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Fast 600 Jahr alt: Weißenburger Bürgerhaus wird saniert

Viele Neugierige ließen sich durch die Baustelle führen - 12.09.2017 11:29 Uhr

Viel zu tun: Architekt Andreas Giese erläutert einer Besucherin die alte Bausubstanz und wie es mit der Sanierung des Gebäudes in der Weißenburger Bräugasse weitergehen soll. © Robert Maurer


Viele Besucher kannten das Haus bislang nur vom Vorbeigehen. Andere erinnern sich noch an die Zeit, als dort ein Schuster seine Werkstatt und seine Wohnung hatte. Seit 2008 steht das Gebäude leer. Viele der Neugierigen, die das Häuschen in der Bräugasse 3 erkunden, sind erstaunt, wie viel Platz das kleine Gebäude doch bietet, obwohl es stark verwinkelt ist.

Architekt Andreas Giese vom Ellinger Architekturbüro Feulner & Häffner zeigt einer Besucherin ein altes Foto, um ihre Erinnerung aufzufrischen. „Hier hatte der Schuster seine Küchenzeile stehen.“ An der Stelle ist nun ein 30 Zentimeter breiter und ebenso tiefer Graben. Die Bodenplatte ist nicht allzu dick. Erde ist zu sehen.

Freigelegte Dachbalken, aufgegrabene Böden, bis auf die blanken Steine freigelegte Mauern. Das wird noch ein ordentliches Stück Arbeit, bis das fast 600 Jahre alte Gebäude (vermutlich wurde es um 1440 erbaut) wieder bewohnbar sein wird. Doch dann dürfte die Familie Knöll, die das Anwesen erworben hat, in ein echtes Schmuck­stück ziehen. „Die Architekten haben uns schnell klargemacht, dass es nicht sinnvoll ist, einen Zeitplan zu machen“, schilderte Inge Knöll beim Tag des offenen Denkmals. Zu viele Unwägbarkeiten können sich in den Mauern, Böden und Balken des Hauses verbergen. „Zum Glück haben wir keinen Zeitdruck.“

Dennoch neigt man natürlich dazu, den Aufwand zu unterschätzen. So wie beim alten Brunnen im schmucken kleinen Hinterhof. „Ich habe gedacht: Den legen wir an einem Tag frei“, erzählte Roland Knöll und muss selbst über seine anfängliche Naivität lachen. Sechs Tonnen Abfall haben er, seine Frau, die beiden Töchter und der Sohn in mühsamer und tagelanger Arbeit aus dem Erdloch gezogen. Von der alten Mülltonne bis hin zu jeder Menge alten Schuhe war alles dabei. „Aber jetzt hat er wieder Wasser“, grinst Roland Knöll zufrieden und schaut auf den Brunnen, der künftig mitten im Innenhof eine besondere Rolle haben wird.

Wie die Außenanlagen einmal gestaltet werden, ist noch völlig offen. „Unsere Tochter hätte gerne an der einen Wand lauter bepflanzte Blumentröge hängen.“ Roland Knöll lächelt und betrachtet die Wand. Das könnte tatsächlich gut aussehen, sagt der Blick. Aber: Architekt Hans-Heinrich Häffner und seine Kollegen haben von Anfang an davor gewarnt, sich beim Umbau nicht zu früh auf etwas festzulegen.

„Man muss berücksichtigen, was das Haus will, haben sie mir gesagt“, erzählt Inge Knöll und merkt, dass der Bewohner eines Neubaus diesen Gedanken befremdlich findet. Deshalb schiebt sie die Erläuterung hinterher: Wo können Mauern entfernt werden? Wo geht das auf keinen Fall? Wie lässt sich die viel später angesetzte Remise in den Wohnraum einbeziehen? Da, wo mal das Bad angedacht war, scheint ein Durchbruch möglich. Wäre natürlich dumm, sich diese Chance entgehen zu lassen.

„Dann wird das eben das Schlafzimmer“, sagt Inge Knöll. Das Bad wandert ein Zimmer weiter. Zumindest im aktuellen Planungsstand.
Die Knölls sind flexibel, was die Raumaufteilung angeht. Nur alters­gerecht muss der Umbau am Ende ausfallen. „Da gibt es keine Kompromisse. Wir wollen dann schon länger hier bleiben können.“ Inge Knöll kann sich gut vorstellen, nach Abschluss der Arbeiten das Ergebnis noch einmal bei einem Tag des offenen Denkmals öffentlich zugänglich zu machen. „Das fänden die Menschen sicher spannend“, ist sie überzeugt.

„Unser kulturelles Erbe“

Warum tut man sich solch ein Projekt überhaupt an, wenn von Anfang an klar ist, wie hoch der Aufwand sein wird? Mitten in der Altstadt und doch in einer relativ ruhigen Seitengasse zu wohnen, hat natürlich seinen Charme, aber reicht das als Motivation? „Es sind doch die alten Häuser, die den Charme der Weißenburger Altstadt ausmachen“, sagt Inge Knöll. „Das ist doch unser kulturelles Erbe.“ Moderne Bauten könnten hingegen überall stehen, ihnen fehlen die Wurzeln, glaubt sie.

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Das ist auch der Grund, warum die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Sanierung unterstützt. Diverse Handwerker haben das Haus im Lauf der Jahrhunderte genutzt: ein Bäcker, mehrere Büttner, ein Nagelschmied, ein Metzger und schließlich der vielen noch bekannte Schuster. Und nun wird es zum Wohnhaus. Ein neues Kapitel beginnt.

Das Bürgerhaus in der Weißenburger Altstadt war natürlich nicht das einzige Gebäude, das beim Tag des offenen Denkmals zur Besichtigung offen stand. Darüber hinaus beteiligten sich beispielsweise die Obere Veste, das Stadtschloss und das Volkskundemuseum in Treuchtlingen sowie die Karlsgraben-Ausstellung in Graben.

Robert Maurer

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