können: Metzger, Bäcker, Konditor, Friseur, Kosmetikerin, Hotelfachangestellte, Kellner oder Fotograf. Das Motto der Schule lautet: "Bildung fürs Leben."

Hier wie dort, berichteten sowohl die deutschen als auch die tschechischen Schulleiter, lassen das Interesse an praktischer Berufsausbildung und die Schülerzahlen nach. Metzger- und Verkäufer-Azubis seien hüben und drüben Mangelware. "Wir sind sehr interessiert an einem Austausch", bekannte der stellvertretende Schulleiter Robert Böhm, der für den Standort Weißenburg verantwortlich ist und sich auch einen Schüleraustausch vorstellen könnte. Er stellte die Berufsschule und die Stadt ebenfalls in einer Präsentation vor, die auch einige Weißenburger Wahrzeichen, wie das Ellinger Tor oder die Stadtmauer, zeigte.

Nachdem Tomáš Javurek noch seine Weinbauschule in Valtice vorstellen durfte, die rund 250 Schüler aus ganz Tschechien besuchen und die noch in der K&K-Monarchie entstanden ist, führte Robert Böhm die tschechischen Gäste durch die Berufsschule. Christa Naaß war mit der Stippvisite in Weißenburg sichtlich zufrieden und meinte abschließend: "Kontakte müssen immer unter den Menschen stattfinden." Sie hoffe deshalb auch, dass die richtige Partnerschaft zwischen der Region Südmähren und dem Bezirk Mittelfranken schon bald "in trockene Tücher" gebracht werden könne.

"Eine große Ehre"

Landratstellvertreter Günter Obermeyer bezeichnete den Besuch der Delegation "als große Ehre" und stellte den Gästen einige Kerndaten des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen vor, der in Bezug auf seine Einwohnerzahl zu den kleinsten Bayerns gehört. Und last but not least war es an Weißenburgs 3. Bürgermeisterin Katrin Schramm zu betonen, dass auch die Stadt Weißenburg nichts gegen neue Kooperationen einzuwenden habe: "Auch wir freuen uns sehr, dass Sie sich unsere Berufsschule anschauen. Als überzeugte Europäer begrüßen wir jede neue Partnerschaft sehr."

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