Hundetraining in Mittelfranken: Corona macht einen Strich durch die Rechnung

25.4.2021, 17:21 Uhr
Hundetrainerin Nicoletta Reina mit ihren beiden Hündinnen Lilly und Luna.

Hundetrainerin Nicoletta Reina mit ihren beiden Hündinnen Lilly und Luna. © Nicoletta Reina

Im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 durfte Nicoletta Reina weiterhin und unter Auflagen ihre Hundeschule betreiben. Im Laufe der Monate spitzte sich die Lage immer weiter zu, die Regelungen, Auflagen und Richtlinien änderten sich rasant. Zum zweiten Lockdown kam dann plötzlich die Nachricht: "Hundetraining darf ab sofort nicht mehr stattfinden", erinnert sich die Weißenburgerin. Für sie bedeutete das, alle bereits geplanten Termine für die kommenden Wochen abzusagen und den Kunden und Kundinnen gleichzeitig keine genaueren Informationen geben zu können, da sie selbst keine hatte.

Das Hundetraining ist inzidenzgebunden untersagt. Bei einer Inzidenz von unter 100 wäre ein Training möglich, doch der Wert liegt seit Längerem über der 100er-Marke. Kurzzeitig war es erlaubt, den Hund abzuholen, ihn zu trainieren und dann wieder zum Halter oder zur Halterin zu bringen. Aber "zielführendes Hundetraining schult Hund und Halter", so Reina.

Assistenzhunde in der Ausbildung

Gerade bei der Assistenzhundeausbildung kommt es darauf an, bereits in der Prägephase intensiv mit dem Hund und dessen Besitzer oder Besitzerin zu arbeiten. "Die Prägephase ist mitunter eine der wichtigsten Phasen, um die Weichen für eine erfolgreiche Ausbildung zu setzen", so die Hundetrainerin. Viele ihrer Kunden und Kundinnen seien auf ihren Hund angewiesen. Ohne die passende Ausbildung kann der Assistenzhund zusammen mit seinem Halter oder seiner Halterin nicht ausreichend geschult werden.

Assistenzhunde sind für ihre Halter und Halterinnen viel mehr als nur ein treuer Begleiter. "Assistenzhunde sind unsere Helfer auf vier Pfoten und Hilfsmittel mit Leib und Seele. Sie sind für Menschen mit psychischen oder physischen Beeinträchtigungen unerlässlich, um an einem Leben in der Gesellschaft selbstbestimmt und unabhängig teilhaben zu können. Sie finden ihren Einsatz als Behindertenbegleit-, Besuch- oder Therapiehund", heißt es auf der Webseite von natural-dogs, die Hundeschule von Reina. Dabei werden Assistenzhunde - im Gegensatz zu Blindenhunden - noch nicht als medizinisch notwendig eingestuft. Allerdings sieht die Hundetrainerin hier einen beginnenden Wandel und setzt die Hoffnung darauf, dass Assistenzhunde ins Hilfsmittelverzeichnis aufgenommen werden: "Es ist zumindest Bewegung in den gesetzlichen Regelungen von Assistenzhunden."


Wenn nur ein Hund helfen kann


Nicoletta Reina bietet in ihrer Hundeschule in Weißenburg fast ausschließlich Einzeltrainings an, egal, ob es ein Familienhund oder ein Assistenzhund ist. Hygienestandards wären also leicht einzuhalten: Die Trainings sind an der frischen Luft, das Tragen einer FFP2-Maske und der Mindestabstand stellen kein Problem dar und auch ein negatives Schnelltestergebnis könnte vorgelegt werden.

"Es ist einfach nicht nachvollziehbar", sagt die Hundetrainerin. Die Enttäuschung über die vergangenen Monate sind ihr anzuhören. Anfang April stellt Reina dann einen Antrag auf Sondergenehmigung für die weitere Ausbildung der notwendigen Assistenzhunde. Für diesen Antrag gibt es aber nicht etwa ein Formular, das auszufüllen ist. Der bürokratische Aufwand, einen solchen Antrag aufzusetzen, sollte nicht unterschätzt werden. Dennoch – nach etwa 14 Tagen kam dann die erleichternde Nachricht: Nicoletta Reina darf unter strikten Hygienestandards wieder arbeiten. "Die Freude bei den Teams und mir ist riesig", sagt die Hundetrainerin. Zumindest Assistenzhunde darf sie nun wieder trainieren.