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Erste Kreistagssitzung: Nicht alle waren zufrieden

Dennoch wurden Günter Obermeyer und Werner Baum klar zu Landratstellvertretern gewählt. - 20.05.2020 05:12 Uhr

Der neue Landrat Manuel Westphal wurde vom dienstältesten Kreisrat Dr. Sigurd Schacht (nicht im Bild) in der Stadthalle in Gunzenhausen vereidigt. © Foto: Robert Maurer


In der Stadthalle von Gunzenhausen war für die 59 Kreisräte (Manfred Pappler von der CSU fehlte krankheitsbedingt) jeweils ein eigener Tisch aufgestellt, um die Sicherheitsabstände einzuhalten. Weitgehend saßen die Fraktionen beieinander, doch der eine oder andere Ausreißer ergab sich dennoch.

So fand sich die neue Treuchtlinger Bürgermeisterin Dr. Dr. Kristina Becker, die ein paar Minuten zu spät kam, notgedrungen im Block der Freien Wähler, weil nur dort noch ein Platz frei war.

Da uns das Virus noch länger erhalten bleiben wird, hat die Verwaltung auch für die Kreistagssitzung am 20. Juli schon einmal vorsorglich die Stadthalle in Gunzenhausen ge- bucht. In dieser Sitzung werden die finanziellen Auswirkungen von Corona auf Altmühlfranken ein Thema sein, hat Landrat Westphal im Gespräch mit dem Weißenburger Tagblatt angekündigt. Kreiskämmerer Peter Nebert soll dann erläutern, welche Abweichungen es bis dahin gegenüber dem Haushaltsplan gibt. Dann müsse man entscheiden, ob ein Nachtragshaushalt erforderlich sei.

Als ältestem und mit 48 Jahren auch dienstältestem Kreisrat oblag es Dr. Sigurd Schacht (CSU) Manuel Westphal zu vereidigen. In einer kurzen Rede blickte er auf den Wahlkampf zurück und bedankte sich bei allen vier Kandidaten, dass dieser fair geführt worden sei und die Würde des anderen geachtet wurde. Für den Landkreis sei Manuel Westphal eine gute Wahl, befand der Gunzenhausener Rechtsanwalt. Der 45-Jährige sei bodenständig, stamme aus der Region und habe durch seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter gute Kontakte nach München.

Obermeyer und Baum als Stellvertreter

Wunschstellvertreter: Günter Obermeyer (CSU). © Foto: Robert Maurer


Als Westphals Stellvertreter schlug der neue CSU-Fraktionsvorsitzende Alexander Höhn aus Ellingen den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden der CSU-Fraktion, Günter Obermeyer, vor. Er bringe kommunalpolitische Erfahrung als Bürgermeister von Nennslingen und als Kreisrat mit. Zudem kenne er sich als ehemaliger Mitarbeiter des Landratsamtes in der Verwaltung aus. Und er sei ein "bodenständiger und nahbarer" Politiker und "einfach ein toller Mensch".

Die Kandidatur Obermeyers – der Wunschkandidat von Manuel Westphal – war im Vorfeld abgestimmt worden (wir berichteten), dennoch waren nicht alle Fraktionen zufrieden. Ursprünglich hatte es sogar ein Bündnis der kleinen Fraktionen im Kreistag gegeben, um einen CSU-Stellvertreter zu verhindern und die beiden Posten an die zweit- und drittstärkste Fraktion (SPD und Freie Wähler) zu verteilen. Die neue Sitzverteilung macht es möglich, auch ohne CSU Mehrheiten zu finden. Im neuen Kreistag stellt die CSU 26 Kreisräte, die SPD zehn, Freie Wähler und Grüne jeweils neun, die ÖDP drei, die FDP zwei Kreisräte, Die Linke ist mit einem Kreisrat vertreten.

Doch die Grünen scherten aus diesem Bündnis aus und befanden, dass es sich bewährt habe, dem CSU-Landrat einen CSU-Stellvertreter zur Seite zu stellen. Das schlug sich in Obermeyers Wahlergebnis nieder. Mit 41 Stimmen erhielt er zwar eine klare Mehrheit. Aber es gab eben auch fünf ungültige Stimmzettel und 14 Kreisräte schrieben andere Namen auf. Am häufigsten wurde SPD-Kreisrätin Anette Pappler genannt. Sie erhielt sieben Stimmen. Günter Obermeyer versicherte, seinen Posten "loyal und umsichtig" zum Wohle des Landkreises auszuüben. Auf das sonst übliche Händeschütteln wurde wegen der Corona-Pandemie verzichtet.

Weiterer Landratstellvertreter: Werner Baum (SPD). © Foto: Robert Maurer


Die Wahl des Stellvertreters muss geheim und schriftlich erfolgen. Weitere Stellvertreter (in Weißenburg-Gunzenhausen gibt es nur noch einen weiteren) können auch per Handzeichen gewählt werden. SPD-Fraktionsvorsitzender Mathias Hertlein schlug den bisherigen Treuchtlinger Bürgermeister Werner Baum vor. Er bringe 36 Jahre kommunalpolitische Erfahrung mit und sei jemand, mit dem man "offen und vertrauensvoll" zusammenarbeiten kann.

Die auf drei Personen angewachsene ÖDP halte Baum zwar für integer und für die Aufgabe geeignet, aber "wir hätten uns eine breitere Verteilung gewünscht", befand Fraktionsvorsitzender Reinhard Ebert. So stimmten die ÖDP, weite Teile der Freien Wähler (Alfred Maderer und Christian Früh hoben für den Treuchtlinger die Hand) und Gerd Meier (Grüne) gegen Baum. Zwei Kreisräte hatten bei der Abstimmung den Saal verlassen.

Mit 46 Ja-Stimmen kam Baum aber immerhin auf ein besseres Ergebnis als Obermeyer. Er freue sich auf die Aufgabe und sicherte eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu.

ROBERT MAURER

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