Der Top-Torjäger im Interview

Fabian Eberle: "Toreschießen in der Kreisliga ist definitiv kein Kinderspiel"

9.10.2021, 12:28 Uhr
Ein Torjäger par excellence: Fabian Eberle (Mitte) bei einem seiner vier Treffer für den SV Wettelsheim am vergangenen Wochenende gegen Oberhochstatt. In den vergangenen Jahren feierte er viele Erfolge mit dem Regionalligisten VfB Eichstätt, bei dem er auch Kapitän war. Die Trikotfarbe beim VfB und SVW ist übrigens die gleiche: Grün!
 

Ein Torjäger par excellence: Fabian Eberle (Mitte) bei einem seiner vier Treffer für den SV Wettelsheim am vergangenen Wochenende gegen Oberhochstatt. In den vergangenen Jahren feierte er viele Erfolge mit dem Regionalligisten VfB Eichstätt, bei dem er auch Kapitän war. Die Trikotfarbe beim VfB und SVW ist übrigens die gleiche: Grün!   © Uwe Mühling, WT

Herr Eberle, wir haben mal nachgerechnet: In fünf Spielen mit rund 310 Einsatzminuten haben Sie bislang für den SV Wettelsheim neun Tore erzielt. Das heißt, sie schlagen etwa alle 35 Minuten zu. Zuletzt war es ein Viererpack gegen Oberhochstatt. Ist das Toreschießen in der Kreisliga für Sie ein Kinderspiel?

Eberle (lacht): Ne, definitiv nicht! Klar habe ich schon einige Male getroffen, aber man darf dabei nicht vergessen, dass die Jungs, die neben und hinter einem spielen, sehr viel ausmachen und dass wir beim SVW insgesamt eine starke Offensive haben, wovon ich profitiere.

Dennoch dürfte es schon leichter sein, sich gegen Abwehrreihen der Kreisliga als der Regionalliga durchzusetzen.

Ich würde nicht sagen, dass es sich leichter spielt, sondern einfach anders. Das Spiel und die Strukturen in der Kreisliga sind anders angelegt als in der Regionalliga.

Zu Saisonbeginn fehlten Sie noch wegen einer Knieoperation und Urlaub und hatten nur kürzere Einsätze. Jetzt sind Sie seit Kurzem voll dabei und können die vier Klassen Unterschied besser beurteilen. Wie sehen Sie diesen Aspekt?

Der große Sprung war für mich eigentlich die Tatsache, dass ich durch die Verletzung und einen länger geplanten Urlaub zweieinhalb Monate außen vor war. Zuvor war dann ja auch noch die lange Corona-Pause. Insofern war der Unterschied am Anfang gar nicht so krass, wie er es vielleicht bei einem direkten Übergang gewesen wäre. Ich bin erst seit rund zwei Wochen wieder voll im Training, und da ist es für mich wichtig, nach und nach meine volle Fitness zurückzugewinnen. Was ich bislang festgestellt habe: In der Kreisliga stehen die Details nicht so sehr im Mittelpunkt wie in der Regionalliga, das Spiel ist langsamer, was ich aber keinesfalls despektierlich meine. Man hat einfach mehr Zeit den Ball zu verarbeiten und kann mit dem ersten Kontakt sehr viel richtig machen.

Sie haben mit der TSG Solnhofen den gesamten Aufschwung von der Kreisklasse bis zur Bezirksliga miterlebt und mitgeprägt. Wie ist es jetzt nach fünf Jahren beim VfB Eichstätt wieder in den Heimatkreis zurückzukehren, wenn auch zu einem anderen Verein?

Das ist einfach ein cooles Gefühl, wieder heimzukommen. Das fängt schon beim Training an. Man fährt halt mit den Kumpels schnell hin. Bei den Spielen kennt man auch viele Fußballer aus den gegnerischen Teams. Es ist einfach schön, mit Freunden zu kicken, wobei ich dazu sagen muss, dass ich auch in Eichstätt viele Freunde gefunden habe und wir dort einen sehr besonderen Zusammenhalt hatten.

Sieht sich beim SV Wettelsheim vor allem als Teamplayer: Der spielende Co-Trainer und Goalgetter Fabian Eberle (2. von links), im Bild unter anderem mit Trainer Stephan Zengerle (mit Mütze) sowie dem weiteren „Co“ und Sturmpartner Julian Dürnberger (re.).
 

Sieht sich beim SV Wettelsheim vor allem als Teamplayer: Der spielende Co-Trainer und Goalgetter Fabian Eberle (2. von links), im Bild unter anderem mit Trainer Stephan Zengerle (mit Mütze) sowie dem weiteren „Co“ und Sturmpartner Julian Dürnberger (re.).   © Uwe Mühling, WT

Apropos VfB: Als Sie dort Ihren Abschied für Sommer 2021 angekündigt haben, rechneten eigentlich viele damit, dass Sie zum damals schon so gut wie feststehenden Landesliga-Aufsteiger TSV 1860 Weißenburg wechseln würden, schließlich leben Sie ja auch mit Ihrer Familie in Weißenburg. Warum haben sie sich gegen den TSV 1860 und für den SVW entschieden?

Letztlich war das keine Entscheidung gegen Weißenburg, sondern vielmehr eine Entscheidung pro Wettelsheim. Da hatte ich von Anfang an ein gutes Gefühl, alles hat gepasst, es waren mega angenehme Gespräche mit den Verantwortlichen. Zudem kenne ich den Zengo (gemeint ist Wettelsheims Trainer Stephan Zengerle, Anmerkung der Redaktion) schon aus meiner Eichstätter Zeit, und wir verstehen uns sehr gut. Auch sonst sah ich in personeller Hinsicht gute Perspektiven. Ich wusste, dass Julian Dürnberger nach langer Verletzungspause zurückkehren würde und dass viele junge Spieler nachkommen. Die Wettelsheimer haben als einer der wenigen Vereine in der Region im Prinzip alle Jugendklassen besetzt.

ls der Wechsel nach Wettelsheim perfekt war, haben Sie von einem „spannenden Projekt“ gesprochen. Was genau haben Sie damit gemeint?

Das, was ich eben schon ein bisschen angedeutet habe: Es ist eine gute Mannschafts-Konstellation beim SVW mit einer guten Mischung aus älteren und vielen jüngeren Spielern, die aus meiner Sicht ein Mega-Potenzial haben. Erst im Sommer sind vier bis fünf Spieler aus der Jugend herausgekommen. Ich finde es gut und wichtig, dass beim SV Wettelsheim viel Jugendarbeit betrieben wird, außerdem ist es ein sehr gesunder Verein mit einer Top-Sportanlage. Ich glaube, dass sich hier auf lange Sicht etwas bewegen lässt und dass man auf dieser guten Basis die Stabilität findet, sich irgendwann fest in der Bezirksliga zu etablieren.

Derzeit sind Sie neben Julian Dürnberger der zweite spielende Co-Trainer bei den Wettelsheimern. Ist es künftig Ihr Ziel, das „Co“ wegzulassen und komplett als Trainer für eine Mannschaft verantwortlich zu sein?

Aktuell ist das kein Thema für mich! Ich will unbedingt noch selber kicken. Ich fühle mich so gut, es macht großen Spaß und ich möchte mein Level halten. Das wäre als Coach schwierig, wenn man im Training schon wieder an die nächste Übung denken muss. Irgendwann kann ich mir das aber schon vorstellen, allerdings hat da auch meine Frau ein Wörtchen mitzureden . . . (lacht).

Gutes Stichwort: Für Ihre Frau und Ihre beiden kleinen Kinder haben Sie durch den Wechsel mehr Zeit. Ein längerer Familienurlaub wie zuletzt wäre zu Eichstätter Zeiten kaum denkbar gewesen, oder?

Ja, da habe ich auf jeden Fall mehr Freiheiten und genieße das auch. Der Aufwand für den Fußball ist einfach deutlich geringer geworden. Wir haben weniger Training, die Fahrtzeiten gerade auch zu den Auswärtsspielen, sind viel, viel kürzer. Das wäre zum Beispiel auch beim TSV 1860 in der Landesliga wieder ein größerer Faktor gewesen.

Abschließende Frage: Der SV Wettelsheim wurde vor der Saison nicht zuletzt wegen Ihnen als Neuzugang zum absoluten Topfavoriten der Kreisliga West gekürt. Wird der SVW tatsächlich Meister und kehrt in die Bezirksliga zurück?

(lacht) Puh, gefährliche Frage! Ich glaube, dass wir uns nach all dem Verletzungspech zu Saisonbeginn – David Zischler und Max Stoll fallen ja noch längere Zeit aus – inzwischen ganz gut gefangen haben. Wir sind jetzt in einen Flow und in eine Serie reingekommen. Und wir wollen natürlich weiter vorne mitmischen und dabeibleiben. Wenn man auf die Tabelle schaut, sieht man allerdings, dass es oben momentan sehr, sehr eng zugeht. Es wäre definitiv schön, wenn wir Meister werden und aufsteigen würden – es ist aber kein Muss. Generell haben wir eine Mannschaft mit der erwähnten guten Altersmischung, mit viel Power in der Offensive, aber auch Stabilität und Routine in der Defensive durch Leute wie Matthias Huzel und Matthias Müller. Wenn ich sehe, wie wir uns in den letzten drei, vier Monaten hier in Wettelsheim weiterentwickelt haben, dann stimmt mich das insgesamt sehr positiv für die weitere Saison. Und selber bin einfach froh, dass ich wieder schmerzfrei mitmischen kann und die Jungs auf dem Feld unterstützen kann. INTERVIEW: UWE MÜHLING

Zur Person

Fabian Eberle stammt aus Solnhofen, wo er als Kind mit dem Fußballspielen begann und später mit den TSG-Herren den Sprung in die Bezirksliga schaffte. In 117 Bezirksliga-Spielen hat er 109 Tore für seinen Heimatverein erzielt. 2016 wechselte er zum VfB Eichstätt, mit dem er gleich im ersten Jahr den Aufstieg in die Regionalliga schaffte. Für den VfB hat der Top-Torjäger in 131 Pflichtspielen 89 Treffer verbucht. Mit dem VfB wurde der 32-Jährige (demnächst 33) im Jahr 2019 Bayerischer Amateurmeister und spielte im DFB-Pokal. Mit seiner Familie lebt Eberle in Weißenburg. Beruflich ist er als Lehrer an der Grundschule in Heidenheim tätig.

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