Ausstellung

Faszination Drechseln ab heute in der Schranne

5.8.2021, 15:28 Uhr
Faszination Drechseln ab heute in der Schranne

© Miriam Zöllich

So etwa Thomas Häckel aus der Nähe von Neumarkt in der Oberpfalz. Sein ganzer Stolz ist eine riesige Schale aus Eichenholz, gefertigt aus einem gigantischen Baumstamm mit ursprünglich 1,60 Metern Durchmessern. „Der Baum stand nur 200 Meter von meiner Werkstatt entfernt, und ich hatte schon lange ein Auge auf ihn geworfen“, erzählt Häckel. Ein Blitzeinschlag machte dem Warten ein Ende, und der Drechsler konnte den Baum erstehen.

Aus dem anderthalb Tonnen schweren Stamm sägte er zunächst einen 700 Kilo schweren Rohling heraus, den er dann auf seiner Drechselbank bearbeitete. „Da war jeder Handgriff ein Sonderweg – schon allein, das Ding durch die Tür zu bekommen. Sowas macht man nur einmal!“, lacht Thomas Häckel. Ob das rund 10 000 Euro teure Werk einen Käufer findet? „Für jedes Stück gibt es einen Liebhaber, der es irgendwann sieht und dann auch haben möchte“, weiß der Oberhochstätter Gerhard Winter aus der Erfahrung der beiden vorangegangenen Drechselausstellungen 2014 und 2017.

Zwischen Kunst und Rasierpinsel

Es ist die Mischung aus großen Kunstwerken und kleinen, aber nicht minder kunstvollen Gebrauchsgegenständen, die den Reiz dieser Ausstellung ausmachen. Das Meisterstück des Weißenburger Drechselmeisters Niklas Dettke etwa ist ein harmonisch geschwungenes Werk aus kontrastreichen Hölzern, das erst auf den zweiten Blick als Designer-Möbelstück zu erkennen ist. Und nur wenige Meter weiter findet man etwa bei Michael Walther aus Hilpoltstein Kugelschreiber, Gewürzmühlen und Flaschenöffner, oder bei Wolfgang Ehlert aus Stein Rasierhobel und Rasierpinsel.

Faszination Drechseln ab heute in der Schranne

© Miriam Zöllich

Reinhard Netter aus Liebenstadt bei Heideck war mit seinen gedrechselten Schalen, Vasen und Skulpturen bereits zweimal für den Kusntpreis der Nürnberger Nachrichten nominiert. Anspruchsvoll sind auch die Werke von Michael Zwingmann aus Puschendorf bei Fürth: In einige von ihnen hat er so viel Herzblut gesteckt, dass er sie nur ausstellen, aber nicht verkaufen möchte. Gerne erzählt er aber den Besuchern etwas über den akribischen und mühevollen Herstellungsprozess.

Besondere Techniken

Auch besondere Techniken kommen zur Anwendung, so etwa das Nassdrechseln. Dabei verformt sich das Holz durch die Feuchtigkeit zu faszinierenden Gebilden, und raus kommen dann zum Beispiel die „Knittervasen“ von Gerhard Winter aus Oberhochstatt. Helmut Geupel aus Rehau spielt lieber mit dem anderen Element: Mit Feuer karbonisiert er seine Holzoberflächen, sodass sie mattschwarz schimmern und fast schon an Krokodilleder erinnern.

Geeignet ist die Ausstellung für alle Holz-Liebhaber, für Kreativ-Fans, die Kunst zum Anfassen mögen und für alle, die noch den ein oder anderen hübschen Gebrauchs- oder Dekorationsgegenstand für ihre Wohnung oder als Geschenk suchen. Die Ausstellung ist prall gefüllt: „Einige von uns haben im Lockdown ein wenig zum spinnen angefangen“, witzeln die Drechsler. Es gibt wahrlich Schlimmeres.


Die Ausstellung „Faszination Drechseln“ in der Kunstschranne Weißenburg ist bis einschließlich Sonntag, 15. August täglich von 10-20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Zur Einhaltung des Hygienekonzepts und der Kontaktnachverfolgung kann die Luca-App verwendet werden.