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Freitag, 03.07.2020

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Geht ein Wolf im Altmühltal um?

Zwei Fotos zeigen ein wolfsähnliches Tier im Unterholz der Wälder des Altmühltals - 08.06.2020 15:25 Uhr

War ein junger Wolf im Altmühltal unterwegs? Experten halten das für sehr wahrscheinlich. Die Qualität der Bilder zweier Wildkameras ist aber nicht ausreichend für einen eindeutigen Nachweis. © Symbolbild: Wikipedia/Zahkthar


Die beiden Fotos zeigen vermutlich das gleiche Tier, das nachts durchs Unterholz streift. Ob es sich dabei um einen Wolf oder um einen wolfsähnlichen Hund handelt, ist laut Experten anhand der Fotos nicht zweifelsfrei nachzuweisen, stellte eine Sprecherin des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) gegenüber der Deutschen Presse Agentur fest. Die Bildqualität sei für einen definitiven Nachweis zu schlecht. In einem Fall ist das Foto von der Seite aufgenommen, im anderen Fall ist es stark überbelichtet. Allerdings wird die Sichtung in die Kategorie "C 3" mit dem Zusatz "wahrscheinlich Wolf" eingeordnet.

Ein Wolf im Altmühltal sei laut LfU ungewöhnlich. Es gebe dort keine Nachweise für eine dauerhafte Wolfspopulation. War es wirklich ein Wolf, dürfte es sich um ein durchziehendes Jungtier auf der Suche nach einem neuen Revier handeln. Willi Reinbold, der in Eichstätt lebende Wolfsbeauftragte des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), hält die Wahrscheinlichkeit für hoch, dass es sich bei der Sichtung um einen Wolf handelt. Er habe in der Vergangenheit bereits zahlreiche Hinweise von Sichtungen wolfsähnlicher Tiere erhalten. Der Experte hält die Region mit ihrem hohen Bestand an Rehen und Wildschweinen für durchaus geeignet für die Raubtiere und spricht von einem "Schlaraffenland" für Wölfe. Naturschützer begrüßen die Rückkehr des Wolfes als einen Gewinn in puncto Artenvielfalt.

Gerne gesehen ist der Wolf allerdings nicht bei allen. Vor allem Jäger, aber auch Schäfer und Viehhalter sprechen sich gegen eine Rückkehr des Raubtiers in die heimischen Wälder aus und fürchten Nutzungskonflikte und Gefahren für Mensch und Tier. Unter anderem der lokale Bundestagsabgeordnete Artur Auernhammer und der frühere Landtagsabgeordnete und jetzige Landrat Manuel Westphal hatten sich schon 2018 für eine Absenkung des Schutzstatus des Wolfes ausgesprochen.

In diesem Jahr sorgten Meldungen rund um die Spalter Gegend für Aufsehen in der Region. Der Vorsitzende des Gunzenhausener Jagdvereins hatte damals mehrfach bekannt, dass er sicher sei, dass ein Wolf in der Gegend sei. Er führte gerissene Rehe, Spuren und Kotproben als Belege an. Bestätigt wurden diese Vermutungen allerdings nie offiziell. Im benachbarten Landkreis Donau-Ries wurde an der Grenze zu Weißenburg-Gunzenhausen 2018 allerdings ein Wolf auf der Aufnahme einer Fotofalle eindeutig vom LfU nachgewiesen.

Heimisch wurde er in der Region aber nicht. Standorttreue Wölfe gibt es nach Angaben des Landesamtes in Bayern derzeit nur in vier Gebieten: im Nationalpark Bayerischer Wald, auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz, im Veldensteiner Forst in Oberfranken und in der Rhön in Unterfranken. Immer wieder werden in verschiedenen Regionen Bayerns und auch Frankens durchziehende Wölfe gesichtet. Seit dem Jahr 2000 verbreitet sich der im 18. und 19. Jahrhundert in Deutschland ausgerottete Wolf wieder. Schwerpunkte sind dabei die Lausitz in Brandenburg und Sachsen. Zuletzt wuchs die Zahl der Wolfsterritorien in Deutschland um rund 30 Prozent pro Jahr und legte damit kräftig zu.

JAN STEPHAN

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