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Hinter den Kulissen!

Besuch im Schrauber-Hauptquartier des Lebkuchenmanns in einer Weißenburger Halle - 19.06.2019 15:11 Uhr

Die Schrauber hinter dem Lebkuchen: Hacko Bernzott (li.) und Roland Ottinger (re.) sind die treuesten der Treuen ehrenamtlichen Helfer. Hubert Beckstein (Mitte) ist als technischer Leiter für den Bühnenbau beim Theaterprojekt verantwortlich. © Jan Stephan


Hubert Beckstein sitzt in einem Stuhl und denkt nach. Im Hintergrund sägen und schrauben Hacko Bernzott und Roland Ottinger ein Hirschgeweih an die Frontseite eines Wagens, der einem schrägen Albtraum entsprungen zu sein scheint. Auf einem großen Haufen liegen alte Prothesen, an der Wand lehnt ein Jesus mit nur einem Arm und von einem überdimensionalen Ballon starrt eine verzerrte Fratze in den Raum. „Ja, aber...“, sagt Beckstein schließlich und lächelt. Die Frage war, ob es denn die richtige Entscheidung war, als technische Leitung auf den Lebkuchenmann-Zug aufzuspringen.

„Ich musste erst ein bisschen meine Rolle in dem Projekt finden. Verstehen, dass ich nicht für alles zuständig bin, wie wenn ich selber Projekte umsetze“, erklärt er. Dafür ist das Projekt zu groß und die Aufgaben sind zu unterschiedlich. „Mein Ziel war es von Anfang an, dass da 10 000 Leute in den Wald kommen“, sagt Beckstein.

Das Miteinander macht ihm Freude, das schnelle Organisieren und Improvisieren, das Schrauben und das Verhandeln mit Regisseur Georg Schmiedleitner und Bühnenbildner Stefan Brandtmayr. „Die sind genau so irr wie ich“, erzählt er lachend. Nicht immer sei es einfach, den Wünschen aus Künstlersicht handwerklich- technisch hinterherzukommen. „Aber bisher habe ich zu Georg noch nie Nein sagen müssen, und zu Stefan erst einmal“, erzählt Beckstein lachend.

„Da hatte sich Stefan beim Schutt Karl in einen alten Omnibus verliebt, den er ins Theater fahren lassen wollte, aber das hätte niemals funktioniert, der wäre einfach nicht um die Kurve gekommen.“ Aus dem Omnibus ist nun ein kleiner Lkw geworden, der nachtschwarze Albtraum mit dem Hirschgeweih.

„Das Gute ist, dass ich sowohl Handwerker als auch Künstler bin, ich verstehe, wie beide Seiten ticken“, erzählt Beckstein. Der gelernte Schreiner aus Weimersheim stellt bereits seit Jahren seine Holzskulpturen in eigenen Ausstellungen aus und eröffnet im Oktober ein Atelier in Gersdorf auf dem Weißenburger Jura.

Diese Verbindung aus Pragmatik und Kreativität, aus Machbarkeit und Wünschbarkeit macht ihn zu einer lokalen Idealbesetzung auf dieser Position.

Neben zahlreichen Handwerkern aus der Region, die in einer weiteren Folge der Serie vorgestellt werden, hilft eine überschaubare, aber begeisterte Truppe Ehrenamtliche. Die treuesten der Treuen sind Roland Ottinger und Hacko Bernzott, die mit stoischer Ruhe sägen, schrauben, kleben und überlegen.

An Herausforderungen mangelt es dem Team nicht unbedingt. Allzu viel darf man über das Bühnenbild, an dem geschraubt wird, noch nicht verraten, aber die Aufzählung hört sich ebenso irr wie spektakulär an. Da werden sich Dinge von selbst aufblasen, Holzbauwerke sich drehen, Gefährte in die Szenerie rollen, Menschen durch den Wald fliegen ... „Na ja, und dann brauchen wir noch eine Sänfte“, überlegt Beckstein, „und dann das Podest für die Leichen...“ EinSatz, für den man an anderer Stelle vielleicht ins Gefängnis käme, der im technischen Lebkuchenmann-Hauptquartier aber nur für wissendes Nicken sorgt. Klar, das Podest für die Leichen ... 

Jan Stephan Carpe diem

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